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Taschengeld: Kinder kriegen viel zu viel

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Taschengeld  

Deutsche Kinder kriegen zu viel Geld

10.09.2010, 10:38 Uhr | rw, t-online.de, AFP, dapd

Taschengeld: Kinder kriegen viel zu viel. Siebenjährige badet im Geld.

Deutsche Kinder kriegen viel zu viel Taschengeld. (Bild: imago) (Quelle: imago)

Es ist klar: Zum Erwachsenwerden gehört es auch, den verantwortungsbewussten Umgang mit Geld zu lernen. Das geht natürlich nur, wenn Kinder auch schon früh eigenes Geld haben, mit dem sie haushalten können. Viele Eltern zahlen ihrem Nachwuchs deshalb monatlich oder wöchentlich eine bestimmte Summe, wovon sich die Kinder dann kleinere Anschaffungen finanzieren können. In welcher Höhe die regelmäßigen Geldzuwendungen fließen, ist aber sehr unterschiedlich. Im Durchschnitt erhalten deutsche Kinder viel zu viel Taschengeld. Das zeigen die Ergebnisse der "Kids Verbraucher-Analyse 2010" im Vergleich zu den Empfehlungen der Experten.

Brauchen Kinder überhaupt Taschengeld?

Kinder müssen früh den Umgang mit Geld üben. Im Hinblick auf die Finanzen im späteren Leben kann der Umgang und das Haushalten mit eigenem Taschengeld eine wichtige Lernlektion für Kinder sein. Sie lernen, was teuer und was billig ist, machen die Erfahrung, dass Geld schnell ausgegeben sein kann, wenn man es sich nicht einteilt und lernen, auf diese Erfahrungen gründende Entscheidungen zu treffen. Ist eine Anschaffung sinnvoll und nötig oder nicht? Wie wichtig dieser verantwortungsvolle Umgang ist, belegen Zahlen: Zehn Prozent aller 20- bis 24-Jährigen, die in Deutschland leben, haben Probleme mit Schulden. Frühes Taschengeld "garantiert zwar nicht, dass sie als Jugendliche nicht auch mal Fehler machen, aber die Anfälligkeit dafür sinkt durch den rechtzeitigen Umgang mit frei verfügbarem Geld enorm“, sagt Jörg Lampmann, Leiter einer Erziehungsberatungsstelle in Hamburg im Gespräch mit dem Onlineportal "welt.de". Zu diesem Effekt kommt es aber nur, wenn Eltern einige Bedingungen beachten.

Betrag festlegen und dann konsequent bleiben

Eine der goldenen Regeln heißt: Stecken Sie klar ab, wie viel Geld zur Verfügung gestellt wird und was genau davon bezahlt werden muss. Es ist wenig sinnvoll, dem Kind ein Taschengeld zu zahlen, und dann, sobald es ausgegeben ist, wieder in die eigene Brieftasche zu greifen, um dem Sprössling ein Eis zu kaufen. Bei älteren Kindern könne man beispielsweise eine bestimmte Summe im Monat in eine Dose stecken, von der sie sich Hosen und Pullover kaufen dürften, meint Erziehungsberaterin Claudia König aus dem hessischen Weyher. Im Geschäft könne das Kind dann frei entscheiden, ob es lieber zwei günstige Hosen oder einen etwas teureren Pullover kaufen wolle, verdeutlicht König. Man müsse dann allerdings auch damit umgehen können, dass das Kind einen Winter lang in der Sommerjacke herumläuft, weil es sich im Herbst lieber eine Markenjeans leisten wollte.

Eltern zahlen zu viel Taschengeld

Die deutschen Jugendämter geben regelmäßig Empfehlungen heraus, wie viel Taschengeld Kinder in welchem Alter bekommen sollten. Die Behörden geben folgende Empfehlungen:

Alter Taschengeld
4 - 5 Jahre 50 Cent wöchentlich
6 - 7 Jahre1,50 bis 2 Euro wöchentlich
8 - 9 Jahre2 bis 2,50 Euro wöchentlich
10 -11 Jahre13 bis 15 Euro monatlich
12 -13 Jahre18 bis 20 Euro monatlich
14 -15 Jahre23 bis 26 Euro monatlich
16 -17 Jahre32 bis 42 Euro monatlich
18 Jahre 62 Euro monatlich

Den deutschen Eltern scheinen diese Beträge für ihre Kinder allerdings zu mickrig auszufallen. Bei den ganz kleinen zwischen sechs und neun Jahren weicht die durchschnittlich gezahlte Summe um über 100 Prozent von der Empfehlung der Jugendämter ab - nach oben, versteht sich. Und das trotz der vielbeschworenen Wirtschafts- und Eurokrise. Das zumindest ist ein Ergebnis der diesjährigen "Kids Verbraucher-Analyse" (KidsVA) im Auftrag des Egmont Ehapa Verlags. "Wir haben den Eindruck, dass bei den Kindern zuletzt gespart wird", bewertet auch Verlagsgeschäftsleiter Ingo Höhn das Ergebnis. Für die Studie wurde anhand einer repräsentativen Stichprobe aus 1745 Kindern zwischen sechs und 13 Jahren und je einem Elternteil unter anderem berechnet, wie viel Taschengeld tatsächlich fließt. Das Ergebnis:

Alterdurchschnittliches reales Taschengeld*Empfehlung der JugendämterAbweichung
6 - 9ca. 17,50 Euro monatlich ca. 8 Euro monatlichca. 9,50 Euro
10 - 13ca. 28 Euro monatlichca. 16,50 Euro monatlichca. 11,50 Euro

* laut KidsVA

Schere zwischen Arm und Reich setzt schon bei Kindern an

Doch nicht nur die monatlichen Beträge für Taschengeld bleiben ungeachtet aller Krisen weiter hoch. Die Geldgeschenke, die zu Weihnachten, zum Geburtstag und weiteren Anlässen auflaufen, summieren sich bei den sechs bis 13 Jährigen im Schnitt auf jährlich 186 Euro und erreichen so noch immer ein sehr hohes Niveau. Auch wenn im Vorjahr noch 216 Euro in Form von Geldgeschenken an die Kleinen flossen.

Im Verhältnis zu den in letzten Jahren recht konstant steigenden Zahlen von Kindern, die unter der Armutsgrenze leben, macht die KidsVA deutlich, dass die berühmte Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland schon bei den Jüngsten ansetzt. Derzeit sind rund 1,7 Millionen Kinder in Deutschland von Hartz IV abhängig.

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