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Missbrauch  

Offenes Ohr ist beste Prävention

07.08.2009, 18:05 Uhr | mmh, AFP

. Was tun, wenn ein Fremder kommt? Das sollen Kinder in Sicherheitstrainings lernen.

Was tun, wenn ein Fremder kommt? Das sollen Kinder in Sicherheitstrainings lernen. (Bild: dpa)

Es ist der Albtraum aller Eltern: In einem Sportverein, wo das Kind gut aufgehoben zu sein scheint, sucht sich ein Kinderschänder seine wehrlosen Opfer. Einem solchen Verdacht geht die Staatsanwaltschaft Gießen im Fall eines 37-jährigen Mannes aus der Eifel nach, der als Übungsleiter kleine Jungen im Turnen unterrichtete und der sich jetzt unter dem Druck einer öffentlichen Fahndung den Behörden stellte. Um frühe Hinweise auf einen möglichen Missbrauch ihrer Kinder zu erhalten, raten Experten vom Kinderschutzbund oder dem Göttinger Verein "Gegen Missbrauch" vor allem eines: nie den Gesprächsfaden mit den eigenen Kindern abreißen zu lassen. Die Polizei rät, einen Verdachtsfall lieber zu früh als zu spät zu melden.

Was ist sexueller Missbrauch?

Die Bandbreite sexuellen Missbrauchs ist groß. Er beginnt manchmal schon, wenn ein Kind gegen seinen Willen vom Nachbarn geküsst wird - und kann bis zur Vergewaltigung reichen. Eindeutige Hinweise gibt es daher nur selten. Dies gilt besonders für sprachliche Äußerungen des Kindes. Denn insbesondere kleine Kinder haben oft nicht die Sprache für das, was sie erleben - erst recht nicht, wenn der Täter aus dem Familien- oder Freundeskreis stammt. Meistens signalisieren sie dann aber auf andere Art und Weise, dass etwas nicht stimmt.

Anzeichen erkennen

Manche Kinder werden traurig und depressiv, andere aggressiv. Stellen Eltern, Erzieher oder Lehrer plötzlich fest, dass sich ein bislang fröhliches Kind zurückzieht und nicht mehr mit anderen spielt, sollten sie hellhörig werden und das Gespräch mit dem Kind beziehungsweise seiner Familie suchen. Allerdings warnen Experten vor voreiligen Schlüssen. In manchen Phasen wie der Pubertät sei es normal, dass sich Kinder sich zurückziehen. Weitere Hinweise auf einen Missbrauch können vorliegen, wenn Kinder sich selbst verletzen, andere Kinder zu auffälligen sexuellen Spielen anregen oder extrem oft ihre Genitalien zeigen. Doch auch eine solche Beobachtung muss unbedingt im Zusammenhang betrachtet werden. So interessieren sich beispielsweise Vier- bis Fünfjährige stark für die Geschlechtsmerkmale. Malen sie etwa Figuren mit auffälligen Geschlechtsteilen, kann das einfach von Interesse zeugen.

Was tun im Verdachtsfall?

Haben Eltern oder Erzieher aber dauerhaft das Gefühl, dass etwas nicht stimmt, sollten sie sich professionelle Hilfe holen, die zahlreiche Beratungsstellen und Kinderschutzzentren im vertraulichen Rahmen anbieten. Sein Kind einfach mehr zu kontrollieren, halten Experten für eine schlechte Idee. Natürlich sollten Eltern sich genau anschauen, wer das Kind - etwa im Sportverein - betreut. Aber einen 14-Jährigen jedesmal abzuholen oder am Abendbrottisch auszuquetschen, sei keine Lösung. Experten raten vielmehr, ein "angeregtes Klima" in der Familie zu schaffen. Eine Atmosphäre also, in der jeder von sich erzählt, in der über nette Sachen gesprochen wird - aber auch über das, was schiefläuft. Wer mehr tun möchte, kann im Kindergarten oder in der Schule einen Informationsabend zum sexuellen Missbrauch anregen.

Buchtipp: Das Buch "Mein Kind und fremde Menschen" von Vera Bruns (Verlag Pabel / Moewig, 7,90 Euro) wurde zusammen mit Kinderpsychologen und der Polizei entwickelt.

Tipps der Polizei

Das Kriminalkommissariat Düsseldorf gibt auf seiner Homepage hilfreiche Tipps, wie Sie Ihr Kind wirksam gegen sexuellen Missbrauch schützen können:

  • Klären Sie Ihr Kind seinem Alter entsprechend über sexuelle Fragen und Gefahren auf.
  • Ängstigen Sie Ihr Kind nicht. Aber sagen Sie ihm immer wieder, dass es weder mit Bekannten noch mit Unbekannten gehen oder in deren Auto einsteigen darf, außer wenn Sie es ausdrücklich genehmigt haben. Insbesondere soll es nicht ohne Absprache mit Ihnen die Wohnungstüre öffnen, wenn es alleine zu Hause ist.
  • Fragen Sie Ihr Kind, wo es hingeht. Kleinkinder sollten nicht unbeaufsichtigt auf Straßen und Plätzen spielen.
  • Ein Kind geht erst dann alleine, wenn es verkehrssicher ist. Dies ist in der Regel mit sechs Jahren der Fall.
  • Der Weg zur Schule, zum Spielplatz und zu anderen Orten wird von den Eltern nach folgenden Kriterien festgelegt:

    Er muss verkehrssicher sein ( Ampeln, Fußgängerüberwege, etc.)
    Das Kind muss im Ernstfall Öffentlichkeit herstellen - also Hilfe fordern - können. Geschäfte in denen man das Kind kennt. (Kioske, Lebensmittelläden, usw.)
    Merke: Nicht der kürzeste ist auch der sicherste Weg!

  • Halten Sie Ihr Kind zur Pünktlichkeit an. Sollte Ihr Kind aus unerklärlichen Gründen nicht zu Hause ankommen, zunächst Kontakt mit der Lehrperson oder. der letzten Kontaktperson (z.B. befreundeten Familien) aufnehmen. Kann die keinen Aufschluss geben, verständigen Sie sofort die nächste Polizeidienststelle.
    Prägen Sie Ihrem Kind ein, dass es bei Telefonanrufen durch Fremde niemals Aufforderungen beziehungsweise Drohungen, zum Beispiel das Haus zu verlassen oder sich auszuziehen, nachkommen darf. Es sollte sofort auflegen und Sie verständigen.
  • Das Personal von Kinderhorten und -gärten darf Kinder nicht an fremde Personen übergeben. Es muss die Zahl der ihm anvertrauten Kinder häufiger kontrollieren.
  • Nehmen Sie sich täglich Zeit, um mit dem Kind über seine Erlebnisse und Sorgen zu sprechen. Wichtig ist es, Ihrem Kind zu vermitteln, dass es Ihnen alle Erlebnisse, die ihm komisch oder gar beängstigend vorkommen, sofort erzählt. Machen Sie Ihrem Kind klar, dass es alles erzählen darf und keine Angst haben muss, auch wenn ihm eine bekannte oder unbekannte Person gedroht hat.
  • Geben Sie Ihrem Kind konkrete Hinweise, wie es sich verhalten soll, wenn es belästigt wird oder ein anderes Kind in Gefahr ist. Sagen Sie ihm, dass es bei der Polizei, in Geschäften oder öffentlichen Einrichtungen Hilfe findet.
  • Vermeiden Sie, dass Ihr Kind allein zur Schule geht, sicherlich gibt es Schulkameradinnen/-kameraden in der Nachbarschaft. Bilden Sie "Fahr-oder Bringgemeinschaften" mit anderen Eltern.
  • Sollten Ihnen Personen im Umfeld der Schule oder des Kindergartens verdächtig vorkommen, sprechen Sie diese auf den Grund ihres Aufenthaltes an. Potenzielle Täter könnten hierdurch schon abgeschreckt werden. Notieren Sie sich Kennzeichen von verdächtigen Kraftfahrzeugen, sprechen Sie die Fahrer an.
  • und vor allen Dingen: Scheuen Sie sich nicht, die Polizei zu verständigen. Lieber ein Anruf zuviel als einer zuwenig!



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