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"Mein Papa ist jetzt bei den Engeln" - die Trauer eines Kindes

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"Mein Papa ist jetzt bei den Engeln" - die Trauer eines Kindes

09.11.2010, 10:49 Uhr | rev, t-online.de, dapd

"Mein Papa ist jetzt bei den Engeln" - die Trauer eines Kindes. Liël Braitman war vier Jahre alt, als ihr Vater starb. (Bild: Knaur Verlag)

Liël Braitman war vier Jahre alt, als ihr Vater starb. (Bild: Knaur Verlag)

Eine der schwierigsten Fragen, die Kinder stellen, ist die nach dem Tod. Der Anlass hierfür kann der verstorbene Hamster sein oder auch ganz banal ein toter Regenwurm. Was aber, wenn ein geliebter Mensch schwer krank ist oder sogar stirbt? Damit setzt sich das Buch "Mein Papa ist jetzt bei den Engeln" von der heute zehn Jahre alten Liël Braitman auseinander. Es ist das anrührende Dokument vom Umgang eines Kindes mit seiner Trauer.

Mit vier Jahren verliert Liël ihren Vater

Liël Braitman ist gerade vier Jahre alt, als ihr Vater im Herbst 2003 an Krebs stirbt. Auch nach seinem Tod spricht sie täglich über ihn. Was sie sagt, ist so traurig, erschütternd, philosophisch, zum Teil aber auch erheiternd, dass ihre Mutter beschließt in den nächsten fünf Jahren alle Äußerungen ihrer Tochter über den geliebten verlorenen Vater aufzuschreiben, damit sie später eine Erinnerung hat.

"Mein Papa ist jetzt bei den Engeln" versammelt unzählige Gedanken, spontane Aussagen, aber auch Zeichnungen von Liël. So wird das Buch zu einer ergreifenden Lektüre über Tod und Trauer, den Verlust eines geliebten Menschen und das Weiterleben danach. Die berühmte deutsche Kinderbuchautorin Cornelia Funke schreibt in ihrem Vorwort zu dem Buch: "In dem, was Liël über den Verlust ihres Vaters sagt, ist alles zu finden, was der Tod in uns auslöst, ob wir vier oder vierundvierzig sind. Die Sehnsucht nach dem Menschen, den wir verloren haben. Das 'Wie konnte das passieren?'. War der Doktor schuld? Was hat Gott sich dabei gedacht? Falls es ihn gibt? Gibt es ihn? Der Wunsch, sich nur an die guten Zeiten zu erinnern und jeden Streit oder ärgerlichen Gedanken ungeschehen zu machen."

Man darf die Kinder mit ihrem Schmerz nicht allein lassen

Doch die Bestseller-Autorin beschreibt auch die Tragik, die in dem Buch steckt: Sieht man von Liëls Mutter ab, wurde das Mädchen von vielen Seiten allein gelassen mit ihrer Trauer. Liël erzählt davon, dass in der Schule niemand mit ihr über den Tod ihres Vaters reden wollte, dass auch die Lehrerin sich dafür keine Zeit nahm. Wie ihre Mutter erklärt, wurde Liël dafür sogar von anderen Schülern gehänselt. "All das kommt nur von der Angst vor dem Tod und unserer Fähigkeit, mit ihm zu leben", so Funke, die selbst zwei Kinder hat und deren Mann 2006 ebenfalls verstarb. Funke hofft, dass Liëls Buch die Menschen dazu bewegt zunehmend ihre "Angst vor dem Schmerz des anderen zu überwinden und die Hand auszustrecken."

Da dies allerdings vielen Menschen schwer fällt, ist es umso wichtiger, dass die Eltern ihrem Kind nach einem schweren Verlust beistehen. Doch das ist alles andere als leicht. "Grundsätzlich ist es ganz wichtig, offen und ehrlich zu sein und den Kindern die Fragen zu beantworten, die sie stellen", sagt dazu die Theologin und Pädagogin Christine Fleck-Bohaumilitzky, die sich seit vielen Jahren mit Trauerbegleitung beschäftigt und im Beirat des Bundesverbandes "Verwaiste Eltern in Deutschland" (VEID) sitzt.

Klare und ehrliche Antworten

Die Eltern sollten ihren Kindern so einfach und klar wie möglich antworten, um sie nicht zu verwirren und der Entwicklung von Ängsten oder Schuldgefühlen vorzubeugen. Formulierungen wie "Oma ist eingeschlafen" oder "von uns gegangen" sollten vermieden und stattdessen deutlich gesagt werden: "Oma ist tot." Auch die Todesursache sollte offen angesprochen werden. Das Kind sollte die Wahrheit nicht von Fremden erfahren müssen. Auch die beiden Kinder- und Jugendpsychologinnen Yvonne Stikkelbroek und Mariken Spuij raten in ihrem Nachwort zu "Mein Papa ist jetzt bei den Engeln" dem betroffenen Kind ganz konkrete Informationen zu geben, da kleine Kinder schnell dazu neigen sich selbst Erklärungen auszudenken: "Junge Kinder sehen sich als den Mittelpunkt der Welt; schnell kommt da der Gedanke auf, sie hätten etwas falsch gemacht und seien für den Tod verantwortlich."

Der Umgang mit dem Tod und auch die anschließende Trauer sind auch bei Kindern individuell verschieden, allerdings stark abhängig vom Alters- und Entwicklungstand. Im Kindergartenalter erfassen Kinder den Tod noch nicht als etwas Endgültiges. Sie glauben, der Verstorbene komme irgendwann zurück, eine typische Frage ist: "Wie lange dauert Totsein?" Im Grundschulalter hingegen erfassen sie die Endgültigkeit des Todes und interessieren sich für die praktischen Dinge: "Wie sieht der Sarg aus?" "Was passiert mit dem Toten im Grab?" Sie haben jedoch noch kein ausgeprägtes Bewusstsein dafür, dass sie selbst sterben können. Anders ist es bei Jugendlichen, die ein ähnliches Verständnis vom Tod haben wie Erwachsene.

Die Trauer der Kinder ernst nehmen

Eltern benutzen oftmals Bilder wie "Der Opa ist im Himmel" oder "Die Mama ist jetzt ein Schutzengel". Dies kann für viele Familien hilfreich sein. "Dabei ist es sinnvoll, Bilder zu wählen, an die man selbst glaubt, so dass man für das Kind glaubwürdig ist", sagt Fleck-Bohaumilitzky. In Liëls Leben nahm der Vater nach seinem Tod ebenfalls eine neue Rolle ein - nämlich die eines Engels, wie man Liëls Zitaten und Zeichnungen entnehmen kann. Dabei ist es wichtig, dass die Vorstellung des Kindes so belassen wird, wie sie ist.

"Es ist entscheidend, dass sich das Kind in seiner Trauer von den Erwachsenen ernst genommen fühlt", betont die langjährige Trauerbegleiterin. Auch Rituale können Kindern im Umgang mit dem Tod helfen, beispielsweise eine Kerze für den Verstorbenen anzuzünden. Sofern die Kinder dies wünschen, sollen sie auch zum Abschiednehmen und zur Beerdigung mitgehen dürfen. Bereits etablierte Familienrituale wie das abendliche Vorlesen müssen auch im Trauerfall beibehalten werden, um den Kindern weiterhin Stabilität zu vermitteln. Ihr Leben soll so normal wie möglich weiterlaufen.

Buch-Tipp: "Mein Papa ist jetzt bei den Engeln" von Liël Braitman. Knaur Verlag. 10 Euro.

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