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Erziehung: Missbrauch  

Missbrauch in der Familie

01.12.2009, 14:03 Uhr | Simone Blass, t-online.de

Kindesmissbrauch: Sexueller Missbrauch in der Familie. Mutter umarmt traurig ihre Tochter, im Hintergrund ist der Vater.

Viele Missbrauchsopfer sind mit dem Täter verwandt. (Foto: Archiv)

Jährlich werden in Deutschland laut Polizeilicher Kriminalstatistik 2008 mehr als 12.000 Kinder sexuell missbraucht. Die Dunkelziffer liegt dabei weitaus höher. Über die Hälfte der Opfer ist mit dem Täter verwandt, bei rund 20 Prozent ist es sogar der eigene Vater, bei weiteren 20 Prozent der Stiefvater beziehungsweise der neue Partner der Mutter, so Bärbl Meier vom Verein Wildwasser.  Für das Opfer eine fürchterliche Situation, die sich lebenslang psychisch auswirken kann. Für die Eltern eine schwierige Situation.

Zerstörtes Urvertrauen

„Kinder, die vom Vater missbraucht werden, werden seelisch und körperlich benützt. Sie werden zum Objekt gemacht, die Gefühle des Kindes werden negiert und es bekommt die Botschaft: Ich mache mit dir, was ich will“, fasst Bärbl Meier zusammen. Die Sozialpädagogin, die sich bei dem Verein Wildwasser für sexuell missbrauchte Mädchen engagiert, sieht vor allem im massiven Angriff auf das Urvertrauen des Opfers ein großes Problem. „Die Kinder kommen durch diesen Vertrauensmissbrauch in die fürchterliche Situation, an einem geliebten Menschen so zu zweifeln, dass dies eigentlich seelisch nicht auszuhalten ist.“ Das vom Vater emotional abhängige Opfer begreift nicht, warum ihm so etwas angetan wird. Der Selbstwert wird zerstört und die Schuld oft bei sich selbst gesucht. „Es fällt leichter, sich selbst nicht zu mögen, als dem Vater die wirkliche Verantwortung zuzusprechen und sich von ihm zu distanzieren.“

Ambivalente Gefühle dem Täter gegenüber

Der Loyalitätskonflikt, der aus der Situation resultiert, ist ein großes Problem für die Opfer. Sie lieben ihren Vater, vertrauen ihm, haben aber auch Angst vor ihm. Das Kind spürt, dass das, was der Vater mit ihm macht, nicht richtig ist. Doch das eigene Schamgefühl, die Schuldgefühle und die Drohungen des Vaters in Form von  "Willst du, dass der Papi ins Gefängnis kommt?" oder „Das ist unser Geheimnis, das darfst Du nicht der Mami sagen, sonst passiert etwas ganz Schreckliches“ zwingen das Opfer zum Schweigen. Das erklärt, warum es nur sehr selten verbale Hinweise auf sexuellen Missbrauch gibt. Auch die Signale, die das betroffene Kind aussendet, sind nicht immer einfach zu deuten. Eine schwere Situation für eine Mutter, bei der der Verdacht aufkeimt, der Partner könne sich am eigenen Kind vergreifen.

Hilfe von außen holen

Es gibt wohl kaum eine Frau, die ihrem Mann wirklich zutraut, das eigene Kind sexuell zu missbrauchen. Und wenn es zu einem Verdacht kommt, dann wird er oft über lange Zeit verdrängt. „Doch ein Verdacht hat in der Regel Hintergründe“, so Bärbl Meier. „Durch was ist die Mutter auf den Verdacht gekommen? Was hat ihr Misstrauen erregt? Welche Situation hat sie beobachtet, was hat das Kind erzählt? Sie sollte sich bei einer Fachberatungsstelle Hilfe suchen – das geht auch anonym – und sich dort jemandem anvertrauen, der Erfahrung mit Verdachtsmomenten hat.“ Auf keinen Fall sollte die Frau ihren Partner direkt darauf ansprechen. „Der konfrontierte Täter wird das Kind sonst unter Druck setzen.“ Wenn die Mutter bei einem Verdacht schweigt, weil sie kaum glauben kann, was sie ahnt, dann hat das im Missbrauchsfall tragische Konsequenzen. Nicht nur der Vater als der Täter stellt sich damit gegen das Kind, sondern auch die Mutter, in dem sie bestimmte Anzeichen – oft aus der Angst heraus, den Partner zu verlieren – nicht wahrhaben will und ihr Kind damit im Stich lässt.

Schwerwiegender Verdacht

Immer wieder hört man von Fällen, in denen Väter zu Unrecht, zum Beispiel im Rahmen einer Scheidung, von der eigenen Frau verdächtigt wurden. Doch die Aussage eines Kindes gilt immer als sicher und wird zusätzlich, um Falschverdächtigungen zu vermeiden, im Rahmen eines strafrechtlichen Verfahrens mehrmals überprüft. Je jünger allerdings die Kinder sind, umso schwieriger ist die Überprüfung. „Je weniger sich ein Kind verbal ausdrücken kann, desto schwerer kann es sich mitteilen. Und umso angewiesener ist es auf die Hilfe der Mutter.“ Und damit darauf, dass die Mutter nicht aus Hass darauf aus ist, das Leben des Mannes zu zerstören. „Doch die Mütter, die ich in der Beratungsstelle erlebe, machen sich sehr viele Gedanken und Sorgen um ihre Kinder. Sie haben den Schutz des Kindes im Sinn und nicht das Ziel, ihrem Ex etwas anzuhängen!“

Mit dem Vater in die Wanne?

Doch wo beginnt der Missbrauch? Und wo endet der natürliche Umgang mit der Nacktheit? Hier gibt es klare Richtlinien: „Sexueller Missbrauch beginnt dort, wo der (vorwiegend erwachsene) Täter seine Bedürfnisse nach Macht und Sexualität auf Kosten des meist weiblichen Kindes befriedigt. Wenn der Vater mit seiner Tochter duscht und dabei erotische Gefühle empfindet, ist er dafür verantwortlich, die Situation sofort zu beenden“, so die Sozialpädagogin. „Ein Vater, der sich beim Anblick der nackten Tochter erregt fühlt und dann die Situation ausnützt, verübt sexuellen Missbrauch. Das ‚Ausnützen‘ kann bereits die Selbstbefriedigung unter der Schaumdecke der Badewanne sein, das ‚zufällige‘ Berühren des Mädchens an intimen Stellen, die Aufforderung an das Kind, doch mal seinen ‚Pipimann‘ anzufassen oder Ähnliches.“ Bereits sexuell motivierte Blicke führen bei einem Kind zu Unbehagen, denn es merkt genau, dass etwas nicht stimmt, kann dieses Gefühl aber natürlich nicht benennen. Ganz klar kann man sagen, dass der Umgang mit Nacktheit da endet, wo der Erwachsene sexuelle Neugier, Erregung bzw. den Wunsch nach Befriedigung verspürt.

Täter Väter

Der Missbrauch durch den Vater ist ein heikles Thema, auf das die Reaktionen zwischen Abscheu, Unverständnis und Mitleid angesiedelt sind. Sowohl die Intensität der Tat als auch die Motivationen sind so unterschiedlich, dass man keine allgemeingültigen Aussagen über den Täter an sich treffen kann.  Heidi Kastner schreibt in ihrem Buch „Täter Väter“, dass kein Delikt mehr emotionalisiert und damit den Ruf nach Lynchjustiz fast als „anständige Reaktion erscheinen lässt.“ Aber die Gerichtspsychiaterin, die unter anderem mit dem österreichischen Inzest-Fall Fritzl betraut war, betont auch, dass einige der meist männlichen Täter einer „generationsübergreifenden Tradition“ folgen. „Schließlich darf man auch nicht vergessen, dass manche der Täter früher selbst Opfer desselben Delikts waren und durch ihre eigene Tat scheinbar mühelos den gewaltigen Sprung vom maximal unschuldigen Opfer zum maximal schuldigen Täter vollziehen“, so Kastner. Dies allerdings ist im besten Fall Teil einer Erklärung, sicher aber keine Entschuldigung, denn die Verantwortung für eine solche Tat liegt in jedem Fall beim Täter und nie beim Opfer!

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