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Erziehung: Nerven wie Drahtseile

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Erziehung  

Nerven wie Drahtseile

26.10.2010, 15:12 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Erziehung: Nerven wie Drahtseile. Erziehung: Kleiner Jungen fährt seiner Mutter mit einem Spielzeugauto über den Kopf.

Eltern, die immer ruhig bleiben, sind vielen Durchschnittsmüttern und -vätern nicht ganz geheuer. (Bild: imago)

Fast jeder kennt sie. Diese Eltern, die immer mit der gleichen Sanftmut ihre Kinder in ruhigem Ton auf dieses oder jenes hinweisen, die sich nie aus der Ruhe bringen lassen und die wirken, als hätten sie Nerven wie Drahtseile. Als Durchschnittsmutter oder Durchschnittsvater könnte man da schon manchmal ein schlechtes Gewissen bekommen. Muss man aber nicht, tröstet Ulrich Gerth, der Vorsitzende der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung.

Supermütter haben es schwer

"Sie haben selten Probleme. Sie kennen alle gängigen Erziehungstipps und wenden sie erfolgreich an. Sie sind fast nie krank und erdulden jeden noch so kleinen Schnupfen mit stoischer Gelassenheit. Sie haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie die Kinder fremd betreuen lassen müssen, und trocknen jede Träne mit dem Tuch des Verständnisses und der liebevollen Aufopferung." Yvonne de Bark, Autorin des "Mama-Trost-Buches" ist nicht gerade ein Fan dieser Supermütter, wie sie sie nennt und damit ist sie nicht allein.

Denn Eltern, die immer ruhig und gelassen bleiben, denen es nichts ausmacht, wenn das Kind kurz vor einem wichtigen Termin noch in aller Ruhe Schnürbändel bindet, um sich dann doch für die Schuhe mit Klettverschluss zu entscheiden, die völlig entspannt bleiben, wenn das Grundschulkind zum zehnten Mal abends im Wohnzimmer auftaucht und die jeden Trotzanfall mit ruhigem Verständnis durchstehen, sind so manch einem nicht ganz geheuer.

Von der Realität eingeholt

Dabei hatte man sich das früher, in der Zeit vor den Kindern, immer alles so einfach vorgestellt und war sich sicher, dass man selbst die Ruhe in Person sein würde - egal, wie viele Trotzanfälle und (vor-)pubertäre Anwandlungen es zu überstehen gilt. Doch selbst, wenn die Kinder wieder aus dem Gröbsten heraus sind, vergisst man ziemlich schnell, wie aufreibend der Alltag mit Kind sein kann. Auch Katharina Mahrenholtz, aus deren Feder die "Supermom" stammt, war ziemlich verblüfft darüber. "Ja, man hatte sich das irgendwie entspannter vorgestellt. Fröhlich singend zum Kinderturnen, wo man einen Milch-Kaffee schlürft und mit anderen Müttern plaudert, während man den Kleinen beim Purzelbaum-Üben zuguckt. Dass man schon schweißgebadet ist, bevor man überhaupt ankommt, dass man in der Turnhalle ständig hinter dem Kind herlaufen muss und dass andere Mütter nicht automatisch als beste Freundin taugen - all das hatte man so gar nicht eingeplant. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass jede Erledigung mit dem Kind etwa fünfmal so lange dauert wie allein." Wenn man das allerdings erkannt hat, ist man auf dem besten Weg, seinem Idol mit den Drahtseilnerven deutlich näherzukommen.

Es gibt solche und solche Tage

"Mal eben kurz" ist ein Satz, den man, zumindest so lange man noch kleine Kinder zuhause hat, mal lieber wieder vergisst. Vieles ist eine Frage der Organisation und vieles eine Frage des aktuellen Befindens. Niemand ist jeden Tag gleich belastbar und an Tagen, an denen man die Steuererklärung im Kopf hat, mit dem Partner gestritten hat und seinen Geldbeutel im Bus liegen ließ, ist man logischerweise nicht so entspannt wie an denen, an denen alles rund läuft. Hier gilt es auch, mit sich selbst nicht immer so streng zu sein. Natürlich sind Ruhe, Gelassenheit, Verständnis und die immer wieder viel gerühmte Konsequenz unser aller Ziel, aber dabei darf man nicht vergessen, dass man selbst auch nur ein Mensch ist.

Die positiven Seiten erkennen

Es gibt aber, erklärt Ulrich Gerth, noch einen ganz entscheidenden weiteren Aspekt: "Es ist wichtig zu erkennen, wo die eigenen Erfolge, die eigenen Stärken liegen. Viele Eltern neigen dazu, ihren Fokus auf das zu richten, das nicht funktioniert. Andere setzen sich nicht so unter Druck mit ihren eigenen Ansprüchen.  Oft ist es schon sinnvoll, einfach einmal bewusst auf das zu schauen, was Freude macht." Und damit zu erkennen, wo man überall ganz wunderbare Arbeit leistet und was alles reibungslos funktioniert. "Allerdings", schränkt der Diplom-Psychologe ein, "sind Eltern, die Nerven wie Drahtseile haben, manchmal auch ein wenig unsensibel und nehmen gar nicht wahr, dass etwas nicht passt. Das Genervtsein ist auch ein positives Signal, das zeigt, dass man in der Lage ist, Gefühle zu erspüren." Und zwar die eigenen genauso wie die der Kinder - und die der anderen. Denn wenn die eigenen Kinder mit ihrem Verhalten andere stören, indem sie zum Beispiel deren Grenzen überschreiten und man selbst mit "starken" Nerven darüber hinwegsieht, so ist das auch nicht immer optimal.

Manchmal hilft die Kinderperspektive

Wenn es allerdings immer wieder zu Machtkämpfen kommt, wenn man das Gefühl hat, man ist Situationen mit dem Kind hilflos ausgeliefert und weiß nicht mehr weiter, wenn man merkt, dass man ziemlich oft an seine persönlichen Grenzen kommt, dann gilt es, einzugreifen. Manchmal hilft es schon, über die immer wieder aus dem Ruder laufende Situation nachzudenken und sie, vielleicht auch mit Hilfe eines anderen, einmal aus der Kinderperspektive zu betrachten. Um dann zu erkennen, was eigentlich wirklich schief läuft. Oft sind es nur Kleinigkeiten, die man bereits im Vorfeld anders machen kann und so mal schnell die eine oder andere sonst immer hochbrisante Situation komplett entschärft.

Erziehungsberatung ist keine Schande

"Natürlich gibt es auch in jeder Familie Dauerbrenner, bei denen man dann einfach mal in Ruhe überlegen muss, wie man das Problem löst und sich, wenn man keine Möglichkeit sieht, auch mal Hilfe von außen holt." Denn es ist keine Schande, eine Erziehungsberatung in Anspruch zu nehmen. Und es kostet nichts. Es gibt an jedem Ort entsprechende Angebote, die man persönlich oder auch telefonisch nutzen kann und es gibt sie auch online. Unter www.bke-beratung.de zum Beispiel findet man verschiedene Formen: die Einzelberatung per Mail, die offene Sprechstunde genauso wie Themen- und Gruppenchats.  Das macht es dem Einzelnen leichter, die für ihn richtige Art der Beratung zu finden.  

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