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Religiöse Erziehung: Die Frage nach Gott und der Welt

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Religiöse Erziehung  

Die Frage nach Gott und der Welt

19.04.2010, 12:11 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Religiöse Erziehung: Die Frage nach Gott und der Welt. Kleines Mädchen blickt nachdenklich in den Himmel.

Religion kann Kindern in schwierigen Lebenslagen einen gewissen Halt bieten. (Bild: Imago)

Die Religionswissenschaftlerin und ehemalige Grundschullehrerin Doktor Ilse Flöter ist im Rahmen einer Untersuchung für ihre Dissertation zu dem Schluss gekommen, dass Kinder auch dann, wenn sie nicht religiös erzogen werden, trotzdem eine gewisse Sehnsucht nach Gott haben. Das würde die These des bekannten Psychoanalytikers C.G. Jung unterstreichen, der sich sicher war, dass Religion eine "der ursprünglichsten Äußerungen der menschlichen Psyche" sei. Sozusagen eine Art Grundbedürfnis.

Kinder und ihre Fragen ernst nehmen

"Kinder haben ein Grundbedürfnis nach Geborgenheit, Integrität und Ritual." Und das ist etwas, was die Kirche ihnen geben kann, da ist sich die Pfarrerin Berthild Sachs sicher. "Aus meiner Erfahrung heraus kann ich sagen: Kinder stellen  von sich aus die großen, letzten Fragen. Und dann gilt es, das Interesse des Kindes ernst zu nehmen und ihnen keine Denk- und Frageverbote im Sinne von 'Das verstehst du nicht!' zu erteilen. Die oft sehr unbefangenen 'menschlichen' Bilder von Gott sollte  man ebenfalls ernst nehmen und auch eigene Zweifel, eigenes Nichtwissen über Gott zugeben sowie Grenzen der Erfahrung benennen, um dann mit den Kindern gemeinsam mögliche Antworten zu suchen."

Durch Antworten entstehen Weltanschauungen

"Mama, wo wohnt Gott?", "Sieht er wirklich alles?" und "Wenn Gott allmächtig ist, warum kann er dann mein Kaninchen nicht mehr lebendig machen?" - irgendwann, meist im Kindergartenalter, kommen sie, die Fragen nach Gott. Und die Antworten, die Eltern dann geben, spielen eine große Rolle bei der Bildung der Weltanschauung ihres Nachwuchses. "Eine Frage, wie 'Was ist Gott?' oder ähnliches wird aber keinesfalls 'unweigerlich' gestellt", so der stellvertretende Vorsitzende im Fachverband Ethik, Leo Fuß. "Die Kinder fragen nach der Entstehung der Welt, nach dem Urknall, nach dem Wesen des Menschen, ob wir wirklich vom Affen abstammen. Und Eltern, die keinen Glauben praktizieren oder auch nur vorgeben zu besitzen, geraten damit auch nicht in 'Erklärungsnöte'." Seiner Ansicht nach treffen konfessionelle Erläuterungen nicht die Bedürfnisse der Kinder. "Eine Antwort 'Gott/Allah/Jahwe' greift in den kritischen Augen der Kinder zu kurz und wird als billige Ausflucht empfunden!"

Religiöse Feste als Orientierungspunkte

Im Vordergrund sollte stehen, dass Eltern ein offenes Ohr für die vielen Fragen ihrer Kinder haben und die Antworten kindgerecht und vor allem auch altersgemäß formulieren. "Wichtig scheint mir, keine vermeintlich 'kindgemäßen' Antworten zu geben, die man selbst nicht (mehr) glaubt und mit denen das Kind auch nicht älter werden kann", so die Pfarrerin. Wichtig ist, die Möglichkeit zu bekommen, sich eine eigene Meinung zu bilden. Doch auch, wenn man selbst keinem Glauben angehört, kann - und will man sich normalerweise auch gar nicht - dem durch die kirchlichen Feste vorgegebenen Rhythmus entziehen. Schließlich wird das ganze Jahr durch religiöse Feierlichkeiten gegliedert. Manche werden ernster genommen, andere, wie zum Beispiel das Erntedankfest, von vielen ignoriert. Dabei bieten sie in ihrer Gesamtheit eine gute Orientierung und einen wunderbaren Anlass, um den Sinn, der hinter einem solchen Fest steht, einmal zur Sprache zu bringen. Was manchmal nicht ganz einfach ist, da Weihnachten oft eher eine Geschenkeflut als ein besinnliches Fest ist und die Schokohasen ihren Platz in den Regalen bereits kurz nach Silvester wieder beziehen.

Krabbelgottesdienste sind ein guter Einstieg

Selbst, wenn man nicht gläubig ist, so ist die Geschichte Jesu ein Teil unserer Gesellschaft, sie gehört sozusagen zum Allgemeinwissen und ist nebenbei ein schöner Anlass, mal wieder gemeinsam zur Ruhe zu kommen. Adventsbasteln, Plätzchen backen, Ostereier anmalen, das wird für viele erst dann wieder interessant, wenn sie Kinder haben. Und das gilt oft auch für den Kirchenbesuch. Besonders gut geeignet sind die in den meisten Gemeinden inzwischen angebotenen Kinder- und Krabbelgottesdienste. "Diese versuchen, sich von Methoden, Länge und Anschaulichkeit her ganz an den Kindern zu orientieren. Sie werden mit einbezogen und suchen daher auch weniger Ablenkung als bei Gottesdiensten, die sie nicht verstehen."

Ein Glaube kann Halt bieten

Es gibt aber auch Kinder, die kommen im Kindergarten, manche sogar erst in der Schule das erste Mal mit dem Thema Religion in Kontakt. Dabei kann es hilfreich sein, auf einen Glauben zurückgreifen zu können. Alles kann man nicht erklären, oft kommt man, zum Beispiel beim Thema Tod, an seine Grenzen. Die Vorstellung, die geliebte Oma sei jetzt im Himmel ist aber einfacher als die vermeintliche Realität. Religion kann schließlich auch einen gewissen Halt im Leben bieten. Allerdings hängt der Erfolg stark davon ab, welches Gottesbild einem Kind vermittelt wird. "Gerade ältere Menschen berichten uns oft von religiösen Erfahrungen, die von Angst vor Strafen geprägt waren. Dabei wird meiner Ansicht nach die religiöse Erziehung aber für andere Zwecke verwendet, nämlich um Gehorsam zu erzwingen oder Autorität zu verstärken", so Berthild Sachs, die sich gemeinsam mit ihrem Mann eine Nürnberger Pfarrstelle teilt. "Eine solche Erziehung kann nicht nur einengen, sondern auch den späteren Weg zu einem mündigen 'erwachsenen' Glauben erheblich erschweren oder sogar zur völligen Abkehr führen."

Wichtig sind Respekt, Hochachtung und Toleranz

Studien wie die von Doktor Ilse Flöter  haben das Ziel, die Bedeutung des Religionsunterrichts zu unterstreichen. Frau Sachs, selbst auch Religionslehrerin an einer Grundschule, betont, dass Kinder hier eine gelebte, mit Leben erfüllte Religion als Modell erleben, mit dem sie sich auseinandersetzen können. Das scheint mir im Ethikunterricht mit Blick auf die alle 'gleich gültigen' Konzepte von Gott und Welt so nicht gegeben." Sie weist darauf hin, dass auch im christlichen Religionsunterricht die anderen Religionen behandelt werden. "Und zwar mit Respekt, Hochachtung, religiösem Interesse und unter dem Vorzeichen der Erziehung zur Toleranz." Leo Fuß bezweifelt das nicht, hält aber dagegen: "In einem abgetrennten Religionsunterricht können bestimmte Fragen zu 'Gott und der Welt' nicht unvoreingenommen diskutiert werden."

Bilderbücher und Kinderbibeln als Gesprächsgrundlage

Wenn man sich gemeinsam mit seinen Kindern auf die Suche nach Gott machen möchte, dann sind vor allem für die Kleineren die zahlreichen Kinderbibeln sehr gut, um ihnen die Geschichten, die den evangelischen und katholischen Glauben bestimmen, näher zu bringen. Als Gesprächsgrundlage besonders gut geeignet, sind auch Kinderbücher, die sich mit den verschiedenen Religionen beschäftigen. So wie 'Gott, Allah, Buddha - Und woran glaubst du?' von Emma Damon. Einfach und anschaulich erklärt die Autorin bereits für Kinder im Kindergartenalter die Unterschiede zwischen Muslimen, Juden und Christen, zwischen Buddhisten, Sikhs und Hindus. Und kommt zu dem Schluss, dass einfach jeder Mensch etwas Besonderes sei, egal, an was er glaubt.

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