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ZDF: "37 Grad" zeigt Adrians Weg zum Ballett-Star

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Adrians Traum vom Ballett: "Hast du keine Angst, dass er schwul wird?"

23.11.2010, 14:51 Uhr | rev; ZDF, t-online.de

ZDF: "37 Grad" zeigt Adrians Weg zum Ballett-Star. Schon als kleiner Junge wusste Adrian: Er will Ballett-Star werden. (Bild: ZDF)

Schon als kleiner Junge wusste Adrian: Er will Ballett-Star werden. (Bild: ZDF)

Adrian (18) lebt seinen Traum: Seit seiner frühesten Kindheit will er Ballett-Star werden. Aber die Ausbildung an der elitären staatlichen Ballettschule in Berlin ist hart und Adrians Vater, der auf dem Bau arbeitet, kann mit den Zielen seines einzigen Sohnes nicht immer viel anfangen. Acht Jahre lang, von der Kindheit bis zum Ende der Pubertät, hat "37 Grad" Adrian auf seinem oft steinigen Weg begleitet. Die Langzeitdoku "Adrians großer Traum" wurde am 23.11. um 22:15 Uhr im ZDF ausgestrahlt.

Schon als kleiner Junge sieht Adrian sein Ziel klar vor Augen. Er will Ballett-Tänzer werden. Dabei hat in seiner Familie niemand auch nur das Geringste mit Tanz zu tun. Ganz im Gegenteil: Sein Vater Andreas ist Baggerfahrer aus Leidenschaft, liebt Motorräder und würde gerne mit seinem Sohn basteln und bauen. Aber Adrian hat schon im Kleinkindalter nichts übrig für die Bagger, die ihm sein Papa schenkt. Weder mit Eisenbahnen oder Spielzeugautos noch mit Fußball kann man Adrian begeistern. Stattdessen liebt er es schon als kleiner Junge, sich zu verkleiden, ununterbrochen klassische Musik zu hören und natürlich durch die Wohnung zu tanzen.

"Hast du keine Angst, dass er schwul wird?"

In Adrians Familie, die im 14. Stock einer Berliner Plattenbausiedlung lebt, treffen fortan zwei Welten aufeinander: Der tanzbegeisterte Adrian und sein Vater, von Beruf Baggerfahrer. All seine Versuche den Sohn für etwas Handfestes, etwas typisch "Jungenmäßiges" zu begeistern, schlagen fehl. Der Spott, den er wegen seinem Sohn von den Kollegen auf dem Bau erntet, klingt ihm unangenehm in den Ohren. Als Andreas zum ersten Mal Manuel Fenn, den Autor der Langzeitdokumentation, trifft, berichtet er ihm sofort von seinem "Leid", wie der Filmemacher auf der ZDF-Homepage erzählt: Der Baggerfahrer würde mit seinem Sohn am liebsten basteln und Motorrad fahren, aber der interessiere sich nur für Blumen, Klassik und Tanz. Überall würde er mit Vorurteilen konfrontiert werden. Die erste Frage, die man ihm immer stelle, wenn jemand hört, dass sein Sohn tanzt: "Ein Junge, der tanzt? Hast du keine Angst, dass er schwul wird?" Trotz all dieser Sorgen und Schwierigkeiten, die Andreas mit den Vorlieben seines Sohnes hat, geht es Andreas vor allem um das Glück seines Sohnes. Er gibt irgendwann nach und schickt Adrian in den Ballettunterricht.

Von Anfang an zieht Adrian sein eigenes Ding durch. Mit elf Jahren wird er an der Staatlichen Ballettschule Berlin, an der sich Schüler aus der ganzen Welt für einen der begehrten Ausbildungsplätze bewerben, aufgenommen. Von diesem Moment an begleitet Manuel Fenn Adrian acht Jahre lang. Die Ausbildung ist hart. "Aber so ist es eben, das Tänzerleben", weiß Adrian und sagt es mit einem schweren Seufzer. Jedes Jahr müssen Kinder die Schule verlassen - weil sie nicht gut genug sind, oder weil ihr Körper den Anforderungen nicht mehr gewachsen ist. 

Adrian entfernt sich immer mehr von der Welt seiner Eltern

Adrian aber besteht alle wichtigen Prüfungen und absolviert seine Auftritte mit Bravour. Für ihn wird die Ballettschule ein zweites Zuhause. Bereits in der fünften Klasse verbringt er dort bis zu zehn Stunden am Tag. Über die Jahre wächst Adrian in eine Umgebung hinein, die mit der seiner Eltern nichts gemein hat. Schon früh hatten sie ja erstaunt feststellen müssen, dass sie ein Kind hatten, das offenbar ganz andere Interessen entwickelt, als sie es erwarteten. Adrians Vater gibt unumwunden zu, dass er mit Ballett wenig anfangen kann - aber er sieht, welche Bedeutung das Tanzen für seinen Sohn hat: "Mich hätte nie ein Mensch dazu gebracht zu tanzen", erklärt Andreas. "Irgendwann musste ich lernen, damit umzugehen, dass er andere Dinge schön findet und dass er sich für andere Dinge interessiert." Aus diesem Grund versucht er, Adrian zu zeigen, dass auch er sich dafür interessiert: "Adrian zeigt mir öfter ein paar Schritte und sagt mir dann auch, wie die heißen. Aber ehrlich: Am nächsten Tag habe ich das alles schon wieder vergessen."

Andreas Leben und das seiner Frau Susanne verändert sich durch die Ballett-Ausbildung Adrians komplett. Trotz der Bereitschaft, für Adrian da zu sein, spitzt sich das Verhältnis von Vater und Sohn in der Pubertät des Jungen zu, und Andreas beginnt, auf seine Art um die Zuneigung seines Sohnes zu kämpfen. Andreas akzeptiert weiterhin Adrians großen Traum, aber er sieht auch, dass sich die Kinder und Jugendlichen in der Ballettschule zwar gut entwickeln, allerdings in eine Richtung, die wenig mit der Welt anderer Leute zu tun hat. Dies Adrian immer wieder vor Augen zu führen, ihn aber trotzdem zu unterstützen, macht Andreas sich zur Aufgabe.

Hoffen und Bangen - und schließlich die Hiobsbotschaft

Zwei Jahre vor seinem Abschluss als staatlich geprüfter Bühnentänzer - er ist jetzt 17 Jahre alt - muss Adrian sich am Fuß operieren lassen. Durch die hohe körperliche Belastung hat sich ein Überbein gebildet, das entfernt werden muss. Andreas arbeitet in dieser Zeit viel im Ausland auf Montage. Endlich wieder zu Hause, durchsteht er mit Adrian eine Zeit des Hoffens und Bangens. Ein Jahr nach der Operation hat Adrian immer noch Schmerzen im Fuß. Im Training kann er nicht alle Übungen mitmachen. Doch ein Auftritt im Schloss Bellevue unter Anwesenheit der Frau des Bundespräsidenten lässt alle Beteiligten hoffen, dass sich jetzt alles zum Guten wendet und Adrians großer Traum doch in Erfüllung gehen kann.

Im März 2009 dann jedoch die Hiobsbotschaft: Adrian ist durch die Verletzung nicht mehr in der Lage seinen Körper zu 100 Prozent zu belasten und muss seine Tänzerkarriere an den Nagel hängen. Während Adrian, der monatelang hoffte und mit dieser Entscheidung haderte, vor allem Erleichterung empfindet, sind seine Eltern unendlich traurig, als sie davon hören. Unter Tränen erklärt Andreas, wie stolz er auf seinen Sohn ist und dass er ihn bewundert dafür, dass er immer bereit war bis an seine Grenzen zu gehen. Doch Adrians Vater hat auch das Gefühl, dass es seinem Sohn nach der Entscheidung richtig gut geht: Adrian kümmere sich nun um sein Studium, er habe seinen Fitnesstrainerschein angefangen und merke zum ersten Mal, dass es im Leben außer Tanzen noch andere schöne Dinge gibt. "Ich finde es toll, dass Adrian mir meine eigenen Fehler nicht vorwirft", gesteht Andreas.

Die "37-Grad"-Langzeitdokumentation zeigt nicht nur die schwierige Ausbildung von Adrian, die verletzungsbedingten Rückschläge, sein hartes Training für einen Beruf, der ihm alles bedeutet, und sein verletzungsbedingtes Scheitern. Der Film erzählt auch anrührend vom Erwachsenwerden und von einer ganz besonderen Beziehung - zwischen einem Jungen, der unbedingt Ballett-Tänzer werden will und seinem Vater, dem Baggerfahrer.

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