Startseite
Sie sind hier: Home > Eltern > Erziehung >

Schon bei der Geburt unterlegen

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Rollenbilder  

Schon bei der Geburt unterlegen

14.04.2009, 18:06 Uhr | Spiegel Online; Henning Engeln, Spiegel Online

Gehirnforschung bestätigt Unterschiede

Mit solchen Unterschieden korrespondieren einige Befunde am Gehirn. In den Sprachzentren der Frauen sind die Nervenzellen besonders dicht gepackt und manche Hirnregionen vergrößert: etwa in der Stirnrinde, die an der Kontrolle von Gefühlen mitwirkt. Beim Mann sind Regionen im Schläfenlappen besonders gut ausgeprägt, die bei der Raumerfassung eine Rolle spielen. Es gibt noch weitere bemerkenswerte Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Schon bei der Geburt sterben mehr männliche als weibliche Säuglinge, auch der plötzliche Kindstod betrifft sie häufiger. Sie werden schneller krank und leiden wesentlich öfter an Asthma, Jungs sind zudem häufiger von Unfällen betroffen. Männer ernähren sich nicht so gesund, treiben weniger Sport, nehmen eher Drogen und leiden häufiger an Krankheiten. Ihre Lebenserwartung liegt in westlichen Gesellschaften im Durchschnitt sechs bis sieben Jahre unter der von Frauen.

Chromosomen bieten Frauen Sicherheit

Eine Erklärung für die schwächere Konstitution des männlichen Geschlechts könnte dessen besondere genetische Ausstattung liefern. Denn ob sich ein Körper weiblich oder männlich entwickelt, bestimmen die Geschlechts-Chromosomen, von denen es zwei Sorten gibt: das größere X- und das sehr kleine Y-Chromosom. Ist ein Y-Chromosom vorhanden, entsteht ein Mann. Da alle Chromosomen paarweise vorhanden sind, besitzen Männer neben dem Y-Chromosom auch ein X-Chromosom. Frauen fehlt das Y-Chromosom; stattdessen enthalten alle ihre Körperzellen je zwei X-Chromosomen. Nun liegen aber auf dem X-Chromosom mehr als tausend Gene, während das winzige Y-Chromosom weniger als hundert Gene enthält. Frauen verfügen mit ihren beiden X-Chromosomen deshalb für jedes dieser Gene über zwei Ausführungen, die jeweils als Sicherheitskopie dienen. Männer dagegen sind darauf angewiesen, dass alle Gene ihres einen X-Chromosoms funktionieren - oder müssen Schwächen in Kauf nehmen. Ist damit also belegt, dass die Jungen von ihrer Biologie her benachteiligt sind? Dass sie von der Natur mit bestimmten Charaktermerkmalen ausgestattet werden, die es ihnen etwa in der Schule heute schwerer machen als den Mädchen?

Biologie ist keine Entschuldigung

Ganz so einfach ist es nicht. Zum einen handelt es sich bei allen Befunden immer um Mittelwerte. Das bedeutet: Ein Individuum kann weit aus dem stereotypen Rollenbild herausfallen - ein Junge etwa durch soziale Fähigkeiten auffallen, ein Mädchen durch mathematische. Zum anderem stehen Umwelt und biologische Faktoren stets in komplizierten Wechselwirkungen zueinander. Und die können Unterschiede manchmal sogar noch verstärken. Beispiel Spielzeug: Eine Untersuchung zeigte, dass erwachsene Testpersonen Säuglinge im Alter von wenigen Monaten je nach vermeintlichem Geschlecht unterschiedlich behandelten. Wurde den Probanden suggeriert, bei den Babys handele es sich um Mädchen, boten sie ihnen zum Spielen eher Puppen an, glaubten sie einen Jungen vor sich zu haben, gaben sie ihnen Autos. Die Kinder wiederum gingen auf dieses Verhalten besonders bereitwillig ein, wenn es ihrem geschlechtstypischen Interesse entsprach - Jungen etwa bevorzugten Autos gegenüber Puppen, Mädchen reagierten umgekehrt. Doris Bischof-Köhler: "Natur und Umwelt wirken eben immer zusammen."

68er-Generation vermied Rollenstereotypen

Das zeigen auch die pädagogischen Experimente der 68er-Generation: Damals versuchten Eltern, ihre Sprösslinge ohne Rollenstereotype zu erziehen und Mädchen und Jungen gleich zu behandeln. Die Eltern erwarteten, dass sich die Geschlechterstereotype verringern würden. Doch das Gegenteil trat ein, die Unterschiede verstärkten sich: Jungen wurden noch aggressiver, und es gelang ihnen, die Mädchen massiv zu unterdrücken. Das geschlechtstypische Verhalten ist also ein interaktiver Prozess, der von vielen Faktoren gesteuert wird. Das bedeutet aber auch, dass es keineswegs unabänderlich festgelegt ist. Selbst wenn Jungen andere Interessen, Neigungen und Fähigkeiten haben als Mädchen, können sie mit entsprechender Förderung und Ermunterung Dinge erlernen, die ihnen normalerweise schwerfallen. Ohne eine solche Förderung und Ermunterung aber haben die Jungen heute Probleme, sich in einer weiblich orientierten pädagogischen Welt in ihrer Eigenart zu behaupten. Und dass wir in einer solchen Welt leben, davon sind viele Pädagogen, Soziologen und Psychologen inzwischen überzeugt.

>> Weiter zu Teil 4

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Brutale Methode 
Was dieser Arzt gleich macht ist einfach unglaublich

Diese Behandlung ist garantiert nichts für zartbesaitete Menschen. Video

Anzeige

Shopping
tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de

Anzeige
shopping-portal