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Kinderbetreuung im Berliner Problemkiez

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Kinderbetreuung  

"Gehen Türken auch ins Museum?"

09.08.2010, 14:52 Uhr | Viktoria Schiller, dapd

Kinderbetreuung im Berliner Problemkiez. Neukölln - der Problemkiez Berlins.

Eine Bürgerstiftung fördert Kinder im Berliner Problemkiez. (Bild: imago) (Quelle: imago)

Knapp fünf Kilometer liegen zwischen Neukölln und Berlin-Mitte. Nur wenige U-Bahnstationen trennen die ungleichen Bezirke. Und doch passieren manche Berliner niemals die Grenze. So auch der elfjährige Yazel. "Den Fernsehturm kann er zwar von seinem Kinderzimmer aus sehen, bis vor kurzem war er aber noch nie da", erzählt Vera Gaserow, die sich seit sechs Monaten ehrenamtlich als Yazels "Talentpatin" engagiert. Mit der Geschichte vom unerreichbaren Fernsehturm erklärt die 59-jährige, warum sie bei dem Projekt "Neuköllner Talente" mitmacht. Im Internet wurde sie auf die kiezeigene Bürgerstiftung aufmerksam, die seit Oktober 2008 Paten für Grundschulkinder aus Neukölln sucht. Ziel des Projekts: Interessen und Talente fördern. Seit Februar ist Vera Gaserow dabei. Demnächst, so berichtet sie stolz, werde Yazel seine erste Geigenstunde nehmen.

Talentschmiede Neukölln

Fragt man Projektleiterin Idil Efe, warum in Neukölln viele Talente unentdeckt bleiben, kommt die Antwort postwendend: "Die billigste Freizeitbeschäftigung ist Fernsehen." Während Kinder wohlhabenderer Eltern ausprobierten, ob ihnen Reiten oder Klavierspielen mehr Spaß mache, fehle in vielen Neuköllner Familien Geld für derartige Hobbys, berichtet die 34-Jährige. Hier will die Kommunikationswissenschaftlerin sie mit ihrem von der "Aktion Mensch" geförderten Projekt Abhilfe schaffen. "Wir sind wie eine Partnerbörse", sagt Efe lachend. Mindestens sechs Monate lang sollen Pate und Kind einen Nachmittag in der Woche gemeinsam gestalten. Wenn nötig, übernehme die Bürgerstiftung auch Kosten für U-Bahn-Tickets und Eintrittskarten. Das auf drei Jahre befristete Projekt richte sich an Kinder zwischen acht und zwölf Jahren, weil da "die Entwertungsschleife" noch aufzuhalten sei, erklärt Efe, die selbst in Kreuzberg aufwuchs. Im Pergamonmuseum habe ein Patenkind sie einmal gefragt: "Gehen Türken auch ins Museum?" In diesem Moment sei ihr bewusst geworden, mit welchen Zerrbildern viele Neuköllner Kinder aufwachsen.

20 Kinder auf der Warteliste

Seit Projektbeginn hat die Bürgerstiftung 60 Patenschaften vermittelt. Die meisten Paten sind Studenten. Aktuell stehen 20 Kinder auf der Warteliste. Wer sich als Pate bewirbt, wird einer eingehenden Prüfung unterzogen: ein einstündiges Gespräch und ein polizeiliches Führungszeugnis inklusive. So wolle man das Vertrauen der Eltern stärken, erklärt Efe. Auch Ayse Isik, die ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, war zunächst skeptisch, als ihr Sohn eine Anmeldung für "Neuköllner Talente" aus der Schule mitbrachte. "Mein Mann und ich waren unsicher, ob wir unseren Sohn mit einem Fremden gehen lassen können", erinnert sich die 38-Jährige. Aber dann hätten sie schnell Vertrauen zu Philipp, einem 26-jährigen Studenten, gefasst. Sie sei traurig, dass die Patenschaft nun nach einem Jahr zu Ende gehe, sagt die Arzthelferin. Ihr Sohn Hakan sei viel offener geworden und habe viele Ausflüge gemacht, die sie ihm nicht hätte ermöglichen können. Nun mache sie im Kiez sogar Werbung für das Projekt. Eine Anmeldung für ihren zweiten Sohn habe sie auch schon abgegeben, verrät sie.

Auch deutsch-deutsche Tandems vermittelt

Wer glaubt, bei den Neuköllner Talenten kümmerten sich grundsätzlich Deutsche um Kinder mit sogenanntem Migrationshintergrund, der irrt. "Wir haben auch einige deutsch-deutsche-Tandems", betont Efe. Doch auch sie stößt manchmal auf Vorurteile. Ein Vater sagte, er wolle nicht bei "so einem Kopftuch-Projekt" mitmachen, erinnert sie sich. Er habe sich nicht von einer Teilnahme am Projekt überzeugen lassen. Die Patin Vera Gaserow dagegen war sofort begeistert. "Wenn ich mich hier in Zukunft wohl fühlen will, muss ich etwas für die Zukunft der Kinder tun", erklärt die Neuköllnerin. Bei Yazel haben die Besuche in der Stadtbücherei offenbar Wirkung gezeigt. "Ich glaube, ich werde eine richtige Leseratte", habe er erst kürzlich zu ihr gesagt.

http://neukoellner-talente.de

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