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Probleme sind Resultat aus Rollenverständnis

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Rollenbilder  

Probleme sind Resultat aus Rollenverständnis

14.04.2009, 18:07 Uhr | Spiegel Online; Henning Engeln, Spiegel Online

Viele Gründe, keine eindeutige Ursache

Vermutlich gibt es viele Gründe für die Krise des männlichen Geschlechts. Letztlich aber seien die Ursachen nicht eindeutig, so der Hannoveraner Kinderpsychologe Wolfgang Bergmann. Es gebe weder fertige Antworten noch elegante Erklärungen. Jungen seien immer auf der Suche nach einer Bindung, einem Halt, einer Art männlichem Sehnsuchtsbild. Dieses Vorbild aber - dieses "So will ich sein" - fehle ihnen heute. Und das mache den größten Teil der Probleme aus.

Frauen planen flexibel

Und während die meisten jungen Frauen ihr Leben schon früh flexibel planen - also an eine spätere Kombination aus Karriere, Familie und Kinder denken -, orientiert sich die Mehrheit der jungen Männer nach wie vor an einem traditionellen Männerbild, konstatiert der Bielefelder Sozialwissenschaftler Klaus Hurrelmann. Sie sähen sich als Haupternährer der Familie, der weder im Haushalt noch bei der Kindererziehung wichtige Aufgaben zu übernehmen bereit sei. Und es falle ihnen schwer, ihre soziale Rolle in der modernen Gesellschaft zu definieren.

Tief verankertes Rollenverhalten

Hurrelmann glaubt, dass die Probleme der jungen Männer eng mit diesem Rollenverständnis zusammenhängen. Seiner Ansicht nach gibt es einen archetypischen Kern von Männlichkeit, ein tief in der Persönlichkeit verankertes Muster des Rollenverhaltens (bei Frauen ein entsprechendes Muster der Weiblichkeit). Beim Mann ist dieses Rollenverhalten durch Aktivität gekennzeichnet, es dient der Sicherung der Existenz als Individuum (bei Frauen steht die soziale, einfühlsame Lebensführung im Zentrum). Es ist mit Begriffen wie Selbstbehauptung, Abgrenzung, Ausweitung des Selbst, Eroberung des sozialen Raums, Selbstkontrolle und -disziplin verbunden.

Erzieher müssen flexible Muster einführen

Nach Hurrelmann müsste es für Pädagogen heute zunächst darum gehen, an dieses stereotype Rollenmuster anzuknüpfen, um es letztlich durch ein flexibleres Muster abzulösen. Dazu gehöre zum Beispiel, jungen Männern Freude am Leben in einer sozialen Gemeinschaft oder mehr Sensibilität für den eigenen Körper mit seinen Stärken und Schwächen zu vermitteln. Wichtig sei dabei, die Eigenheiten der Jungen zu berücksichtigen - etwa ihre Bedürfnisse nach Bewegung -, über neue Formen körperlicher Aktivität nachzudenken und transparente, klare Umgangsformen, Rituale und Symbole zu finden.

Mehr Bewegung in Schule bringen

Andere Fachleute wie die Grundschulpädagogin Klaudia Schultheis von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt plädieren dafür, die Schulen so zu ändern, dass sich die Jungen wohler fühlen: ihnen mehr Pausen und Bewegung zuzugestehen sowie den Lehrstoff stärker zu strukturieren, ihnen mehr Gelegenheit zum Wettbewerb, mehr Anweisungen und klarere Rahmenbedingungen zu geben. Und sie verstärkt zum Bauen, Experimentieren sowie zum Hantieren mit technischen Geräten anzuregen.

Frauenüberschuss in der Erziehung kein Problem?

Den Frauenüberschuss in der Erziehung hält Schultheis dagegen nicht für das entscheidende Problem: "Es ist bekannt, dass Jungen auf Männer anders reagieren, zum Beispiel aufmerksamer sind, und dass die Männer eine Vorbildfunktion haben. Aber wir wissen bislang nicht, ob es sich nachteilig auswirkt, wenn Jungen in der Grundschule nur von Frauen unterrichtet werden. Dazu gibt es kaum Forschungsergebnisse." Die Eichstätter Forscherin betont, dass man die Geschlechter entsprechend ihrer Lernstile und Lernbedürfnisse unterschiedlich zu behandeln habe. Es müsse eine "geschlechtersensible" Schule geben, und Klaudia Schultheis glaubt, dass es möglich ist, Lehrerinnen einen Unterrichtsstil zu vermitteln, der auch den Jungen entspricht.

Mädchen nicht dauerhaft im Vorteil

Bei allen Schwierigkeiten der kleinen Männer darf ohnehin eines nicht vergessen werden: Frauen sind längst nicht überall im Vorteil, vor allem nicht später im Leben. So haben fünf Jahre nach Beendigung des Studiums mehr Männer als Frauen eine Arbeitsstelle, obwohl anfangs mehr Studentinnen als Studenten an den Start gingen. Und der weibliche Anteil bei den erfolgreichen Promotionen liegt deutlich unter 50 Prozent. Auch wenn es ums Geld geht, herrscht noch lange keine Gleichheit: Im Jahr 2005 verdienten weibliche Angestellte durchschnittlich 29 Prozent weniger Geld als ihre männlichen Kollegen. Selbst für vergleichbare Tätigkeiten bekamen Frauen ein um 17 Prozent geringeres Gehalt als Männer. Klaudia Schultheis formuliert es so: "Wenn Jungen die Schule erst einmal durchlaufen haben, stellen sich ihnen keine Probleme mehr."

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