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Kinderpornografie: ZDF-Doku Missbrauch per Mausklick

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"Missbrauch per Mausklick": Kinderpornografie im Internet

21.10.2010, 08:47 Uhr | rev; ZDF, t-online.de

Kinderpornografie: ZDF-Doku Missbrauch per Mausklick. Kindesmissbrauch: Kriminalkommissar Dieter Scholz (r.) und ein Kollege von der Datenverarbeitungsgruppe der Polizeidirektion Hannover untersuchen einen beschlagnahmten Computer. (Bild: ZDF)

Kriminalkommissar Dieter Scholz (r.) und ein Kollege von der Datenverarbeitungsgruppe der Polizeidirektion Hannover untersuchen einen beschlagnahmten Computer. (Bild: ZDF)

Es sind vor allem Männer, die sich an den Schwächsten der Gesellschaft, an wehrlosen Kindern, vergreifen. Die Täter glauben sich hinter den Fassaden ihrer Wohnungen sicher. Dass sie mit dem Kindesmissbrauch per Mausklick ein Verbrechen begehen, stört sie kaum. Eine Freiheitsstrafe, die von drei Monaten bis zu fünf Jahren gehen kann, schreckt sie nicht ab. Seit mehr als zehn Jahren ist Dieter Scholz im Fachkommissariat für Sexualdelikte bei der Polizeidirektion Hannover tätig. Ein Jahr lang haben Reporter für die Dokumentation "Missbrauch per Mausklick", die in der vergangenen Nacht um 0:35 Uhr im ZDF ausgestrahlt wurde, den Ermittler bei seiner Arbeit begleitet, waren bei Einsatzfahrten, Hausdurchsuchungen, Beschlagnahmungen und beim Durchsuchen der Computer dabei. Für den Beamten ein oft zermürbender und nur schwer zu ertragender Alltag.

Scholz: "Wer aufgibt, verliert!"

Die Vernehmung ist beendet. Kriminaloberkommissar Dieter Scholz ist sicher, dass der Beschuldigte etwas zu verbergen hat, auch wenn der sich absolut unschuldig gibt. Bei ihm werde man nichts finden. In solchen Fällen setzt Scholz auf seinen Kollegen Thorsten Steinert von der Datenverarbeitungsgruppe. Steinert weiß: "Fehler machen sie alle!" Und tatsächlich entdeckt der Computerspezialist einige Tage später unter hunderttausenden Fotos widerliche kinderpornografische Dateien. Ausreichend Beweise für einen Prozess.

So schwer seine Arbeit für ihn oft zu ertragen ist: Dieter Scholz findet immer wieder den Ansporn, gegen die wachsende Bedrohung durch kinderpornografische Bilder und Videos im Internet anzukämpfen. "Das Weggucken, wenn jemand auf dem Bahnsteig verprügelt wird, ist nichts anderes als das Weggucken im Internet", warnt der Kommissar. "Hier muss man immer wieder Anstöße geben, dass sich das Bewusstsein in der Bevölkerung und das Bewusstsein unserer Politiker verändert!"

Scholz gibt sich weiterhin motiviert. Er erklärt deutlich, dass hinter jedem einzelnen Bild oder Video ein sexueller Missbrauch stecke, der die betroffenen Kinder wahrscheinlich ein Leben lang begleiten wird. Deshalb ist sich der Kommissar sicher: "Wir müssen dagegen halten. Wer aufgibt, verliert!"

Jedes dritte Opfer ist jünger als drei Jahre

Die Täter, die kinderpornografische Fotos und Videos im Internet verbreiten, erwerben oder besitzen, kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten. Bis zu fünf Jahre Gefängnis warten auf Menschen, die sich an Kindern vergreifen. Und auch der Besitz oder der Handel mit jugendpornografischen Fotos und Videos im Internet, also mit Personen von 14 bis 18 Jahren, ist in Deutschland inzwischen strafbar. Die abschreckende Wirkung der Strafen ist dabei fragwürdig: Jeden Tag suchen zirka 350.000 User in diversen Chats und Tauschbörsen ihren perversen K(l)ick. 80 Prozent der Kinder, deren Fotos und Videos im Internet kursieren, sind jünger als zehn Jahre. Jedes dritte Opfer ist sogar jünger als drei Jahre.

Dass es bei Kinderpornografie nicht allein um die Befriedigung pädophiler Bedürfnisse geht, sondern vor allem auch um finanzielle Interessen und Gewinnmaximierung, ist der wesentliche Grund für das so große Angebot derartiger Inhalte. Noch nie war Kinderpornografie so leicht zugänglich wie gegenwärtig im Internet, weshalb die Arbeit von Ermittlern wie Dieter Scholz auch in Zukunft nicht geringer, leichter oder erträglicher werden wird.

Mängel in der Bekämpfung und Prävention von Sexualverbrechen

Erst vor etwa einem halben Jahr beschäftigte sich die NDR-Reportage "Sexobjekt Kind" mit dem gleichen Thema. In der Dokumentation wurden damals deutliche Mängel bei der Bekämpfung von Sexualverbrechen an Kindern deutlich, die vor allem auch das deutsche Gesundheitswesen sowie das deutsche Strafrecht betreffen.

Dunkelfeldstudien zufolge sind fast ein Prozent der erwachsenen Männer zumindest pädophil ansprechbar und haben diese Neigung zum Teil schon ausgelebt. Auf die Frage, ob Pädophilie heilbar sei, erklärt Hartmut Bosinski, einer von nur sehr wenigen Sexualmedizinern in Deutschland: "Niemand sucht sich seine sexuelle Präferenz aus, sie ist fester Bestandteil der Persönlichkeit und als solche nicht zu ändern." Trotzdem ist Prävention möglich. "In der Therapie können diese Männer lernen, mit ihrer Neigung umzugehen, damit daraus keine Taten werden. Letztendlich müssen sich Pädophile mit einem asexuellen Leben abfinden. Mit Hilfe von Medikamenten kann ihr Sexualtrieb ausgeschaltet werden." Leider ist das Gesundheitswesen in Deutschland nur unzureichend auf die Behandlung von Pädophilen eingestellt.

In Berlin gibt es das Präventionsprojekt Kinderpornografie (PPK). Dieses gründet sich auf Erfahrungen aus dem Präventionsprojekt Dunkelfeld des Instituts für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin der Charité. Es verfolgt das Ziel, einen aktiven Beitrag zum Kinderschutz zu leisten, indem es die offenkundige Versorgungslücke für pädophile Männer durch ein Angebot zur therapeutischen Prävention zu schließen versucht. Oberstes Ziel des PPK ist es, die Nutzung von Kinderpornografie zu senken und auf diesem Weg sexuellem Kindesmissbrauch vorzubeugen. Doch das Projekt steht in Deutschland bisher ziemlich alleine da. Ähnliche therapeutische Angebote für Männer mit pädophilen Neigungen sind äußerst selten.

Deutsches Strafrecht versagt

Doch es hängt nicht nur am Gesundheitswesen - auch das Strafrecht versagt: Holt ein Richter in Deutschland ein Gutachten zu einem Sexualtäter ein, dann allein um die Frage der Schuldfähigkeit zu klären. Das heißt, es geht nur darum, was der Betroffene getan hat und wie das zu bestrafen ist. Ein medizinisches Gutachten wird hingegen nicht angelegt. Wie gefährlich der Täter ist und ob er womöglich therapiert werden kann, bleibt offen. Stattdessen beschäftigt man sich nur mit der zurückliegenden Tat. Von Prävention keine Spur.

Die Folgen dieser Vorgehensweise sind verheerend: Die sehr oft psychisch kranken Sexualstraftäter bekommen in Deutschland kaum medizinisch-psychologische Betreuung. In der Haft wächst das pädophile Verlangen und nach der verbüßten Strafe verlassen die untherapierten Männer das Gefängnis als "tickende Zeitbombe", wie ein Täter in "Sexobjekt Kind" berichtete. Die Rückfallgefahr wird auf diesem Wege sogar erhöht.

Ein anderes System gibt es in der Schweiz: Im Kanton Zürich werden Sexualstraftäter vor Gericht auf ihr Risikopotenzial hin untersucht und bei einem entsprechenden Resultat sofort in eine Therapie überwiesen. So sollen zukünftige Taten vermieden werden - und, wie Studien belegen, werden sie das auch! Das "Zürcher Modell" erweist sich als äußerst erfolgreich: Die Rückfallquote konnte um 50 Prozent gesenkt werden. Das bedeutet wesentlich weniger Opfer. Es bedarf also nicht allein des Einsatzes von Ermittlern wie Dieter Scholz. Bei der Bekämpfung von Kindesmissbrauch und Kinderpornografie im Internet sind darüber hinaus noch viel weiter reichende Veränderungen notwendig.

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