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Jugendrichter schickt Schulschwänzer in den Knast

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Schule  

Knast für Schuleschwänzen

31.05.2010, 10:50 Uhr | mmh, t-online.de

Jugendrichter schickt Schulschwänzer in den Knast. Jugendarrestanstalt Hahnhöfersand bei Hamburg.

Jugendarrestanstalt Hahnhöfersand: Jugendrichter in Hamburg schickt Schulschwänzer in den Knast. (Bild: Hamburg.de)

Null Bock auf Schule? In Hamburg ist das ein Verbrechen. Jugendliche Schulschwänzer schickt der Bergedorfer Jugendrichter Olof Masch jetzt für eine Woche in die Jugend-Arrestanstalt nach Hahnöfersand. Drei notorische Schwänzer hat es dieses Jahr schon getroffen. Er nennt es das "Heilsamer-Schock-Verfahren". Das Vorgehen erscheint hart, ist aber im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten und gilt dem Jugendrichter sogar als präventive Maßnahme. Oft stehe nämlich Schulschwänzen am Beginn einer kriminellen Karriere oder sei Teil von Vernachlässigung.

Notorisches Schulschwänzen breitet sich aus

Von epidemischen Formen spricht das Deutsche Jugendinstitut in Bezug auf das Schulschwänzen. Nach einer Untersuchung des Deutschen Jugendinstituts aus dem Jahr 2002 schwänzen rund eine halbe Million Schüler in Deutschland regelmäßig den Unterricht. Neuere Zahlen sprechen von rund 300.000 Schülern, die sich weigern, regelmäßig in den Schulunterricht zu gehen. Bei knapp zehn Millionen Schülern sind das rund fünf Prozent. Die Tendenz ist steigend, das Problem ist vielschichtig. In Bayern beispielsweise griff die Polizei im Jahr 2002 über 1500 Schulschwänzer auf. Maßnahmen dagegen setzen meistens die Mithilfe der Eltern voraus, doch hier liegt oft die größte Schwierigkeit. Das DJI beobachtet auch mangelnde Einsicht bei den Schwänzern. Schulschwänzen wird als Teil der Vernachlässigung und Verwahrlosung von Kindern angesehen.

Rechtliche Handhabe

Schulschwänzen ist kein Kavaliersdelikt. Die Einweisung in den Jugendknast ist durchaus legal und nicht überzogen, auch in anderen Bundesländern wird das, was offiziell "Absentismus" heißt, sehr streng geahndet. Der Paragraph 98 des Ordnungswidrigkeiten-Gesetzes regelt dies, denn Schulschwänzen fällt darunter. Der Hamburger Jugendrichter Masch (63) nennt sein Verfahren einen heilsamen Schock, sein Motto heißt "wohlwollende Konsequenz". "Bild.de" zitiert den resoluten Jugendrichter so: "Ich halte das für eine sehr sinnvolle Methode. Paragraph 98 des Ordnungswidrigkeiten-Gesetzes sieht vor, dass ich als Jugendrichter eine Geldbuße in sinnvolle pädagogische Maßnahmen umwandeln kann und Jugendarrest halte ich in manchen Fällen eben für sinnvoll." Masch, der unter den 30 Jugendrichtern als der gilt, der am härtesten durchgreift, sagt außerdem: "In der Regel verhängen Jugendrichter selbst bei wiederholtem Fehlverhalten nur Arbeitsleistung in sozialen Einrichtungen. Ich finde, das ist nicht sinnvoll." Masch sieht diese Strafe als Prävention, denn er sagt: "Bei vielen Intensivtätern, die vor mir stehen, hat alles mal damit angefangen, dass sie nicht mehr regelmäßig zum Unterricht gegangen sind." Oft jedoch bringt schon die Androhung der Gefängnisstrafe die erhoffte Wirkung.

Das Vorgehen

Bleibt ein Schüler fünf Tage lang unentschuldigt dem Unterricht fern, dann meldet die Schule den Namen an die Behörden. Die Behörde verschickt dann einen Bußgeldbescheid an die Eltern: 75 Euro sind zu zahlen, falls der Schüler älter als 14 Jahre ist. Doch die Erfahrung von Richter Masch: Bescheide werden ignoriert, das Bußgeld nie bezahlt. Der folgende Verhandlungstermin ließ oft bis zu zwei Jahre auf sich warten. Richter Masch plädiert für zügiges Handeln und zeitnahe Strafen.

Das Nürnberger Modell

1998 ist das Nürnberger Modell gegen notorisches Schulschwänzen in der Stadt Nürnberg in Kraft getreten und wird seit 2000 in ganz Bayern angewandt. Und zwar erfolgreich: Im Schuljahr 2002/2003 ertappte die Polizei in Bayern insgesamt 1114 Schulschwänzer. Es ist ein Zwei-Stufen-Modell: Erst wird in den Schulen in Gesprächen auf Schüler eingewirkt, die durch häufiges Fehlen auffallen. Bleibt die erhoffte Wirkung aus, wird der so genannte Schulzwang angedroht und - bleibt auch dies ohne Wirkung - vom Schulleiter beantragt. Das bedeutet: Der Schüler wird von der Polizei oder durch Pädagogen täglich zur Schule abgeholt. Im zweiten Bereich des Modells werden Kaufhäuser und bekannte Treffpunkte der Jugendlichen von Zivilstreifen der Polizei überprüft. Die aufgegriffenen potentiellen Schulschwänzer müssen ihre Personalien angeben, ihre Schule wird informiert und überprüft, ob die "Verdächtigen" überhaupt gerade Unterricht hätten. Bestätigt die Schule dies, wird der Schüler von der Polizei zum Unterricht gebracht, beziehungsweise zu den Erziehungsberechtigten.

Andere Wege gegen Schuleschwänzen

Was machen die Kids aber in der Zeit, in der sie nicht in der Schule sind? Wo hängen sie ab? Einkaufscenter sind beliebte Treffpunkte, die auch regelmäßig kontrolliert werden. Schulschwänzer sind nicht kriminell, doch statistisch gibt es einen Zusammenhang zwischen der Häufigkeit von Ladendiebstählen und Schulschwänzen. Andere spielen an öffentlich zugänglichen Spielkonsolen. "Erst Schule, dann spielen" mit solchen Aufrufen, so treten die Ladenbesitzer dem entgegen, bis 14 Uhr bleiben die Konsolen abgeschaltet.

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