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Moderne Eltern auf der Suche - ein kritischer Blick über den Elterntellerrand

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Moderne Eltern auf der Suche

02.03.2011, 09:47 Uhr | Jenni Zwick

Moderne Eltern auf der Suche - ein kritischer Blick über den Elterntellerrand. Eltern von heute wollen trotz Kinder lässig und spontan bleiben. (Foto: imago)

Eltern von heute wollen trotz Kinder lässig und spontan bleiben. (Foto: imago)

Glaubt man vielen Medien, sind heutige Eltern unsicher, wissen nicht, wie sie ihre Kinder erziehen sollen, wälzen Erziehungsratgeber und suchen Hilfe beim Elterncoaching. Doch spricht man mit jungen, gut situierten, "modernen Eltern“ springt bei manchen ein anderes Problem ins Auge: Sie haben sich und ihrem Partner in der Schwangerschaft geschworen, genauso zu bleiben, wie sie sind - lässig, cool und vor allem eins - spontan. Junge Mütter verstecken ihren Noch-Babybauch unter weiten Kleidern und rennen gehetzt zum Yoga. Die passenden Väter tragen ihre Stammhalter im Öko-Tragetuch durchs familienfreundliche Viertel und freuen sich über ihre eigenen liberalen Ansichten. Doch den meisten wird nach den ersten Monaten mit Kind schnell klar, dass vollgespuckte Hemden, schreiende Kinder im Szenecafé und Bananenbrei im Park eben nicht nur den anderen "passieren“, sondern zum Elternleben genauso dazugehören wie lachende Gesichter der Großeltern, der neueste Kinderwagen und Holzlaufräder.

Das böse Erwachen

Gerade gut ausgebildete Akademiker, kreative Köpfe, Journalisten und Künstler entscheiden sich oft spät für ein Kind und haben sich an ihr unabhängiges Leben gewöhnt. Nicht zuletzt durch glückliche Familien und lachende Kinder in der Werbung wird ihnen suggeriert, dass mit den nötigen Mitteln und der richtigen Einstellung das Leben mit Kind ein ständiges Freudenfeuer ist, das mit dem anstrengendem Leben ihrer Eltern nichts mehr gemein hat. Es scheint so einfach, sich selbst treu zu bleiben, auch wenn man oder frau einen Kinderwagen vor sich her schiebt.

Realität ist allerdings, dass junge Eltern ihre Rolle in der Gesellschaft suchen und sich in den Umständen, in denen sie sich trotz neunmonatiger Vorbereitungszeit ziemlich überrascht wieder finden, eben nicht mehr selbst erkennen. Plötzlich fehlt die Spontaneität, mal eben ein sonniges Wochenende auf Rügen zu verbringen. Man ist einfach zu müde um noch kurz auf einen Sprung in die Bar nebenan zu gehen (trotz Babysitter). Selbst für einen ausgiebigen Plausch beim sonntäglichen Brunch fehlt plötzlich die Lust, weil es dort immer so laut und eng ist.

Kinder bleiben Kinder

Obendrauf kommt die Problematik, es eben nicht so zu machen wie die eigenen Eltern. Das heißt also, die Kinder selbstständig aufwachsen zu lassen ohne zu viel zu "erziehen“ und zu guter Letzt das Kind auch noch bestmöglich zu fördern. Haben Kinder früher nicht gespurt, war die Reaktion der meisten Eltern oft eindeutig: Es hat "was gesetzt“ und das Thema war erledigt. Moderne Eltern scheuen sich vor körperlichen Züchtigungen, doch sie stehen vor den gleichen Problemen in der Erziehung, wie ihre Eltern.

Kinder sind laut und hampeln am Tisch, benehmen sich in der Straßenbahn wie kleine Berserker, strecken Nachbarn die Zunge heraus oder wollen nicht ins Bett. Spätestens jetzt fällt vielen Eltern auf, dass sie eben "nur“ Eltern sind und nicht die Übereltern, die sie werden wollten. Und schon ist sie da, die Verunsicherung, der hilfesuchende Blick in die Ratgeberbücher, über moderne Familienformen bis hin zur gelassenen Erziehung.

Mehr Gelassenheit für alle

Gelassener erziehen? Genau das sollten gerade moderne Eltern. Nicht nur im Sinne des dänischen Familientherapeuten Jesper Juul, der in seinem neuesten Werk "Eltern Coaching - Gelassen erziehen“ genau dazu rät. Vor allem im Blick auf den eigenen Lifestyle gilt dieser Rat. Es ist nicht wichtig, in teuren alternativen Designerklamotten auf dem Spielplatz gut da zu stehen und mit anderen genauso gut aussehenden Eltern über zu Guttenbergs missratener Einstellung zum Urheberrecht zu debattieren. Wichtiger ist, dem eigenen Kind eine gesunde Einstellung im Umgang mit anderen und dem Besitz anderer zu vermitteln.

Genauso unwichtig ist es, auf der nächsten Vernissage oder der coolsten Party der Stadt aufzutauchen, mit einem friedlichen Kind im Arm, in Finkid oder Jako-O gekleidet, und genauso gut über den neuesten Klatsch und Tratsch informiert zu sein, wie noch vor ein paar Monaten. Wichtiger ist, mit seinem Kind Zeit zu verbringen und ihm zu zeigen, wie wertvoll es für einen ist, auch wenn es sich nun mal wieder voll gekleckert hat, der Nachbarin die Zunge heraus gestreckt hat oder in der Bahn lauthals schreiend protestiert hat, dass es schon wieder sitzen bleiben muss. 

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