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Richtig streiten lernen in der Familie - gerade zu Weihnachten

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Streitkultur  

Explodieren oder argumentieren: Richtig streiten in der Familie

21.11.2011, 16:01 Uhr | nw, t-online.de, dpa

Richtig streiten lernen in der Familie - gerade zu Weihnachten . Häufig sind es vor allem die Kinder, die unter einem Familienstreit leiden. (Quelle: imago)

Häufig sind es vor allem die Kinder, die unter einem Familienstreit leiden. (Quelle: imago)

Es passiert gerne an Weihnachten und zu sonstigen Feiern: Zwischen einzelnen Familienmitgliedern kommt es zum großen Streit. Die Konflikte sitzen oft tief und sind komplex. Wer richtig streiten will, sollte auf Vorwürfe und persönliche Beleidigungen verzichten. Diese Sachlichkeit ist wichtig - vor allem, wenn Kinder Zeugen der Streitigkeiten sind.

Zwang zur Freude

Warum hängt ausgerechnet an Weihnachten und in der Adventszeit so oft der Familiensegen schief? Am Fest der Liebe wird der Frieden den Menschen praktisch vorgeschrieben. Streit ist in dieser besinnlichen Zeit absolut verboten. Man "muss" sich freuen, ein Anspruch, der schwer zu erfüllen ist - und dadurch viel Konfliktpotenzial birgt. Man erhofft sich viel voneinander. Weihnachten und die Zeit davor soll so richtig schön, harmonisch und rund sein. Eben ohne Streit. Werden diese überzogenen Erwartungen nicht erfüllt, kracht es schneller als gedacht.

Zu viel Nähe

Außerdem sind an den Feiertagen die geltenden Regeln von Nähe und Distanz außer Kraft gesetzt. Ständiges Beisammensein ist "Pflicht". Ein Rückzug wird schnell negativ für die gemeinschaftliche Harmonie gewertet. Doch auch das "verordnete Aufeinanderhocken" birgt Konfliktpotenzial. Denn sehr schnell geht man sich gegenseitig auf die Nerven. Verschärft wird dieses Problem, wenn der Platz knapp ist: Da spielen beispielsweise die Kinder lautstark mit ihren Spielsachen im Wohnzimmer, der Opa möchte aber in Ruhe Lesen und die Mutter würde gerne den Esstisch vorbereiten. Da ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Nerven bald blank liegen.

Ausnahmesituation Weihnachten

Hinzu kommt noch, dass an den Feiertagen Kompromisse, die sonst den Alltag regeln und prägen, nicht geduldet werden. Wenigstens einmal im Jahr sollen die Kinder beispielsweise Fisch essen und dabei besonders akkurat und geduldig am Tisch sitzen, denn die anwesende Verwandtschaft könnte dann besonders auf Manieren achten. An dieser Stelle kollidiert die alltägliche Welt der Kompromisse mit den Festtagserwartungen. Denn gerade an Weihnachten möchte jeder auch, dass auf seine individuellen Bedürfnisse Rücksicht genommen wird. Ein typisches Beispiel ist: Wenn die Mutter wünscht, dass ihre fast volljährigen Kinder ihr zuliebe zuhause bleiben, während diese aber das Gefühl haben, sowieso ständig bei ihren Eltern herumzusitzen und wenigstens am Abend nach ihrem Geschmack ausgehen wollen. So entstehen zwangsläufig Konflikte.

Harmonie ist ein Grundbedürfnis

Um die Gefahr von Streitereien dennoch so gering wie möglich zu halten, sollte man einige Ratschlage beachten: Es ist schon schwierig genug, im Job Probleme anzusprechen. Hoffnungslos wird es mitunter, wenn man in der Familie einen Streit austragen muss. "In unserer Kultur hat sich der Anspruch der Menschen auf Wohlbefinden und Harmonie bereits so weit entwickelt, dass die wenigsten Menschen einen Konflikt ertragen können oder wollen", sagt der Diplom-Psychologe Michael Antes aus Saarlouis. Der Berliner Kommunikationstrainer Karsten Noack fügt hinzu: "Bei Familienstreitigkeiten geht es meist nicht nur um ein einziges Problem. Außerdem verbindet alle Beteiligten eine Vorgeschichte." Das mache die Sache so schwierig.

Sachliche Argumente suchen

Statt sachlicher Argumente bestimmten oft Vorwürfe, Angriffe und Beleidigungen die Auseinandersetzung. "Natürlich ist es schwierig, sachlich zu bleiben, wenn es um Emotionen, Kränkungen und Enttäuschungen geht", sagt die Konfliktberaterin Dorothee Döring aus Kempen in Nordrhein-Westfalen. "Doch genau diese Emotionen verschwinden nicht, wenn man wütend wird, beleidigt ist oder sich innerlich zurückzieht." Stattdessen sollte man sich besser Gedanken darüber machen, was die Gründe für die Wut sind. "Sich seiner selbst bewusst werden ist eine gute Voraussetzung für konflikthafte Treffen oder Gespräche", sagt die Diplom-Psychologin Hildegard Belardi aus Bergisch-Gladbach. Man sollte sich vor solchen Gesprächen fragen, wie man zu dem Thema steht, welche eigenen Motive man hat und ob man möglicherweise gar keine einvernehmliche Lösung sucht, sondern dem anderen eins auswischen will.

Problem konkret in Worte fassen

Ist das geklärt, gilt es, sein Problem in Worte zu fassen. Das funktioniert am besten über Ich-Botschaften. "So kann man überzogene Vorwürfe und Beschuldigungen am besten vermeiden", sagt Antes. Vor allem aber müssen eigene Empfindungen nicht objektiv und sachlich sein. "Emotionen brauchen keinen Beweis, um zu gelten", ergänzt Noack. Beleidigungen oder einmal anvertraute Dinge auszuplaudern, sollte vermieden werden. Denn dieses Wissen im Streit gegen den anderen zu verwerten, ist nicht nur wenig Ziel orientiert, sondern vor allem ein Vertrauensverlust. Überhaupt sollte ein Streit nicht zu einem Schlagabtausch werden. "Retourkutschen bringen in Auseinandersetzungen nichts", sagt Noack. Deswegen rät er, auch mal ein Gegenargument herunterzuschlucken.

Streitkultur pflegen

Die richtige Situation zu finden, ist allerdings eine weitere Schwierigkeit. "Mal ist es besser, mit dem Einzelnen zu sprechen, mal kann man durchaus eine Familienkonferenz einberufen", sagt Döring. Meist sei es aber hilfreich, erstmal das Vier-Augen-Gespräch zu suchen. Danach gelte es, eine Art Streitkultur zu etablieren, was nicht immer leicht fällt: "Je festgefahrener alte Gewohnheiten sind, desto mehr Aufwand bedarf es, diese gewohnheitsmäßigen Muster aufzubrechen", sagt Antes. Das gilt sowohl für die Art des Streitens als auch für die Inhalte der Auseinandersetzungen. Deswegen raten er und Belardi, auch alte Themen immer mal wieder aufzugreifen. "Da kommt dann vielleicht raus, dass auch die Eltern gar keine Lust mehr auf das klassische Weihnachtsfest mit den erwachsenen Kindern haben", sagt Belardi.

Streit wie reinigendes Gewitter

Doch ebenso wichtig wie der Streit selbst ist die Zeit danach. "Ein Merkmal guter Beziehungen ist die Fähigkeit, einen Streit auch irgendwann einmal zu beenden. Man muss den Zeitpunkt erkennen, wann man aufhören muss, auch wenn danach die Stimmung erst einmal nicht so gut ist", sagt Antes. Belardi fügt hinzu, dass Auseinandersetzungen nur selten ohne Schmerz oder Turbulenzen auskommen. Gute Beziehungen hielten das aber aus. Und für den Kommunikationstrainer Noack steht fest: "Dann hat ein ordentlicher Familienstreit tatsächlich etwas von einem reinigenden Gewitter.

"Konstruktives Streiten" vor Kindern

Eskaliert ein Streit vor den Kindern sollte die auf Harmonie getrimmte Weihnachtsgesellschaft nicht um jeden Preis versuchen, den Konflikt zu ersticken. Ein Streit kann für Kinder sogar lehrreich sein. Was muss man aber dabei beachten ? Wichtig ist, dass die Auseinandersetzung sachlich geführt wird und dass in einer möglichst gedämpften Lautstärke weder Beleidigungen noch verletzende Herabwürdigungen ausgetauscht werden. Außerdem ist es entscheidend, den Kindern, die sich vielleicht das ganze Jahr schon auf das Fest der Feste gefreut haben, zu signalisieren, dass Streitigkeiten immer auch ein Ende haben und friedlich beigelegt werden können. So werden keine Ängste erzeugt. Denn zu häufig suchen Kinder bei schwerwiegenden Konflikten die Schuld bei sich selber.

Bei jeder Art von Streit sollten Kinder lernen können, dass es wichtig ist, die eigenen Standpunkte auch gegen Widerstände zu vertreten, dass man heftige Gefühle auch einmal äußern muss und dass es möglich ist, gemeinsam Lösungen zu finden, mit denen letztlich alle leben können. Voraussetzung für solch einen "konstruktiven Streit" ist, dass die beiden Seiten nicht beleidigend oder herablassend werden und zudem einige Spielregeln beachten. Dann kann sogar ein handfester Familienstreit an Weihnachten zu einer wichtigen Erfahrung werden.

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