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Integration: Erstklässler als Vorreiter der Integration

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Erstklässler sind Vorreiter der Integration

11.10.2010, 11:37 Uhr | rw, AFP, t-online.de

Integration: Erstklässler als Vorreiter der Integration. Kinder spielen im Sandkasten. (Quelle: imago)

Im Sandkasten spielt die Nationalität kein Rolle. (Quelle: imago)

Egal ob ein türkischstämmiger Polizist in Köln, ein Bundesgesundheitsminister mit asiatischem Hintergrund oder ein in Polen verwurzelter Torjäger in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Menschen mit ausländischen Wurzeln gehören im modernen Deutschland zur alltäglichen Erlebniswelt. Trotzdem offenbart die Integrationsdebatte einen gewissen Nachholbedarf, was die Akzeptanz fremder Sitten und Bräuche angeht. Wann und wodurch entstehen die gegenseitigen Ressentiments? Kleinkindern ist es zum Beispiel noch herzlich egal, welche Nationalität der Spielkamerad im Sandkasten hat - die Farbe von Schäufelchen und Eimer sind da viel wichtiger als die der Haut. Auch bei Erstklässlern sind Rassenunterschiede offenbar noch kein Problem.

Kulturelle Identität nicht angeboren, sondern erlernt

Ab einem bestimmten Alter sollten Kinder wissen, dass man mit Messer und Gabel isst, man "Bitte" sagt, wenn man etwas haben möchte und sich bedankt, wenn man es bekommt. Dass Eltern genau darauf achten, ist richtig und wichtig. Schließlich muss sich der Sprössling aller Voraussicht nach später einmal in einer Umgebung behaupten, die ebenfalls auf die Erfüllung dieser Konventionen und Benimmregeln achtet. Sie zu kennen und einzuhalten, ist Kindern nicht angeboren, sondern anerzogen. Sie lernen welche Verhaltensweisen üblich sind, wann Feiertage sind und wie es in der Küche riecht. Kurz: In den ersten Lebensjahren entdecken und entwickeln Kinder ihre kulturelle Identität.

Aber spätestens im Kindergarten- oder Schulalter kommen Kinder dann plötzlich auch mit etwas völlig Neuem und Fremdem in Kontakt. Mustapha hat zum Beispiel ganz andere Speisen in der Brotbox, die auch ganz anders riechen als das eigene Pausenbrot, seine große Schwester trägt ein Kopftuch. Und warum wird in Kims Familie mit Stäbchen gegessen - ist doch unpraktisch! Offenbar gelten bei den Schulfreunden zu Hause in einigen Bereichen ganz andere Sitten, als die, die Kinder gerade erst selbst als richtig erlernt haben.

Erstklässler als "Vorreiter der Integration"

Für die ABC-Schützen selbst ist das erstmal kein Problem. Das zumindest lässt eine aktuelle Studie der Universität Würzburg vermuten, die im Nachrichtenmagazin Spiegel zitiert wird. Zwei von fünf Erstklässlern deutscher Herkunft hätten einen Freund mit Migrationshintergrund, zwei Drittel davon besuchen den jeweiligen Schulkameraden auch zu Hause. Bei Grundschülern mit ausländischer Abstammung sei die "hohe kulturelle Offenheit" noch stärker ausgeprägt, wie Studienleiter Heinz Reinders dem Spiegel erklärt. Vier von fünf Kindern bejahten die Frage, ob sie einen Freund hätten, dessen Eltern nicht aus dem selben Land stammten, wie sie selbst.

Bei den Diskussionen der letzten Wochen um ge- und misslungene Integration sowie ständigen Horrormeldungen über von Migrantenkindern gemobbte deutschstämmige Schüler, stimmen die Würzburger Studienergebnisse hoffnungsvoll, dass es um die Integration vielleicht doch nicht gar so schlecht steht, wie manch alarmierender Medienbericht vermuten ließ. "Diese Studie zeigt, dass die Kinder bei der Integration viel weiter sind als die öffentliche Diskussion", bewertet CDU-Mann Thomas Rachel die Ergebnisse. Er ist parlamentarischer Staatssekretär im Bundesbildungsministerium, das die Studie in Auftrag gegeben hat und sieht in den Grundschülern "die Vorreiter der Integration".

Keine Gleichmacherei

Doch wenn die kulturellen Unterschiede bei den Kleinen noch eine untergeordnete Rolle spielen, wann entstehen dann die Gräben zwischen den Kulturen, die es noch immer recht verbreitet in unserer Gesellschaft gibt? Und wie ließe sich das verhindern? "Es geht darum, das Eigene und das Andere achtungsvoll nebeneinanderzustellen", so die Diplom Sozialarbeiterin Elke Schlösser gegenüber der Zeitschrift Eltern familiy. Die aus falsch verstandener Political Correctness so häufig praktizierte Gleichmacherei sei wenig hilfreich. "Wenn gefragt wird, ob man als interkulturell Erziehende überhaupt noch Sankt Martin feiern darf, ist was falsch gelaufen."

Denn um überhaupt erkennen zu können, wie das Fremde und Andere, die eigene Erfahrungswelt bereichert, müssen Kinder zunächst einmal eine solche haben, ihre eigene kulturelle Identität entdecken und erleben. Aus dieser inneren Festigkeit heraus ist es viel leichter, das Andersartige nicht als Bedrohung, sondern als willkommene Ergänzung und Bereicherung seiner Umwelt zu erleben. Dabei orientieren sich Kinder stark an ihrem nahen sozialen Umfeld, so dass Eltern hier eine große Verantwortung zukommt. "Wer von klein auf erfährt, dass Unterschiede etwas Normales sind, etwas, dass zum Leben dazugehört, kann sich mit Interesse diesen Unterschiedlichkeiten nähern", ist die Expertin für interkulturelle Pädagogik überzeugt.

Eltern als Vorbilder im Alltag

Eltern sollten ihr eigenes Verhalten kritisch Beobachten, denn sie sind bei der Frage, wie mit Andersartigkeit umzugehen ist, Vorbild. Wie reagieren Sie zum Beispiel, wenn Sie im Supermarkt an eine Verkäuferin mit osteuropäischem Akzent geraten, oder wenn es aus der Wohnung nebenan nach orientalischen Speisen riecht? Wie gehen Sie damit um, wenn die Kinder aus der Schule heimkommen und vom Ramadan erzählen, der ihre muslimischen Mitschüler fasten lässt? Unsere Kinder haben hier sehr feine Antennen für die Haltung der eigenen Eltern zum Anderssein. Über die Jahre ist es sehr wahrscheinlich, dass sie die elterliche Grundhaltung in großen Zügen für sich übernehmen. Eltern sollten sich ihrer Vorbildfunktion klar werden und sich selbstkritisch die Frage stellen, ob sie einen Mesut und einen Miroslav nur als Fußballnationalspieler oder eben auch als Polizisten oder Nachbarn akzeptieren.

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