Startseite
Sie sind hier: Home > Eltern > Erziehung >

Illegale "Kinderwagen-Verbote" auf Gehwegen

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Gesellschaft  

Illegale "Kinderwagen-Verbote" auf Gehwegen

10.06.2010, 14:49 Uhr | rev, dpa

Illegale "Kinderwagen-Verbote" auf Gehwegen. Unbekannte haben auf dem Gehweg am Kollwitzplatz im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg Verbotsschilder für Kinderwagen aufgemalt. Da in dieser Gegend zahlreiche junge Familien mit Kindern wohnen, sind auch dementsprechend viele Spielplätze angelegt, die von Müttern mit Kinderwagen angesteuert werden.

Unbekannte haben auf dem Gehweg am Kollwitzplatz im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg Verbotsschilder für Kinderwagen aufgemalt. Da in dieser Gegend zahlreiche junge Familien mit Kindern wohnen, sind auch dementsprechend viele Spielplätze angelegt, die von Müttern mit Kinderwagen angesteuert werden. (Quelle: dpa)

Zwischen Kinderfeinden und Eltern verhärten die Fronten im kinderreichen Berliner Stadtviertel Prenzlauer Berg. Nach einem Streit um ein Café mit kinderfreier Zone fühlen Mütter und Väter sich neuerdings von "Kinderwagen-Verboten"-Zeichen auf Gehwegen provoziert. Rund um den Kollwitzplatz sind mehrere schwarze Kinderwagen in einem roten Kreis auf dem Boden zu sehen.

Streit um kinderfreie Zone

Kinderlachen schallt durch das kleine Café Niesen im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Bauklötze klappern, zwei Jungen spielen Fangen. Mittendrin einige Mütter, die ihre Babys stillen. Ein typischer Nachmittag in dem Ecklokal, das als sehr kinderfreundlich gilt - eigentlich. Erst kürzlich hatte sich ein großer Streit um das Café entfacht: Seit Jahresbeginn gibt es hier eine "kinderfreie Zone" oder, freundlicher ausgedrückt, ein Séparée, das nur Erwachsenen offensteht. Heinz Hilgers, Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes äußerte sich erbost über die Maßnahme: "Das ist eines der Symbole dafür, dass sich Deutschland in eine kinderentwöhnte Gesellschaft entwickelt". Und auch die Berliner Parteien fühlen sich von dem Angebot auf den Plan gerufen. So hält die SPD die Abtrennung für "eine geschmacklose Aktion".

Rückzugsort für gestresste Eltern

Zwischen den Café-Besuchern und Bürgern spalteten sich die Meinungen: Dabei sollen die etwa acht Stühle und die Polstersitzecke im kinderreichen Berliner Szene-Viertel Prenzlauer Berg nur ein Rückzugsort für gestresste Eltern, Pärchen und Zeitungsleser sein. Nadja Willner (33) kommt regelmäßig ins Café. In das Nebenzimmer würde sie sich nicht setzen. "Das hat so was von Raucherraum." Separierung jeder Art finde sie "etwas gruselig". Sandra Merseburger sitzt dagegen gerne dort. "Wenn hier in den Stoßzeiten 20 kleine Kinder rumrennen, gehe ich rüber - das ist besser, als wenn die ganze Zeit Schreialarm angesagt ist", sagt die kinderlose 36-Jährige. Doch Kinderschutzbund-Chef Hilgers bleibt dabei: "Kinder machen keinen Lärm, sie drücken ihre Lebensfreude aus. Das sollte Musik in den Ohren der Gesellschaft sein", sagt er.

Erwachsenenecke und Kinderecke?

Wenn jemand in Prenzlauer Berg ausgegrenzt werde, dann seien das bestimmt nicht die Kinder, sondern die Paare ohne Nachwuchs und die Singles, findet Olivia Kraußer. "Man fühlt sich echt als Minderheit hier." Als sie vom Angebot hörte, dachte sie, alle Kinderlosen würden hierher verbannt, sagt die 33-Jährige und lacht. Die schnullerfreie Zone findet sie in Ordnung. "Es ist einfach eine Erweiterung des Cafés." Eine Kinderecke gebe es schließlich auch, warum also keine Erwachsenenecke? Das sieht der Mitinhaber des Cafés, Klaus Schulte, genauso. Die Aufregung ärgert ihn. Immer wieder hätten sich Gäste über die herumwuselnden Kinder beschwert. Die Idee sei von Eltern selbst gekommen, "damit sie mal in Ruhe ihr Süppchen essen können". Dies sei weder diskriminierend, noch ein Affront gegen Kinder, beteuert der 49 Jahre alte Vater einer vierjährigen Tochter.

Zusatzangebot statt Ausgrenzung

Bei aller Kinderliebe: "Es gibt doch definitiv mal den Moment, wenn man entnervt ist von dem Geschrei", sagt Schulte. Einige Mütter hätten "hysterisch" reagiert und sich demonstrativ mit ihrem Nachwuchs in das stille Zimmer hineingesetzt. Das seien aber Einzelfälle gewesen, betont Schulte. Auch der junge Vater Christian Schmitz ist begeistert. "Kinderfreie Zone? Cool!" Hier könnten sich die Singlefrauen dem sozialen Druck entziehen. Immer wieder höre er von kinderlosen Freundinnen, die sich zwischen den vielen Müttern in ihrem Kiez wie ein Fremdkörper vorkommen: "Du hast keinen Kinderwagen dabei, bist nicht schwanger, hast keinen Mann - was macht du dann in Prenzlauer Berg?" Davon, dass es tatsächlich im Berliner Stadtteil einen ernstzunehmenden Konflikt zwischen Eltern und Singles gibt, zeugen nun die "Kinderwagen-Verboten"-Symbole auf den Gehwegen - eine zweifellos kinderfeindliche Aktion, bei der es nicht mehr um Ruhe- und Rückzugsorte geht.

Ratgeber - Kinderwagenanhänger fürs Fahrrad: Ideal für den Nachwuchs

Liebe Leserin, lieber Leser, aktuell können zu diesem Thema keine neuen Kommentare abgegeben werden. Ab 6 Uhr können Sie hier wieder wie gewohnt diskutieren. Wir danken für Ihr Verständnis.
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Neue Kommentare laden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Die besten Videos des Jahres 2016 
Passant entlarvt angeblichen Beinamputierten

Misstrauisch werden die vermeintlichen Beinstümpfe befühlt. Video

Anzeige

Shopping
tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de

Anzeige
shopping-portal