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"Menschen bei Maischberger": Diskussion über Kindererziehung

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"Menschen bei Maischberger": Wie viel Autorität brauchen Kinder?

20.10.2010, 08:42 Uhr | rev, t-online.de

"Menschen bei Maischberger": Diskussion über Kindererziehung. Partyveranstalter Don Francis (links) und Textilunternehmer Wolfgang Grupp diskutieren über Kindererziehung. (Bild: ARD)

Partyveranstalter Don Francis (links) und Textilunternehmer Wolfgang Grupp diskutieren über Kindererziehung. (Bild: ARD)

"Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widerspricht den Eltern, legt die Beine übereinander und tyrannisiert ihre Lehrer." Mit diesem über 2000 Jahre alten Sokrates-Zitat eröffnete Sandra Maischberger ihre gestrige Gesprächsrunde. Die These der Sendung: "Eltern geben auf: Erziehen zwecklos". Wolfgang Grupp, Senta Berger, das Journalistenehepaar Petra Gerster und Christian Nürnberger, Grundschullehrerin Renate Stubenrauch sowie "Partykönig" Don Francis tauschten Anekdoten aus und diskutierten über Erziehungsmethoden und Schulmodelle.

Wolfgang Grupp: Eltern sind mitverantwortlich

Wie viel Autorität brauchen Kinder? Diese Frage beschäftigte die Gäste von "Menschen bei Maischberger" am 19.10. In einer Hinsicht waren sie sich dabei alle einig: Kinder brauchen Freiheiten. Jedoch nicht ohne Führung, wie Trigema-Chef Wolfgang Grupp deutlich machte. Seiner Ansicht nach müssten sich Eltern vor allem in den ersten Lebensjahren, die für die Entwicklung eines Menschen besonders wichtig seien, als starke Vorbilder und Vertrauenspersonen beweisen. Kinder gehorchen laut dem Textilunternehmer und zweifachem Vater dann, wenn sie Vertrauen in ihre Eltern haben und diese sich die Mühe und Zeit nehmen, ihre Regeln und Anforderungen auch immer zu erklären. Auf diese Weise würden Eltern den Charakter ihrer Kinder entscheidend prägen - und sind somit auch mitverantwortlich, wenn das Kind sich später daneben benimmt.

Der Vorbildcharakter der Eltern wurde auch von Petra Gerster und Christian Nürnberger bestätigt. Sie zitierten an dieser Stelle Karl Valentin, der sagte: "Kinder brauchen nicht erzogen werden, sie machen uns eh alles nach." Darüber hinaus sieht das Journalisten- und Autorenpaar aber auch Widerständigkeit als Voraussetzung für einen "guten Charakter". Kinder müssten lernen sich zu widersetzen anstatt immer nur vorherrschenden Trends sowie gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Vorgaben zu folgen.

Obwohl Gerster gegen Ende der Sendung anmerkte, dass man sich nach 1968 30 Jahre lang "gar nicht mehr um Erziehung gekümmert" habe, ist sie mit ihrer Vorstellung nicht weit entfernt von Schauspielerin Senta Berger, die in den 70er und 80er Jahren ihre zwei Söhne antiautoritär erzog. Denn Berger erklärte, es sei gesund als junger Mensch die vorangegangene Generation zu hinterfragen. Außerdem sei sie sich bewusst, dass Kinder und Jugendliche sich sehr stark an Gleichaltrigen orientieren und dadurch die Einflussnahme von Eltern begrenzt ist und diese ohnehin immer wieder "gegen eine Wand anrennen" werden.

Wenn Anstand und Moral zu Hause bleiben

Dass hingegen niveaulose Partys, in denen es ausschließlich um Alkohol und Sex geht, nichts mit Hinterfragen, Widerstandskraft oder gar "Rebellion" zu tun haben, darin waren sich alle Gäste einig - bis auf Don Francis. Der deutsche Partyveranstalter aus Lloret de Mar präsentierte sich Bier trinkend und im weißem Frottee-Bademantel bei Maischberger. In der spanischen Partystadt organisiert der Hamburger Ex-Knacki sogenannte "All you can sauf"-Feiern vor allem für Abiturienten, die sich, wie er glaubt, vor dem Start ins Berufs- oder Studienleben noch einmal richtig gehen lassen wollen. Laut eigener Aussage sollen auf seinen Events "Anstand und Moral zu Hause bleiben" und Alkoholvergiftungen und ungewollte Schwangerschaften werden in Kauf genommen.

Unverständnis zeigte Wolfgang Grupp besonders gegenüber den Eltern und Großeltern, die ihren Kindern einen solchen "Saufurlaub" finanzieren. Er selbst habe keine Achtung vor Menschen, die sich dermaßen gehen lassen. Petra Gerster betonte zwar, dass es zum Erwachsenwerden dazu gehöre, Grenzen auszutesten, was auch Partys, Alkoholkonsum und sogar "Joints" umfassen kann. Dass dies jedoch in organisierter Form angeboten wird, lehnte sie ebenfalls ab. Genauso wie Senta Berger, die nicht verstehen konnte, dass junge Menschen überhaupt das Bedürfnis haben "abzuschalten". Schließlich ging es ihr früher auch immer darum, "wach zu sein" und bewusst zu erleben.

Brauchen Kinder überhaupt Schulnoten?

Mit der Grundschullehrerin Renate Stübenrauch kam gegen Ende der Talkshow die Frage auf, welche Rolle die Schule in der Erziehung und Entwicklung von Kindern spielen müsse. Stubenrauch ist Mitgründerin der Freien Schule Frankfurt. Statt klassischen Schulnoten und starren inhaltlichen Vorgaben gibt es in dieser Schulform individuelle und teilweise auch subjektive Bewertungen der Schüler, die zudem bestenfalls selbst entscheiden, wann sie was mit wem lernen wollen. So ist es für Stübenrauch beispielsweise kein Problem, wenn ein Kind erst mit neun Jahren anfängt zu lesen. Denn in der Zwischenzeit habe das Kind mit Sicherheit andere Dinge lernen können.

Ganz bewusst wende man sich in diesem Konzept ab von jener Autorität und Unterdrückung, die Stübenrauch selbst als Kind während des Zweiten Weltkriegs erleben musste. Ihr Leitsatz dabei: "Jegliche Diskussion über Erziehungsziele oder Erziehungsvorstellungen muss sich danach richten, dass sich Auschwitz nicht wiederholt." (Adorno)

Die Schulen von heute sind wie Fabriken

Auch Christian Nürnberger wendete sich gegen Schule, wie man sie heute größtenteils erlebt: "Wir wollen keine Schule als Bildungsfabrik, in die man vorne einen Schüler hineinschiebt und hinten ihn dann schön wieder herauszieht, sondern wir wollten eine Schule, die Menschen bildet." Doch genau solche Bildungsfabriken habe man nun bekommen. Schulen sollten nach Gerster und Nürnberger Orte der Begegnung von Nationen, Kulturen, Schichten, eben von unterschiedlichen Menschen sein, die auch voneinander lernen.

Bevor der Zuschauer schließlich mit einem Sammelsurium aus verschiedenen Erziehungsansätzen und Schulkonzepten aus der Show entlassen wurde, scheute sich Maischberger nicht, ihre gesamte Sendung ad absurdum zu führen. Sie holte die aktuelle Shell-Studie heraus, laut welcher die Jugend nie zuvor so optimistisch in die Zukunft geblickt habe wie gegenwärtig. Die Moderatorin zitierte als Schlusswort: "90 Prozent haben ein gutes Verhältnis zu ihrer Familie. Also haben Sie alle hier nichts falsch gemacht." Das unkritische Ende einer Erziehungsdiskussion ohne neue Erkenntnisse oder Lösungsansätze.

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