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Lob und Kritik in der Erziehung richtig einsetzen

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Kann man zu viel loben?

15.08.2011, 14:11 Uhr | mmh, t-online.de

Lob und Kritik in der Erziehung richtig einsetzen. Echtes Lob stärkt Kinder für das Leben. (Quelle: imago)

Echtes Lob stärkt Kinder für das Leben. (Quelle: imago)

Nein, man kann Kinder nicht zu viel loben, aber man kann falsch loben. Lob muss glaubwürdig sein und auch die Kehrseite kennen, nämlich die Kritik. Lob ist wichtig um ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln, sagen Psychologen. Und dann gibt es für Eltern noch die Möglichkeit zu ignorieren, das kann ebenfalls gut oder böse sein.

Lob und Kritik gehören zusammen

"Sagst du das jetzt als Mama oder in echt?", fragt der neunjähriger Junge, nachdem seine Mutter den Aufsatz, den er stolz vorgelesen hat, natürlich gebührend gelobt hat. Ein echtes Drama, das er da vorgetragen hat, wirklich überdurchschnittlich gut - findet sie zumindest. Er hat es natürlich durchschaut. Mütter sind nicht objektiv, der Aufsatz muss vor seinem Lehrer bestehen und er wird eine Note darauf bekommen, kein mütterliches Lächeln oder ein anerkennendes väterliches Schulterklopfen. Aber Eltern können die Anstrengung loben, die Ernsthaftigkeit, mit der sich der Kleine abgemüht hat. Das muss nicht in eine Notenskala passen. Allerdings hat die Mutter jetzt die Chance, noch an konkreten Stellen im Aufsatz das Lob festzumachen und andere Passagen gemeinsam mit dem Sohn zu verbessern. Konkretes Lob und konstruktive Kritik - manchmal anstrengend, aber die Mischung, die Kinder wohl brauchen. Lob und Kritik als Motor der Motivation.

Auch Lehrer sollten loben können

"Lob ist wie Dünger", schreibt Christine Falk-Frühbrodt vom Institut für integratives Lernen und Weiterbildung. "Wohldosiert kann es ein zartes Pflänzchen zu einem Baum mit tiefen Wurzeln heranwachsen lassen. Zu freigiebig ausgeteilt, kann es eine ganze Ernte zunichte machen. Loben Sie sparsam." Wird jede Kleinigkeit bejubelt, weiß das Kind nicht mehr, wo das Ziel ist, es muss wissen es geht noch weiter, es lohnt sich am Ball zu bleiben. Zu viel Anerkennung könne manche Kinder auch unter Druck setzen, so Falk-Frühbrodt. Ihr Tipp: "Bemessen Sie Ihr Lob nach den vergangenen Leistungen und Bemühungen eines Kindes. Vergleichen Sie es weniger mit seinen Klassenkameraden, sondern mehr mit sich selbst. Was für das eine Kind selbstverständlich ist, ist für das andere eine Herausforderung."

Lob in den Kindheitsphasen

Ach, wie ist das einfach bei den ganz Kleinen, bei denen noch jeder kleine Fortschritt, jeder Zuwachs an Wissen und Können gelobt werden kann, in der Phase, in der die sozialen Beziehungen des Kindes kaum über die Familie hinaus gehen. Doch dann die Sandkasten-Phase. "Schön, wie ihr miteinander spielt!" - dieser Satz ist sehr häufig von Müttern und Vätern rund um die Spielplätze zu hören. Aber ist es nicht selbstverständlich, dass sie miteinander spielen? Muss man das überhaupt loben? Oder ist das der als Lob getarnte Versicherung: "Hallo, ich bin da und beobachte dich"? Viele Eltern sind in ein Lob-Extrem verfallen. Diese Lob-Inflation entwertet die Aktion.

Teenager: Wenn loben schwer fällt

Und dann kommt die Phase, in der es für Eltern und Kinder wesentlich mehr Gründe gibt, an einander herumzumeckern, als sich zu loben, zumindest auf den ersten Blick: Die Pubertät. Denn es fällt schwer, die ausgeflippte Kleidung als indivuellen Stil zu interpretieren oder die Schminkversuche als "Sich-schön-Machen-für-Dich" auszulegen. Und Teenies hören auch nicht gerne Sätze wie: "Du hast dich schon immer gerne verkleidet." Auch krampfhaftes Loben kommt nicht gut an. Wenn Eltern aber die Welt der Kinder ernst nehmen, finden sie auch die Dinge, die ihnen wichtig sind und die Ansatzpunkte für Lob und Motivation.

Der Blick von außen

Oma und Opa werden sicherlich immer gerührt das Talent der kleinen Musiker loben, wenn sie an Weihnachten und zum Geburtstag ein Liedchen auf der Blockflöte oder der Gitarre vortragen. Eltern, die in ihrem Bekanntenkreis auch noch kinderlose Menschen haben, sollten deren Sicht der Lage nutzen. "Sag mal, meinst du der Kleine hat echt Talent oder glauben das nur wir Eltern?" Und bitten sie um eine ehrliche Antwort, halten sie die dann auch aus. Manche der neuen Supertalente Deutschlands hätten sich vielleicht nie einem Casting gestellt, hätten sie jemals ein ehrliches Feedback erhalten. Faustregel: Loben sie das, was gut ist, nicht pauschal. Das Lob kann also heißen: "Das hast du fleißig geübt, man hört einen großen Unterschied!" Oder beim Ballett: "Du hast dir die schwierige Schrittfolge gemerkt!" Aber nicht: "Du bist die beste Ballerina der Welt!" und "Aus dir wird einmal ein großer Musiker!"

Die Welt da draußen

Irgendwann werden andere Kritiker das Kind bewerten, nicht erst bei einem Talent-Casting. Dann müssen die Kinder mit Kritik und Niederlagen umgehen können. Wenn Papa mit dem Sohn kickt, dann sind das für beide Traumpässe. Doch der Trainer will mehr sehen, passgenaue Schüsse. Wenn das Kind nicht gelernt hat, sich realistisch einzuschätzen, wird es bald en Spaß am Sport verlieren, wenn es nur Auswechselspieler ist oder von den Mitspielern "angemotzt" wird. Dann wird ein Kind wohl immer die anderen für sein Versagen verantwortlich machen. Kinder, die für jede Kleinigkeit gelobt werden, entwickeln ein falsches Bild von sich selbst.

Die Kunst des Ignorierens

Eine Form von Lob und Kritik ist auch das Ignorieren. Wenn Mütter den verunglückten Schminkversuch der Tochter einfach übersehen, vermeiden sie verletzende Kritik. Wenn sie jedoch den gelungenen Auftritt mit der Ballettgruppe ignorieren oder das zufällig mitgehörte perfekte Klavier-Spiel, dann kann das sehr verletzen.

Detailliert und uneingeschränkt loben

Ein Lob ist ein Lob. Es ist kein Vergleich mit anderen, es ist kein "na siehst du, geht doch, wenn du dich nur anstrengst!". Christine Falk-Frühbrodt empfiehlt: "Sagen Sie genau, was Sie mit Ihrem Lob meinen. 'Deine Schrift ist heute ganz besonders ordentlich. Ich kann alles gut lesen und du bist immer auf der Linie geblieben' ist besser als ein knappes 'Schön!', das das Kind nicht einordnen kann. Achten Sie darauf, dass Sie ohne Einschränkung loben: 'Dein Aufsatz ist sehr spannend, aber deine Schrift ist eine Katastrophe' macht das ursprüngliche Lob zunichte. Lassen Sie das Lob isoliert stehen oder ersetzen Sie den Nebensatz mit 'und das mit der Handschrift bekommst du auch noch hin'.

Was bewirkt Lob

Lob lässt sich nicht als Menge bewerten. Es kommt nicht auf die Häufigkeit an. Es kommt darauf an, wofür ein Kind gelobt wird, wann und von wem. Lob kann Kinder auch unter Druck setzen. Vor allem Mädchen sind dafür anfällig. Aussagen wie "Du bist ja super im Memory!" setzen sie unter Druck, sie wollen immer wieder gut sein und können so langfristig Versagensängste hervorrufen. Es empfiehlt sich eher, die Anstrengung zu loben, beispielsweise die gute Konzentration, allein schon den Mut, etwas auszuprobieren. Lob spornt an und gibt Selbstvertrauen.

Andere Formen

"Heute war ein richtig schöner Tag", auch das kann ein Lob sein. Ein Lob dafür, dass die Beziehungen in der Familie stimmen, dass man ein gutes Team war, dass man zusammengeholfen hat, dass das Gefühl gut war .... Das kann zum AUsklang des Tages noch einmal allen richtig gut tun. In der Schule gibt es Smileys und Fleißbildchen. Das alles kann für Kinder ein Vorrat sein, aus dem sich ihr Selbstvertrauen speist. Auch aufmunternde Blicke oder die reine Teilnahme können motivieren. Daumen hoch für gute Leistung - und der Torwart, auch im Teenager-ALter, freut sich, ohne dass ohm die Eltern peinlich sind.

Checkliste: Richtig loben

  • Loben Sie ehrlich!
  • Echtes Lob, kein Pauschal-Lob: Loben sie konkrete Dinge, die auch stimmen. Übertrieben, zu allgemein oder zu subjektiv schadet, Kinder durchschauen dies und sind enttäuscht von den Lobenden oder überschätzen sich und sitzen einer falschen Vorstellung von sich selbst auf.
  • Schauen sie hin: Kinder merken es, wenn ein Lob nur so dahin gesagt ist. Wer eine Zeichnung lobt, muss das Bild auch ansehen.
  • Loben sie beschreibend, das dauert länger hat aber einen zusätzlichen Lerneffekt. Beispiel "Torwart": Sagen sie nicht, Du bist ein Super-Torwart, sondern "Es ist toll, wie Du Dich auf den Ball konzentrierst und keine Angst vor dem Ball hast!". Die Kinder erfahren gleichzeitig, warum eine Wertung abgegeben wird, was wichtig ist, worauf es ankommt.
  • Körpersprache: Daumen hoch und Lächeln, ein Augenzwinkern, das sagt oft mehr als viele schöne Worte. Kinder spüren aus der Körpersprache, ob sie mit dem Kopf dabei sind.
  • Wecken sie keine falschen Hoffnungen. Auch wenn ein Kind Spaß am Musizieren hat, bedeutet das nicht unbedingt, dass es darin ein Genie ist.
  • Unechtes Lob, das nicht von Herzen kommt, kann demotivieren.
  • Echtes Lob spornt an und stärkt das Selbstbewusstsein.

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