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Mädchen und die Faszination Pferd

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Pferde  

Faszination Pferd - Stallgeruch, Hufe auskratzen, Zöpfe flechten

27.04.2010, 10:50 Uhr | Simone Blaß, mck, t-online.de

Mädchen und die Faszination Pferd. Faszination Pferd.

Wenn es um das Thema "Pferd" geht, dann bekommen die meisten Mädchen glänzende Augen. (Bild: Imago)

Fast alle Reiter unter 14 sind weiblich. Das Pferd und alles, was damit zu tun hat, übt auf Mädchen und Frauen eine ungeheure Anziehungskraft aus. Insgesamt gibt es in Deutschland rund elf Millionen Menschen, die am Thema Pferd und Pferdesport interessiert sind, so eine Studie des Marktforschungsinstituts Ipsos, die von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung in Auftrag gegeben wurde. Und denen geht es nicht um Status. Die Gründe für die Liebe zu diesem Tier sind andere.

Das Pferd als wichtiges Element im Abnabelungsprozess

Wenn es um das Thema "Pferd" geht, dann bekommen die meisten Mädchen glänzende Augen. Die Kleidung ist mit Glitzerponys verziert, das Zimmer mit Pferdepostern voll gepflastert, jedes zweite Spiel im Schrank dreht sich um den Vierbeiner und im Regal stehen Silberschweif, Anna vom Ponyhof Mühlental und Wendy. "Müsste man es einordnen, läge das Pferd - überspitzt gesagt - wahrscheinlich irgendwo zwischen Puppe, dem ersten Freund und dem ersten Kind", so die Sozialpädagogin Gisela Luntz, selbst Leiterin eines Reitstalls.

Hufe auskratzen und Zöpfe flechten

"Im Vordergrund steht bei vielen das Versorgen des Tieres. Man könnte manchmal sogar den Eindruck bekommen, das eine oder andere Mädchen nimmt das Reiten letztendlich nur in Kauf, um das Pferd pflegen zu können." Kim gibt ihr da recht. Die Zwölfjährige ist seit Jahren mit Begeisterung dabei. "Das Schönste am Reiten ist das Kümmern um das Pferd. Putzen, Hufe auskratzen und Zöpfe flechten, das macht mir am meisten Spaß."

Der Umgang mit dem Pferd stärkt das Selbstvertrauen

Wenn man die Liebe zum Pferd erklären möchte, dann muss man neben dem sportlichen Aspekt auch die soziologischen und psychologischen Aspekte betrachten, die mit hineinspielen. "Obwohl ein Pferd kein Tier ist, das gerne kuschelt, so ist es doch das Tier selbst, das die Faszination auslöst. Der große, warme Körper, der Körperkontakt beim Putzen und die Harmonie, die man in der Arbeit mit dem Pferd herstellt." Gisela Luntz, die über eine Zusatzausbildung in tiergestützter Therapie verfügt und auf ihrem Hof auch heilpädagogisches und integratives Reiten anbietet, arbeitet bewusst gruppenpädagogisch. Auf der einen Seite wird so das Zugehörigkeitsgefühl bei den Kindern und Jugendlichen gestärkt, auf der anderen Seite werden auch die Kinder besser erreicht, die sehr auf sich bezogen sind und die von der Arbeit mit dem Pferd stark profitieren können.

Totale Entspannung

Man übernimmt Verantwortung für ein anderes Lebewesen, muss lernen, das Tier richtig zu lenken und sich gewaltfrei Respekt zu verschaffen. Wenn es dann gelingt, mit dem Pferd zu harmonieren, die Kraft und Dynamik, die von ihm ausgehen, zu nützen, dann steigt automatisch auch das eigene Selbstbewusstsein. So wie bei der zehnjährigen Nadja. "Ich finde es faszinierend, mit dem Pferd gemeinsam zu lernen und mich auf dessen Bewegungen einzustellen. Ich kann mich bei der Arbeit mit dem Pferd total entspannen und wenn ich ehrlich bin, bin ich sehr stolz darauf, dass ich reiten kann."

Das Pferd ist ein "Übergangsobjekt"

Die Liebe zum Pferd fällt bei vielen Mädchen in eine Phase, in der sie beginnen, sich von den Eltern abzunabeln. Das Pferd vermittelt Sicherheit, Geborgenheit und manchmal auch Trost. Wenn man sich in der Wissenschaft umsieht, dann werden das Reiten und die Vorliebe zum Pferd immer wieder mit einer sexuellen Motivation in Verbindung gebracht. Gisela Luntz sieht das nicht so. "Meistens sind die Mädchen davon doch noch ein ziemliches Stück entfernt. Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass durch den Umgang mit dem Pferd die Entwicklung hin zu Jungs sogar noch ein wenig weiter hinausgeschoben werden kann."

Geruch der Pferde

Umsorgen, verhätscheln, streicheln und die Wärme des Tieres spüren, den speziellen Geruch einsaugen - die Pflege eines Pferdes ist richtige Arbeit, bei der man auch mal schmutzig wird, weil sie bei jedem Wetter gemacht werden muss und die viel Zeit in Anspruch nimmt. Aber das alles ist eine Zärtlichkeit, die von der Gesellschaft akzeptiert wird - im Gegensatz zu einem sehr frühen Hinwenden zum anderen Geschlecht. "Das Pferd will nichts von dem Mädchen, was es selbst vielleicht nicht will. Aber irgendwann erwischt es alle und sie verlieben sich das erste Mal. Das Pferd wird diese Bindungslösung widerspruchslos hinnehmen und wenn es gut versorgt ist, prima verkraften und mit Sicherheit auch keine Eifersuchtsszene machen."

Jungs bevorzugen "Pferdestärken"

Doktor Helga Adolph und Professor Harald Euler von der Universität Kassel haben sich ausführlich mit dem Thema, warum gerade Mädchen und Frauen reiten, beschäftigt und sind zu dem Schluss gekommen, dass die Faszination von Pferden und die des Reitens als Bindungsphänomen zu sehen sind. Mädchen finden in dem Tier einen verlässlichen Partner, der zwar stark ist, seine Stärke aber nicht gegen sie richtet. Sie bilden mit dem Tier eine Einheit und genießen das Gefühl, gebraucht zu werden. Früher, in Zeiten, in denen das Pferd noch Mobilität und Macht bedeutete, war das Interesse an ihm eine reine Männersache. Durch das technische Zeitalter wurde das Tier durch andere "Pferdestärken" ersetzt und damit als Statussymbol wohl uninteressant. Gesellschaftlich akzeptiert sind nach wie vor die Jungs, die ihre Freizeit mit Pferden verbringen, häufig allerdings sind sie nicht. Und wenn, dann findet man sie meist im Spitzensport. Für Mädchen steht der sportliche Aspekt eher im Hintergrund, für sie zählt die Nähe, das Naturerlebnis und der Umgang mit einem Lebewesen, in das sie sich einfühlen und mit dem sie eine Partnerschaft eingehen können. Eine Bindung, die manchmal lebenslang hält, meistens aber mit der Pubertät an Bedeutung verliert.

Pferdezeitschriften und Spielzeugponys

Das ganze Drumherum, wie Pferdezeitschriften, Ponyhof für Puppen, Pferdeposter, Sticker, T-Shirts und Computer-Spiele, gehört für viele Mädchen bis zu einem gewissen Alter zum Pferd dazu oder ist ein Ersatz für das eigene Pferd. Mit ihren kleinen Ponyfiguren können sie zuhause ihre Zuneigung zum Tier zelebrieren und werden jederzeit an ihren Liebling - der ja nicht mit in die Wohnung kommen kann - erinnert. Das heißt allerdings nicht, dass die Verbindung zwischen Reitsport und Konsumartikeln überhand nehmen muss. Sicherlich kann es sinnvoll sein, der Tochter ein Kuschelpferd zu kaufen, damit das Pferd immer einen Platz an ihrer Seite hat. Ein ganzes Zimmer voller Pferdeposter, Figuren und so weiter erscheint übertrieben, ist manchmal allerdings auch nur eine vorübergehende Phase.

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