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Aufklärung: "Mama, wie geht eigentlich Verhütung?"

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Aufklärung  

"Mama, wie geht eigentlich Verhütung?"

06.08.2010, 17:06 Uhr | ots

"Mama, wie geht eigentlich Verhütung?". Mutter klärt ihre Tochter mit Kondom in der Hand über Verhütung auf.

Eltern sollten die Aufklärung nicht allein der Schule und vor allem Gleichaltrigen überlassen. (Bild: Archiv)

"Wie kommen die Babys in den Bauch?", "Mama, wie geht eigentlich Verhütung?" - je nach Alter beschäftigen Kinder und Jugendliche unterschiedliche Fragen zum Thema Sexualität. Eltern sind oftmals unsicher, wann der richtige Zeitpunkt für die sexuelle Aufklärung ist und wie sehr sie ins Detail gehen sollen. Im Interview beantwortet Dr. Sabine Thor-Wiedemann, Autorin mehrerer Aufklärungsbücher wie beispielsweise "Liebe, Sex & Co: Das Aufklärungsbuch für Jugendliche" und "Wo komme ich her? Mein erstes Aufklärungsbuch", die dringendsten Fragen von Eltern rund um die sexuelle Aufklärung.

Wie verläuft Aufklärung heute bei Kindern und Jugendlichen?

Thor-Wiedemann:Noch bis in die siebziger Jahre fand die Aufklärung erst in der Pubertät statt. Heute werden Schwangerschaft und Geburt bereits im Kindergarten thematisiert. Eltern haben oft Schwierigkeiten, Themen, die die Sexualität betreffen, anzusprechen. Sie überlassen die Aufklärung gerne den Lehrern. Kinder und Jugendliche erhalten ihre Aufklärung aber nicht allein über den Schulunterricht, sondern auch durch Gespräche mit Gleichaltrigen. Und da schleichen sich dann häufig Fehlinformationen ein.

Sollte ich aktiv aufklären oder auf entsprechende Fragen meines Kindes warten?

Thor-Wiedemann: Das kommt auch auf das Alter des Kindes an. Im Vorschulalter sollten Eltern warten, bis die entsprechenden Fragen vom Nachwuchs kommen. Auf keinen Fall sollten Mütter und Väter ihren Kindern Themen aufdrängen, für die sie noch nicht reif sind. Ungefähr in der dritten oder vierten Klasse ist es gut, wenn Kinder schon Informationen bekommen, was sie in der Pubertät erwartet. Bei ihnen und bei bereits Pubertierenden sollten Gelegenheiten zum ungezwungenen Gespräch genutzt werden. Selbst wenn Eltern denken, dass ihr Sohn oder ihre Tochter bereits aufgeklärt ist, zeigen gezielte Fragen, dass beispielsweise in Bezug auf die Verhütung nicht alles richtig verstanden wurde. Für alle Altersgruppen eignen sich Aufklärungsbücher als gute Gesprächsaufhänger. Es ist schließlich einfacher mit einem Kind über ein Buch zu sprechen als beim Sonntagsfrühstück zu fragen: "Was weißt du über Sex?".

Was wären solche günstigen Gelegenheiten zum Aufklären?

Thor-Wiedemann: Eltern sollten darauf achten, wie viel Interesse ihr Kind zeigt. Spätestens, wenn das Kind fragt: "Wie kommt das Baby in den Bauch und wieder heraus?", ist die Zeit für ein Gespräch gekommen. Bei Jugendlichen bieten sich Gespräche zum Beispiel über Verhütung bei ungewollten Schwangerschaften im Bekanntenkreis des Teenagers an. Aber auch Zeitungen und Fernsehsendungen greifen Themen wie AIDS oder Abtreibung auf. Beispielsweise könnten Eltern beim gemeinsamen Fernsehen nachhaken, ob beim Jugendlichen Wissen vorhanden ist und ob er Fragen auf dem Herzen hat.

Wer ist für die Aufklärung zuständig?

Thor-Wiedemann: Im Idealfall bemühen sich beide Elternteile um eine gelungene Aufklärung ihres Kindes. Eltern haben in Bezug auf die Aufklärung eine wichtige Funktion. In der Realität übernehmen diese Aufgabe häufig die Mütter. Gerade bei Mädchen ist die Mutter, beispielsweise bei der ersten Menstruation, die wichtigste Ansprechpartnerin. Bei Jungen sollten Väter ihre Vorbildfunktion wahrnehmen: Sie sollten bei ihren Söhnen den Sinn für partnerschaftliche Verantwortung wecken. Im Idealfall sensibilisiert der Vater den Jugendlichen auch für die körperlichen und verbalen Signale von Mädchen, die es beim Sex zu beachten gibt. Außerdem sollten Väter ihren Söhnen nahelegen, dass Verhütung auch Männersache ist.

Wenn es Eltern peinlich ist mit ihrem Kind über Sexualität zu reden - wie können sie dieses Gefühl überwinden?

Thor-Wiedemann: Wenn es Eltern unangenehm ist mit ihrem Kind über Sexualität zu reden, können Bücher oder Filme, die das Thema auf der sachlichen Ebene behandeln, als Gesprächsgrundlage dienen. Bei der Auswahl der Medien sollten die Erwachsenen darauf achten, wie das Thema behandelt und welche Wortwahl benutzt wird. Empfehlenswert für die Lektüre der gesamten Familie sind meiner Meinung nach neben den klassischen Aufklärungsbüchern die Informationsmaterialien von pro familia, die für die verschiedenen Altersgruppen konzipiert sind. Auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung verfügt über geeignete Broschüren, die jeweils speziell auf die konkreten Bedürfnisse von Jungen und Mädchen eingehen.

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