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Erziehung: Gewaltfrei streiten lernen

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Erziehung  

Müssen sich Kinder "durchboxen" können?

06.01.2011, 12:10 Uhr | Jenni Zwick, t-online.de

Erziehung: Gewaltfrei streiten lernen. Wenn Kinder streiten, sollten sie so früh wie möglich lernen Konflikte friedlich zu lösen. (Quelle: imago)

Wenn Kinder streiten, sollten sie so früh wie möglich lernen Konflikte friedlich zu lösen. (Quelle: imago)

Tim liegt abends im Bett und versucht seine Tränen zu unterdrücken: "Phillip hat mich heute so dolle gestoßen, dass ich die Treppe herunter gefallen bin!" Tims Mama nimmt ihn in den Arm, tröstet ihn und versucht herauszufinden, was noch passiert ist. Haben sich die Jungs vorher schon gestritten? War eine Erzieherin in der Nähe und hat die Situation geklärt? Ist so etwas schon einmal passiert, ohne dass Tim ihr davon erzählt hat? Berichten Kinder von Gewaltsituationen im Kindergarten, schrillen bei vielen Eltern die Alarmglocken. Schließlich stehen die meisten für eine gewaltfreie Erziehung und möchten diese auch im Kindergarten umgesetzt wissen. Doch wie bringen sie ihrem Nachwuchs bei, sich durchzusetzen ohne die Fäuste zu benutzen? Oder sollten Kinder nicht doch besser lernen, sich "durchzuboxen"?

Raufereien im Kindergarten

Zunehmend klagen Erzieher über steigende Gewaltbereitschaft schon bei den Kleinsten. Eine Studie der Universität Braunschweig belegt, dass etwa 20 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen häufig aggressiv sind. Sie bedrohen oder schlagen Kinder, zerstören Sachen und sind insgesamt häufig streitsüchtig. Mittlerweile gibt es in vielen Kindergärten Gewaltpräventionskurse, wie beispielsweise "FAUSTLOS". Bei diesem Programm soll die soziale Kompetenz der Kinder erhöht und impulsives aggressives Verhalten vermindert werden. Vier- bis Sechsjährige trainieren, Konflikte anders als per Fußtritt und Faustschlag zu lösen. Spielerisch lernen die Kinder, sich in andere hineinzuversetzen, mit Gefühlen wie Wut und Angst umzugehen und sich anderen gegenüber fair und kooperativ zu verhalten. 

Erklären statt zurückhauen

Eltern sind die Hauptbezugspersonen. Vor allem sie bringen ihren Kindern Streitverhalten und Kompromissbereitschaft bei. Doch viele wünschen sich durchsetzungsfähige, starke Kinder, die sich in der Welt behaupten können. Gerade Väter sind häufig der Meinung, dass die Kleinen lernen müssen, sich "durchzuboxen". Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Sie ermutigen ihre Kinder - vor allem ihre Söhne - sich nichts gefallen zu lassen und doch einfach zurückzuhauen. Doch Experten raten davon ab. Kinder fallen in eine Spirale der Gewalt, weil sie keine anderen Mittel kennen oder keine anderen Methoden gelernt haben, den Konflikt zu lösen. Irgendwann schlagen sie nicht "nur" zurück, sondern hauen oder kratzen selbst, um ihr Ziel zu erreichen. Das wollen die wenigsten Eltern. 

Eltern als Vorbilder

Erzieher im Kindergarten beobachten die Konfliktsituationen ihrer Schützlinge und greifen meistens erst ein, wenn sie sehen, dass die Kinder alleine den Streit nicht lösen können. Sie zeigen den Kindern, wie sie sich anders und besser verhalten hätten können. Dazu gehört, dass beide Streithähne erkennen, was in dem anderen vorgegangen ist und jeweils erklären können, dass er sich verletzt gefühlt hat und dass nicht nur der Schlag oder Stoß weh getan hat, sondern auch die Wörter des Anderen. Auch in der Familie können Kinder dieses Verhalten erlernen. Im Zusammenleben mit ihren Eltern und Geschwistern sollten sie üben, wie sie einen Streit schlichten, ohne zu hauen, zu schreien oder böse Wörter zu verwenden. Dazu gehört, dass die Eltern vorleben, dass man eigene Interessen vertreten kann, ohne den anderen zu ignorieren, Vorwürfe zu machen oder zu beschimpfen. Und die Eltern sollten den Kleinen begreiflich machen, dass Gewalt bei Strittigkeiten ein Tabu ist.

Die Kinder sollten außerdem lernen, dass zu einem Streit eine Versöhnung und oftmals eine Entschuldigung gehört - und sie sich trotz einer Auseinandersetzung aufgehoben und sicher fühlen können. Beobachtet ein Kind im häuslichen Umfeld, dass Streiten in Ordnung ist und zum Leben dazu gehört, kann es mit Konfliktsituationen im Kindergarten anders umgehen, ist empathisch und stellt seine Bedürfnisse nicht über die der Anderen. Langfristig wird es durch sein Verhalten dauerhafte Freundschaften und positive Resonanz der Erzieher bekommen. Das kann ihn oder sie nachhaltig für das spätere Leben prägen. 

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