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Verhaltensregeln  

Quengelware, Mitbringsel: Kinder lernen zu fordern

03.04.2009, 19:15 Uhr | rev, mmh, pressetext, t-online.de, ddp

Quengelware, Mitbringsel: Kinder lernen zu fordern. Kleiner Junge im Supermarkt mit Einkaufswagen.

Kinder haben mit ihren Wünschen und Forderungen einen großen Einfluss auf das Einkaufsverhalten ihrer Eltern. (Bild: Imago)

Quengelware, Mitbringspiele, Belohnungen: Kinder lieben Geschenke - und manchmal fordern sie diese ein. Mit der direkten Frage "Hast Du mir was mitgebracht?" sind Erwachsene allerdings manchmal etwas überfordert. "Wenn Kinder Geschenke einfordern, liegt das daran, dass sie eine Regel herausgefunden haben", erklärt Dorothee Lappehsen-Lengler, Autorin des Erziehungsratgebers "Liebevoll und kompetent". Sie hätten sich beispielsweise gemerkt, dass Besuch immer Geschenke mitbringt, dass der tapfer überstandene Zahnarztbesuch mit dem Griff in die Schatzkiste belohnt wird, dass man beim Metzger immer eine Scheibe Wurst bekommt. Durch das Nachfragen kontrollierten sie, ob diese Regel immer noch gelte.

Richtiges Verhalten loben

Kinder müssten erst lernen, wann es passend sei, um etwas zu bitten, und wann es Sympathiepunkte koste. "Diese Information müssen sie von ihren Eltern bekommen. Sie sollten ihren Nachwuchs an solche sozialen Regeln heranführen", sagt die Diplom-Psychologin aus Saarbrücken. Man könne dem Kind beispielsweise erklären, dass es dem Gast unangenehm sei, wenn es ihn nach einem Mitbringsel frage, und dass das Kind deshalb nicht mehr so sympathisch wirke. Könne man eine potenzielle Geschenk-Situation schon vorher absehen, sollte man das Kind außerdem rechtzeitig noch einmal an die besprochenen Regeln erinnern. "Hat das Kind sich richtig verhalten, sollte man es auch dafür loben", sagt Lappehsen-Lengler.

Ein "Nein" muss akzeptiert werden

Kinder, die nach Geschenken fragten, seien oft sehr kommunikativ. Lappehsen-Lengler rät daher davon ab, ihnen die Fragerei grundsätzlich abzugewöhnen. "Wichtig ist allerdings, dass das Kind es auch ertragen kann, auf seine Frage ein 'Nein' als Antwort zu erhalten." Das läuft allerdings nicht immer sachlich und still ab. Eltern müssen auf Wutanfälle gefasst sein und auf vorwurfsvolle Blicke der Mitmenschen, wenn sich das Kind im Supermarkt brüllend auf den Boden wirft, weil es das süße Ei wieder zurückstellen muss.

Eltern sind sich dem Einfluss ihrer Kinder kaum bewusst

Dass viele Kinder mit ihren Wünschen und Forderungen einen großen Einfluss auf das Konsumverhalten ihrer Eltern haben, zeigt eine neue Studie, die im "Journal of Retailing and Consumer Services" veröffentlicht wurde: 178 Eltern wurden beobachtet, wie sie mit ihren Kindern in den Supermarkt gingen. Dabei kamen Methoden der teilnehmenden Beobachtung zum Einsatz, erläutert Claus Ebster vom Institut für Betriebswirtschaftslehre der Universität Wien. "Geschulte Beobachter, die sich selbst als Kunden mit Einkaufswagen ausgaben, verfolgten das Einkaufsverhalten der Eltern mit Kindern." Nach dem Bezahlen an der Kasse wurden die Eltern von Interviewern befragt, wie viele der Käufe auf Wunsch ihrer Kinder geschehen waren. "Den Eltern war kaum bewusst, welchen Einfluss ihre Kinder auf die Einkäufe hatten, denn sie gaben nur die Hälfte der Produkte an, die tatsächlich auf Forderung der Kinder geschehen waren", so der Leiter der Studie.

Supermarkt-Strategien zielen auf Kinder ab

Eltern geben den kindlichen Kaufwünschen am ehesten bei Spielzeug, Süßigkeiten und Obst nach - bei Produkten, die sich direkt im Geschäft verwenden oder konsumieren lassen und die Kinder während des weiteren Einkaufs beschäftigen. Kinder reagieren in ihren Wünschen hingegen auf alles, was ins Auge springt. "Die Cartoons auf den Müslipackungen sind nicht von ungefähr, denn die Hersteller wissen über diesen Mechanismus genau Bescheid", so Ebster. Selbiges zeige sich auch in der Strategie der Supermärkte, die für Kinder interessante Artikel in Regalen meist auf deren Augenhöhe anordnen. Für eine bessere Einkaufskontrolle empfiehlt der Konsumentenforscher den Eltern, Kinder im Einkaufswagen mit dem Gesicht zu ihnen gewandt zu setzen, um so ihr Blickfeld einzuschränken. Oft wird sogenannte "Quengelware" gekauft, um die Kinder zu beruhigen, doch auf lange Sicht wird genau so das Konsumverhalten geprägt, denn Kinder lernen: Fordern hat Erfolg.

Konsumverhalten wird geprägt

Kinder prägen dadurch sehr früh ein bestimmtes Konsumverhalten aus. Denn an den Kindern wird zuletzt gespart. Wunschzettel für Weihnachten oder Ostern ähneln eher einer Bestell-Liste und enthalten nicht nur kleine Wünsche. Bei Kleidung und Elektrogeräten wird sehr markenbewusst gekauft, dabei sagen die Kinder, welche Marken angesagt sind. Eltern beziehen ihre Kinder bewusst in die Kaufentscheidung mit ein. Die Werbung hat dies längst erkannt und spricht diese Gruppe gezielt an. Anderes Beispiel: Kinder werden ungefragt "beschenkt". Vom Apotheker, der dem Kind die "gesunden" Bärchen schenkt oder dem Metzger mit einem Stück Wurst. Eltern haben keine Chance dies abzulehnen.

Viele Kinder sind "reich"

Leider gibt es in Deutschland immer mehr Familien, die stark sparen müssen. Aber viele Kinder besitzen trotzdem schon jetzt kleine Vermögen, in Form von festen Geldanlagen, Sparbüchern, Geldgeschenken oder dem monatlichen Taschengeld. Durch regelmäßige Geldzuwendungen und Geldgeschenken zu Weihnachten, Ostern und Geburtstagen, verfügen sie über 2,6 Milliarden Euro, das erhob die Kids-Verbraucher-Analyse 2008, für Kinder zwischen sechs und 13 Jahren befragt wurden. Zum Geburtstag gibt es durchschnittlich 76 Euro, ebenso zu Weihnachten sowie zu Ostern 20 Euro. 3,8 Milliarden Euro liegen außerdem auf Sparkonten. Monatlich erhalten die Kinder durchschnittlich rund 23 Euro Taschengeld, die Sechs- bis Neunjährigen 14 Euro, die Zehn- bis 13-jährigen 32,5 Euro. Das wird allerdings ganz klassisch überwiegend für "Süßkram" und Comics ausgegeben. Wenn Kinder sparen, dann auf Elektronik, Bekleidung und Spielzeug.

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