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ZDF-Doku: "37Grad - Nur das Beste für mein Kind"

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ZDF - 37Grad  

"Nur das Beste für mein Kind"

19.07.2010, 15:56 Uhr | ZDF; cs, t-online.de

ZDF-Doku: "37Grad - Nur das Beste für mein Kind". Nach dem Kindergarten erhält die 3jährige Stella, die vier Sprachen fließend spricht, auch noch Geigenunterricht nach der Suzukimethode. (Bild: ZDF)

Nach dem Kindergarten erhält die 3jährige Stella, die vier Sprachen fließend spricht, auch noch Geigenunterricht nach der Suzukimethode. (Bild: ZDF)

Wenn der Karrierestress schon im Kindergarten beginnt, stehen hinter den Kleinen meist sehr ehrgeizige Eltern, die für ihr Verhalten häufig in der Kritik stehen. Dabei wollen Eltern ihren Kindern von Anfang an nur das Beste bieten und sind davon überzeugt, das Richtige zu tun. Viele glauben, dass bereits die Wahl des Kindergartens entscheidend für die berufliche Zukunft sei. Für die "37 Grad"-Dokumentation "Nur das Beste für mein Kind", die am Dienstag, den 20. Juli 2010, um 22.15 Uhr im ZDF ausgestrahlt wurde, haben Caroline Haertel und Mirjana Momirovic drei Familien auf dem schmalen Grat zwischen Förderung und Überforderung begleitet.

Zweisprachig aufwachsen

Jochen und Michaela sind liebevolle, aber auch sehr ehrgeizige Eltern. Ihre Zwillinge Arthur und Philipp sprechen mit dem Vater nur Englisch und mit der Mutter Deutsch. "Wir müssen heutzutage international denken, darum habe ich mich entschlossen, von Geburt an Englisch mit meinen Zwillingen zu sprechen", sagt der 42-jährige Unternehmensberater. Die Zwillinge Arthur und Phillip finden es normal, dass ihr deutscher Vater nur Englisch mit ihnen spricht, sie kennen es nicht anders. Trotz anfänglicher Zweifel hat sich Jochen dazu entschlossen: "Ich habe zwar nie in England oder Amerika gelebt, aber mein Englisch ist gut und mir war es wichtig, die Kinder zweisprachig zu erziehen."

Zweisprachiger Kindergarten

Jochen hat auch einen bilingualen Kindergarten für die Kinder ausgesucht, denn eines wird den Eltern von Kindergartenkindern im Moment überall suggeriert: Zweisprachigkeit von Klein auf ist ein Muss. Die Angst vieler Eltern sitzt tief, sie wollen ihren Kindern die bestmögliche Ausgangsposition verschaffen. Sie möchten, dass es die Kinder später auf dem Arbeitsmarkt leichter haben. Der Markt hat darauf reagiert: Verstärkt bieten Kindergärten schon für die ganz Kleinen ein sehr ambitioniertes Angebot, insbesondere, was die Sprachförderung angeht.

Jochens Söhne gehen in einen zweisprachigen Kindergarten. Die Gruppennamen im Kindergarten verraten einiges über den ehrgeizigen Ansatz der Kita: Arthur und Philipp sind in der Einsteingruppe, ihre kleinen Freunde in der Picasso- oder Darwingruppe. Schon früh sollen die Kinder fit gemacht werden für einen internationalen Arbeitsmarkt. Dafür zahlt man je nach Einkommen zwischen 200 und 500 Euro zusätzlich.

Keine Zeit zum Spielen

Wie die meisten Eltern ist Jochen sehr zufrieden mit dem Programm des Kindergartens, doch es gibt auch Eltern, denen langsam Zweifel kommen. Sie beobachten, dass ihre Kinder am Nachmittag sehr müde sind. Julia, Mutter eines fünfjährigen Sohnes, erkennt ihrem Sohn die Anstrengung an: "Mein Sohn beschwert sich immer öfter, dass er gar keine Zeit zum Spielen hat. Ich habe das Gefühl, dass er überfordert ist, und frage mich, ob ich zu ehrgeizig war. Aber ich möchte dieses sensible Zeitfenster, in dem die Kleinen so gut lernen, nutzen, weil mit sechs ja irgendwie schon alles gelaufen ist."

Drei Jahre, vier Sprachen

Auch die dreijährige Stella lernt schon fleißig Sprachen. Nachmittags hat sie zusätzlich noch Geigenunterricht, Musikschule und kreatives Malen. Stella spricht bereits in vier Sprachen. Ihre Mutter Daphna spricht Deutsch mit ihr, ihr Vater, ein Algerier, Französisch, ihr Kindermädchen aus Hongkong Chinesisch, und Englisch lernt sie im Kindergarten. Für Daphna war es selbstverständlich, dass sie ihr Kind mehrsprachig erziehen will. "Als ich schwanger war, bin ich zum Logopädie-Professor gegangen, um mich zu erkundigen, wie viele Sprachen so ein Kind vertragen kann und er sagte, bis zu sechs. Wichtig ist nur, dass jeder Erwachsene konsequent nur eine Sprache mit dem Kind spricht. Das klappt bei uns ganz hervorragend. Stella ist sehr kreativ und macht das alles ganz spielerisch."

Astronomie für Vorschulkinder

Spielerisch lernt auch der fünfjährige Tim Englisch, Schwimmen und Tennis. Unter der Woche geht Tim in einen privaten englischen Kindergarten. Bis vor Kurzem hatte er samstags zusätzlich noch Unterricht in einer privaten Einrichtung, die schon den Kleinsten Grundlagen in Geometrie, Astronomie, Ökonomie vermittelt. Zu dieser Vorbereitung gehören auch die Schwimm- und Tennisstunden, die Tim zusätzlich am Freitag absolviert.

Tims Mutter Astrid hat drei Kinder und ist sich sicher, im Sinne der Kinder zu handeln: "Ich bin niemand, der die Kinder wo hin drängt, wo sie nicht hinwollen. Doch heutzutage haben sie nur noch eine Chance auf dem Arbeitsmarkt, wenn sie hoch qualifiziert sind, und ich will, dass meine Kinder später Arbeit haben." Dafür ist Astrid bereit, viel zu zahlen. Allein Tims Ausbildung wird über 10.000 Euro verschlungen haben, bevor die erste Schulstunde beginnt.

Was wollen die Kinder?

"37 Grad" begleitet die Eltern und ihre Kinder Tim, Arthur, Philipp und Stella in ihrem Alltag auf dem schmalen Grat zwischen Förderung und Überforderung. Alle Eltern wollen das Beste für ihr Kind. Aber was wollen die Kinder? Autorin Caroline Haertel hat sich nach dem Dreh kritisch selbst befragt. „Ich habe mir das Programm meiner Kinder angesehen und meinem Sohn angeboten, ihn von seinem nachmittäglichen Schachkurs wieder abzumelden, was er freudestrahlend angenommen hat. Wie bei den Kindern, mit denen wir gedreht haben, war es sein eigener Wunsch gewesen, Schach zu spielen und ich war stolz, als mir gesagt wurde, er habe Talent. Aber schon nach den ersten Malen wurde es ihm nach der Ganztagsschule eigentlich zu viel, nur das er sich nicht so richtig traute, mir das zu sagen.“

Das Kind fit machen für die globale Welt - das wünschen sich alle der portraitierten Eltern. Mit dem Ziel, ihren Kindern alle Chancen zu ermöglichen, wird eine wichtige Möglichkeit jedoch von allen Eltern übersehen: einfach mal ungeplante Zeit mit den Kindern zu verbringen, ihnen Zuwendung zu schenken, auch Langeweile einmal zuzulassen. Seit die Forschung nachgewiesen hat, dass es Zeitfenster gibt, in denen Kinder besonders leicht lernen, ist die Angst gestiegen, diese Zeitpunkte zu verpassen. Nicht nur, weil die Eltern das Thema Bildung nur ungern dem Zufall überlassen wollen, sondern auch, weil sie befürchten, dass ihr Kind später nicht mithalten kann, etwas Grundlegendes verpasst. Bildung für die Kleinsten scheint zunehmend zu einem Statusobjekt zu werden und wird eingekauft wie Markenkleidung.

"Man muss auch ein bisschen den Fuß vom Gas nehmen"

Doch ein Umdenken ist möglich. Nachdem die Kinder trotz der Förderung den Englischaufnahmetest an der Internationalen Schule nicht bestanden haben, möchten Jochen und seine Familie den ganzen Hype um Privatschulen nicht mehr mitmachen, sondern andere Prioritäten setzen: "Man muss auch ein bisschen den Fuß vom Gas nehmen. Ich will meine Kinder nicht an irgendeine Startlinie stellen. Ich will nicht sagen: 'Jetzt bitte schnell losrennen!' und darauf hoffen, dass meine Kinder immer die ersten sind. Sie sollen Kinder sein, sie haben hoffentlich hier einen guten Start und den Rest - den sehen wir mal."

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