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Hochbegabung: Marian Kogler über sein Leben als Wunderkind

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Hochbegabung  

Hochbegabung als Fluch und Segen - Einsichten eines jungen Genies

23.06.2010, 11:15 Uhr | rev, t-online.de

Hochbegabung: Marian Kogler über sein Leben als Wunderkind. Marian Kogler ist mit seinen 18 Jahren wahrscheinlich der jüngste Mitarbeiter einer deutschsprachigen Hochschule. (Bild: Maike Glöckner)

Marian Kogler ist mit seinen 18 Jahren wahrscheinlich der jüngste Mitarbeiter einer deutschsprachigen Hochschule. (Bild: Maike Glöckner)

Mit zweieinhalb Jahren konnte er lesen, mit vier das große Ein-mal-eins. Er war 13, als er zu studieren begann, zwei Jahre später hatte er seine Matura, das österreichische Abitur, und mit 17 war er der jüngste Diplomingenieur von Österreich. Das Leben von Wunderkind Marian Kogler verlief scheinbar wie im Zeitraffer - jedoch keineswegs ohne Probleme: In seinem kürzlich erschienenen Buch "Gemischte Gefühle und anderer Zeitvertreib. Erfahrungen und Einsichten eines Hochbegabten" beschreibt der inzwischen 18-jährige Kogler die Hürden und Schwierigkeiten, die eine Hochbegabung mit sich bringt.

Auf dem Türschild von Zimmer 228 des Instituts für Informatik der Martin-Luther-Universität in Halle steht es: "Marian Kogler, Diplomingenieur". Das mag zunächst wenig spektakulär klingen - aber das ist es. Marion Kogler ist 18 Jahre alt und höchstwahrscheinlich der jüngste Mitarbeiter einer deutschsprachigen Hochschule. Seit April 2010 promoviert Kogler in theoretischer Informatik. Er unterrichtet zudem zweimal wöchentlich Studenten in einer Übung. Obwohl die allesamt älter sind als er, würde er von ihnen akzeptiert werden, so der Doktorand. Das war allerdings nicht immer so im Leben von Marian Kogler.

Koglers IQ liegt bei 150

Im Alter von drei Jahren konnte Kogler schon dreistellige Zahlen addieren und subtrahieren und las bereits sein erstes Kinderbuch. Wie das so schnell ging, kann er sich heute auch nicht recht erklären: "Vermutlich durch Beobachtung, beim Fernsehen zum Beispiel", mutmaßte er im Interview mit der Franfurter Allgemeinen Zeitung. Die außergewöhnliche Begabung von Marian Kogler war jedenfalls früh zu erkennen, weshalb seine Eltern den Dreijährigen zum Psychologen schickten. Ein ausführlicher Test ergab: Koglers Intelligenzquotient liegt bei mindestens 150 - ab einem IQ von 130 gelten Menschen als hochbegabt. Laut der "Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind" trifft dies auf zwei bis drei Prozent aller Kinder zu.

Kindergarten: Monopoly statt Bauklötze

Dass mit einer Hochbegabung aber nicht nur Vorzüge verbunden sind, zeigte sich bei Marian Kogler bereits im Kindergarten: Die Erzieherinnen waren schnell überfordert mit dem kleinen Genie und forderten ihn immer wieder auf, doch bitte wie die anderen Kinder zu spielen. Da Kogler intellektuell viel weiter entwickelt war als Gleichaltrige, war das allerdings unmöglich. Er kam schließlich in einen anderen Kindergarten, in dem er speziell gefördert wurde und fortan nicht mehr mit Bauklötzen spielen musste. Stattdessen spielte er lieber Monopoly mit seinen Kindergärtnerinnen.

Ausgrenzung durch Mitschüler und Lehrer

Trotz seiner Hochbegabung kam Kogler mit fünf Jahren auf eine normale Wiener Schule. Auch während seiner Schulzeit hatte er mit vielen Handikaps zu kämpfen: Neben oft extremer Langeweile bedeutete Schule für den Wiener Jungen auch Ausgrenzung und Mobbing durch Mitschüler und Lehrer. Immer wieder übersprang Kogler eine Klasse. Als er zwölf Jahre alt war, waren seine Klassenkameraden schon 15, 16 und teilweise 17. Als Folge wurde er von einem Großteil seiner Mitschüler gemieden, beleidigt oder sogar körperlich angegriffen. Aber Kogler wusste sich einigermaßen zu helfen, indem er sich angewöhnte älter zu wirken: "Ich habe mich so sozialisiert, dass ich in die jeweilige Altersgruppe gepasst habe", erklärt er in seinem Buch. Während sich beispielsweise seine Klassenkameraden zu Mädchen hingezogen fühlten, konnte er ein solches Interesse nur vorspielen: "Ich konnte gut simulieren, älter zu sein. Ich habe älter gedacht, gefühlt, kommuniziert."

Wie einige Jahre zuvor seine Kindergärtnerinnen waren auch einige Lehrer mit Marian Kogler und dessen IQ von 150 überfordert: Nur wenige gaben sich Mühe ihn zu fordern. Die meisten ignorierten ihn hingegen und wollten ihn auch gar nicht in ihrer Klasse haben. Trotz seiner Anpassungsfähigkeit litt Kogler in der Schulzeit stark unter dem Verhalten seiner Lehrer und Mitschüler. So musste er gleich mehrere Male die Schule wechseln, um dem psychischen Druck, der auf ihm lastete, entgehen zu können. Damit solche Probleme, die viele Hochbegabte haben, vermieden werden, müssten die Lehrer besser über das Phänomen Hochbegabung Bescheid wissen und das Schulsystem müsse flexibler sein, so Kogler im FAZ-Interview: Schülern müsste die Möglichkeit gegeben werden, je nach Begabung und Stärke zu lernen.

Andere Länder setzen mehr auf Hochbegabte

Obwohl er in der Vergangenheit so manche Hürde zu bewältigen hatte, betrachtet Marian Kogler seine Hochbegabung heute als Segen. Er ist seinen Eltern sehr dankbar, weil die ihn gefördert haben. Nicht jedes hochbegabte Kind hat dieses Glück. Birgit Zahradnik von der "Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind" betont wie wichtig es ist, eine Hochbegabung rechtzeitig zu erkennen und dann auch zu fördern: "In bildungsfernen Schichten werden hochbegabte Kinder viel seltener entdeckt, weil kaum jemand mal gezielter hinsieht. Viele dieser Kinder landen aufgrund ihrer Familienverhältnisse und herrschender Vorurteile in der Gosse, obwohl sie eigentlich bei gezielter Förderung die besten Chancen hätten." Zahradnik stimmt Marian Kogler indirekt zu, wenn sie kritisiert, dass Lehrer und Erzieher zu diesem Thema nicht genügend ausgebildet und informiert werden. "Vieles wäre bei flächendeckenden, regelmäßig durchgeführten Tests einfacher", so Zahradnik. "Andere Länder setzen bereits viel mehr auf Hochbegabte und sehen darin auch ganz klar den volkswirtschaftlichen Vorteil."

Buch: Marian Kogler "Gemischte Gefühle und anderer Zeitvertreib. Erfahrungen und Einsichten eines Hochbegabten". Seifert Verlag, 199 Seiten, 19,90 Euro.

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