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Rollenbilder  

Sind Jungs aufsässiger?

14.04.2009, 18:07 Uhr | Spiegel Online; Henning Engeln, Spiegel Online

Jungen sind körperlich aktiver und aufsässiger

Ein Kind hat heutzutage eine gute Chance, bis zum Ende des Grundschulalters keinerlei männlichen Pädagogen zu erleben. Denn nur rund zwei Prozent des Personals in Kindergärten sind Männer, in Schulkindergärten sind es etwa fünf Prozent, und in der Grundschule gibt es rund 13 Prozent männliche Lehrkräfte. Dadurch aber sind Jungen heute benachteiligt - das zumindest vermuten Fachleute wie der Hamburger Pädagoge Frank Beuster. Denn weiblichen Erziehungskräften falle es schwerer, auf die speziellen Eigenheiten und Bedürfnisse des männlichen Geschlechts einzugehen. Jungen sind körperlich aktiver und aufsässiger, konkurrieren stärker, messen gern ihre Kräfte und versuchen, sich durchzusetzen. Auch ihre größere Kampfeslust, ihre Neigung zum Angeben und Dominieren sowie ihre höhere Risikobereitschaft tragen zu Problemen bei. Mädchen dagegen passen sich leichter in die schulischen Strukturen ein und arbeiten eher konstruktiv mit.

Systematische Benachteiligung in der Schule?

Der Bozener Entwicklungspsychologe Wassilios Fthenakis hält es inzwischen sogar für erwiesen, dass Lehrerinnen Jungen systematisch benachteiligen und bei gleicher Leistung schlechter benoten. Unser Bildungssystem produziere enorme Ungerechtigkeiten für Jungs, so Fthenakis. Hinzu kommt ein weiteres Problem: In den vergangenen gut 30 Jahren wurden Mädchen speziell gefördert. Es gab zahlreiche Programme, um ihnen den Zugang zu naturwissenschaftlich-technischen Fächern zu erleichtern. Weibliche Rollenbilder sowie Klischees oder Hürden für junge Frauen im Schulalltag wurden abgebaut. Dagegen berücksichtigte man in den Lehrplänen und Unterrichtsmethoden nur wenig die Schwierigkeiten von Jungen - etwa ihre Schwächen beim Lesen und Schreiben -, ihre emotionalen Bedürfnisse und Interessen.

Frauenemanzipation hat Jungs vergessen

Im Zuge der Frauenemanzipation wurden die Jungen also quasi vergessen oder zumindest vernachlässigt: in der Annahme, sie hätten als das "starke" und lange dominierende Geschlecht keine besondere Aufmerksamkeit nötig und würden sich schon durchsetzen. Und während die Mädchen damit beschäftigt waren, sich ein neues Bild des Weiblichen und der Frau anzueignen, haben es die Männer versäumt, sich mit ihrer Rolle auseinanderzusetzen. Zudem wachsen viele Jungen ohne Vater auf: Rund drei Millionen Alleinerziehende gibt es in Deutschland, davon sind 80 Prozent Frauen.

Väter sind wenig präsent

Und selbst in intakten Familien kann es vorkommen, dass der Vater wenig präsent ist: Tagsüber ohnehin abwesend, kommen viele Männer abends erschöpft von der Arbeit heim und haben keinen Elan mehr, sich mit ihren Sprösslingen zu befassen. Väter aber gehen anders mit Kindern um. Schon vor Babys schneiden sie eher Grimassen, stimulieren sie stärker mit Geräuschen und optischen Reizen. Später spornen sie die Kinder zu Bewegungen an: zum Laufen, Fahrradfahren, Fußballspielen, Schwimmen. Sie toben mit ihren Söhnen, vermitteln "männliche" Eigenschaften - etwa Durchsetzungsvermögen - und sind Vorbild bei handwerklich-technischen Hobbys. Deshalb sind Väter immens wichtig für die Söhne.

Papas stärken Selbstbewusstsein

Das belegen unter anderem jahrzehntelange Studien der Universität Oxford an Tausenden von Kindern. Jungen, die ohne Vater leben, haben demnach häufiger ein geringes Selbstbewusstsein, gehen weniger gern zur Schule, neigen eher zu Depressionen oder Selbsttötungen und haben später ein größeres Risiko, kriminell oder obdachlos zu werden. Dabei reicht es an Zuwendung offenbar schon aus, wenn sich der Vater - etwa nach einer Scheidung - regelmäßig um den Sohn kümmert, auch wenn er nicht im selben Haushalt lebt. Stiefväter können ebenfalls einen positiven Einfluss haben. Die Folgen all dieser Entwicklungen sind heute zu erkennen.

Kein positives Bild vom Mann

Es gibt kein klares oder gar positives Bild vom Mann. Mehr noch: "Typisch männlich" ist ein eher negatives Etikett geworden. All das sowie der Mangel an männlichen Vorbildern in Schule und Familie erschwert es Jungen, so die Ansicht vieler Experten, eine männliche Identität zu entwickeln.

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