Startseite
Sie sind hier: Home > Eltern > Erziehung >

Kinder und Gefühle: Alles ist erlaubt

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Kinder und Gefühle  

Alles ist erlaubt

03.02.2011, 12:10 Uhr | Jenni Zwick, t-online.de

Kinder und Gefühle: Alles ist erlaubt. Wut, Trauer, Freude: Kinder lernen, mit Gefühlen umzugehen. (Foto: imago)

Weinendes Kind. (Foto: imago) (Quelle: imago)

Freude, Wut, Angst, Trauer - Kinder erleben täglich eine Vielzahl an Gefühlen. Oftmals fallen sie von einem Extrem ins andere und leben in einem ständigen Gefühlschaos. Denn Kinder müssen erst lernen, ihre Gefühle richtig einzuordnen, zu verstehen und auf vernünftige Weise auszuleben. Doch wie können Eltern ihnen dabei helfen? Und sollten nicht gerade kleine Kinder vor negativen Gefühlen geschützt werden?

Kinder haben ein Recht auf ihre Gefühle - auch die unbequemen

Experten sind sich mittlerweile sicher, dass das spätere Gefühlsverhalten eines Menschen vor allem in den ersten drei Lebensjahren geprägt wird. In dieser Phase sollten deshalb die positiven Gefühle wie Freude, Zärtlichkeit und Geborgenheit überwiegen. Angst und Hilflosigkeit sollten den Alltag eines Kleinkindes weit weniger bestimmen, damit das Kind zu einem selbstbewussten und empathischen Menschen heranwachsen kann. Das heißt nicht, dass Eltern ihrem Kind jede Enttäuschung und allen Ärger ersparen sollten. Sie sollten nur darauf achten, dass sich ihr Kind auch in diesen Gefühlen "aufgehoben" und akzeptiert fühlen. Denn wie können Kinder lernen, mit ihren Gefühlen umzugehen, wenn sie nie zugelassen und von den Eltern stets "umgangen" werden?

Eltern sind oft ratlos

Anders als bei uns Erwachsenen werden Kinder von der Macht ihrer Gefühle überwältigt. Das liegt vor allem daran, dass sie völlig in der Gegenwart leben. Die Zukunft - und wenn es der nächste Tag ist - liegt für sie in weiter Ferne. Und auch das Ende eines Problems ist für Kinder selten absehbar. Woher sollen sie auch wissen, dass sich dieser "Schrecken" oftmals von selbst auflöst, wenn es die Erfahrung noch nie gemacht hat? Außerdem haben wir Erwachsenen gelernt, die Enttäuschung, die Wut oder die Angst zu bremsen und nicht vollständig zuzulassen. Wir können ungefähr einschätzen, wie lange das Gefühl bleiben wird und vor allem, wodurch es hervorgerufen wurde. Kinder sind dem völlig ausgeliefert.

Dabei machen sie noch keine Unterschiede, ob wirklich etwas Schlimmes passiert ist oder - in unseren Augen - nur eine Lappalie geschehen ist. Deshalb kann es für ein Kind genauso schlimm sein, vom Arzt eine Spritze zu bekommen, wie abends ohne Licht einschlafen zu müssen oder die Schnürsenkel nicht alleine binden zu können. Wir Eltern stehen teilweise ratlos daneben und wissen noch nicht einmal, warum unser Kind herzzerreißend weint oder sich vor Furcht an uns drängt.

Auch "negative" Gefühle sind wichtig

Die freie Autorin für Erziehungsthemen Doro Kammerer bestärkt Eltern, die Gefühle ihrer Kinder zuzulassen - auch und vor allem Ärger und Wut. In ihrem Elternbegleitbuch "Die ersten drei Lebensjahre" weist sie darauf hin, dass "zum Menschsein nun mal Sonnen- und Schattenseiten gehören und dass Erziehung nicht bedeutet, einem Kind die Schattenseiten auszutreiben." Nur durch das Aushalten dieser "negativen" Gefühle lernen Kinder, mit ihnen umzugehen. Das ist sehr wichtig für die Entwicklung und den späteren Gefühlshaushalt. Denn hat das Kind nicht gelernt, Gefühle wie Zorn oder Angst, Wut oder Trauer zu spüren und auszuhalten, erkennt es nicht, dass die Gefühle vorübergehen und danach die Welt wieder in Ordnung ist, und es ihnen vielleicht sogar besser geht als vorher. Zukünftig wird es weiterhin von ihnen überwältigt, ohne dass das Kind einen Ausweg sieht. Ähnliche Situationen vermeidet es wahrscheinlich und kann nicht an ihnen wachsen. Dadurch wird es weniger Selbstvertrauen bekommen und langfristig zu einem unsicheren und ängstlichen Menschen reifen.

Gemeinsam mit den Kindern aushalten

Das heißt nicht, dass Eltern ihre Kinder mit diesen Gefühlen alleine lassen sollten und sie weinen lassen müssen. Es bedeutet vielmehr, dass Eltern die Gefühle ihrer Kinder zulassen und aushalten sollten, um ihnen zu zeigen, dass auch solche Gefühle zum Leben gehören und sie für alle Beteiligten in Ordnung sind.

Nehmen Sie Ihr Kind ernst

Doch wie reagieren Sie als Eltern richtig auf die Gefühle Ihres Kindes? Vor allem, wenn Sie nicht verstehen, was in dieser Situation gerade so schlimm ist? Die Antwort ist einfach: Nehmen Sie Ihr Kind ernst! Normalerweise nimmt ein Kind kein Blatt vor den Mund und äußert offen, was es fühlt. Gerade das ist für uns Erwachsene häufig anstrengend und schwierig auszuhalten. Will das Kind beispielsweise bei Minus fünf Grad das rosa Sommerkleidchen anziehen, ist das Geschrei und damit der Ausdruck des Gefühls sehr deutlich. Doch Ihr Kind hat das Recht, diesem Gefühl Ausdruck zu verleihen. Vermitteln Sie ihm, dass Sie verstehen, warum es so enttäuscht und wütend ist. Aber auch, dass es aus gesundheitlichen Gründen das Kleid eben nicht anziehen kann, sondern die Schneehose. Doro Kammerer rät Eltern, den viel benutzten Satz "Das ist doch nicht schlimm" zu vermeiden. Denn was wissen wir Eltern denn, was schlimm ist - und was eben nicht? Sie schreibt, dass auch für Eltern scheinbar völlig übertriebene Gefühle der Kinder Berechtigung haben und dass auch diese Gefühle ernst genommen werden sollten. So werde die Basis gelegt für die spätere Sicherheit "Ich fühle richtig", für die Intuition und dem "richtigen" Verhalten in den unterschiedlichsten Lebenslagen.

Fühlen, was es zu fühlen gibt

Kinder haben ein Recht auf ihre Gefühle. Starten Sie deshalb keine Ablenkungsmanöver, wenn Ihr Kind mal traurig ist, sich von Freundin oder Freund verletzt fühlt oder sauer ist, weil es keinen Nachtisch bekommt. Suchen Sie ständig nach Ablenkungen in diesen Situationen oder verharmlosen Sie diese Gefühle, erleichtern Sie Ihrem Kind keinesfalls das Leben - sie lassen es vielmehr allein. Zeigen Sie ihm lieber, dass es in Ordnung ist zu weinen oder zu schreien. Denn danach fühlt es sich besser und hat wieder die Kraft mit Ihnen gemeinsam, eine Lösung für das Problem zu finden oder die Gegebenheit zu akzeptieren.

Liebe Leserin, lieber Leser, aktuell können zu diesem Thema keine neuen Kommentare abgegeben werden. Ab 6 Uhr können Sie hier wieder wie gewohnt diskutieren. Wir danken für Ihr Verständnis.
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Neue Kommentare laden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Gezielter Schlag 
Hit im Netz: Mit seinem Hund darf sich niemand anlegen

Känguru hält den Vierbeiner im Schwitzkasten, das Herrchen schreitet ein. Video

Anzeige

Shopping
Shopping
38 % sparen: Boxspringbett inkl. Topper für nur 499,- €

Traumhaft und erholsam schlafen auf 180x200 cm - jetzt zum reduzierten Preis bei ROLLER.de.

tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de

Anzeige
shopping-portal