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TV-Doku: Wenn der Trainer zum Täter wird

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ARD-Doku über Kindesmissbrauch: "Der Trainer war der Täter"

09.03.2011, 14:38 Uhr | rev; ARD, t-online.de

TV-Doku: Wenn der Trainer zum Täter wird. Heiko kennt die dunklen Seiten des Vereinssports: Er wurde Opfer sexueller Übergriffe seines Trainers. (Foto: ARD)

Heiko kennt die dunklen Seiten des Vereinssports: Er wurde Opfer sexueller Übergriffe seines Trainers. (Foto: ARD)

Sport ist gesund, Sport macht Spaß, Kinder finden Freunde im Verein - das ist die eine Seite. Die ARD-Dokumentation "Der Trainer war der Täter" allerdings beleuchtet die Schattenseite des Vereinssports, das bisher weniger diskutierte Thema des sexuellen Missbrauchs im Sport. Den Rahmen des Films setzen die bewegende Aussagen von Heiko, eines Opfers aus Brandenburg.

Ausgelöst durch Enthüllungen über Vorfälle am Berliner Canisius-Kolleg rückte das Thema Kindesmissbrauch Anfang des Jahres 2010 in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit. Der Zusammenhang zwischen Kindesmissbrauch und dem organisierten Sport spielte eine untergeordnete Rolle, da sich die Diskussion vor allem um Missbrauch im Umfeld der Kirchen und von Bildungsinstitutionen drehte.

Sport als Nische für Pädophile?

Doch Experten warnen, gerade Sportvereine seien ein "Risikosystem", in dem sich Pädophile gezielt einrichten, um ihre Neigung zu befriedigen. Sexualmediziner Professor Klaus Beier, der das Präventionsprojekt "Kein Täter werden" leitet, geht davon aus, dass einer von 100 Männern pädophile Neigungen hat. Rechnet man das auf die 260.000 Übungsleiter um, die es in Deutschland in Sportvereinen gibt, kann man von etwa 2600 Pädophilen in diesem Bereich ausgehen. Allerdings ist anzunehmen, dass diese Zahl sogar noch deutlich höher ist, denn überdurchschnittlich häufig wählen Pädophile Berufe oder Ehrenämter, in denen sie regelmäßig Kontakt zu Kindern haben.

Fast acht Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland treiben regelmäßig Sport in Vereinen. Aber nicht allein diese Tatsache macht die Tätigkeit als Trainer für pädophile Männer reizvoll. Sportvereine und Sportgruppen bilden ein relativ kleines geschlossenes System, in dem meistens eine sehr familiäre Atmosphäre herrscht. Die potenziellen Täter bekommen so die Chance ein Vertrauensverhältnis und eine enge Beziehung zu den möglichen Opfern aufzubauen. Trainer, die zu Tätern werden, sind oft besonders engagiert und werden zu einer wichtigen Bezugsperson für die Kinder. Ausflüge mit Übernachtungen und das Duschen nach dem Sport sind Gelegenheiten, die sich für die Täter in anderen Umfeldern kaum ergeben. All das sind Gründe, warum die "die Gefahr im Sport" ganz besonders ernst zu nehmen sei, wie auch Familienministerin Kristina Schröder in der TV-Dokumentation " Der Trainer war der Täter" erklärt.

"Als Kind weiß man gar nicht, was mit einem passiert"

Die rbb-Fernsehautoren Philipp Büchner und Jörg Klawitter haben monatelang recherchiert und den heute 25-jährigen Heiko dazu bewegen können, über sein Schicksal zu reden. Heiko wurde als Zwölfjähriger in einem Sportverein in Brandenburg Opfer eines Sexualtäters, der sein Trainer war. Dieser Mann missbrauchte insgesamt 30 Jungen, zwang sie unter anderem zu Oral- und Analverkehr.

Heiko beschreibt in dem Film die Hilflosigkeit, die er als Kind gegenüber seinem Trainer und Vergewaltiger hatte: "Als Kind weiß man gar nicht, was mit einem passiert." Er sei damals sexuell völlig unerfahren gewesen. Streicheln brachte er zu dieser Zeit noch in erster Linie mit etwas Positivem in Verbindung und so viel es ihm als Kind schwer, den Missbrauch richtig einzuordnen - nämlich als etwas Schlechtes. Das eigentlich doch Schöne verschwamm für Heiko plötzlich mit etwas sehr Unangenehmem, was den Jungen ratlos zurückließ.

Da der Täter ansonsten sehr beliebt war und Vorbildcharakter für die Kinder und Jugendlichen hatte, kam dazu noch das Gefühl: "Mir glaubt ja doch keiner!" Deshalb kam es erst Jahre später zu einer Anzeige. Der frühere Trainer von Heiko wurde zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt, wobei das Urteil noch nicht rechtskräftig ist. Heiko ist froh den Schritt der Anzeige gegangen zu sein, aber er weiß auch: "Das wird mich noch mein ganzes Leben beschäftigen."

Die Vereine brauchen neue Standards

Um solche Fälle in Zukunft zu vermeiden, sind vor allem die Vereine gefordert. Doch Kinderschutz hat nicht immer höchste Priorität in deutschen Sportvereinen. Der Landessportbund Berlin bietet Kurse zum Kinderschutz in Vereinen an. Wie sollte ein Verein im Verdachtsfall reagieren? Wie kann ein Verein vorbeugen? Solche Fragen werden in den Seminaren geklärt - doch die Nachfrage ist erschreckend gering. Dabei sind sich alle Experten einig und auch Kristina Schröder betont in der Doku, dass es Mindestanforderungen in Sachen Kinderschutz in jedem Verein geben muss. Es müsse dringend ein Kinderschutzgesetz verabschiedet werden, das bestimmte Standards schafft wie die Vorlage eines erweiterten Führungszeugnisses durch die Übungsleiter oder die Bereitstellung eines Kinderschutzbeauftragten in den Vereinen.

Auch die Autoren der Sendung glauben, dass viele Missbrauchsfälle in Vereinen verhindert werden könnten, wenn der Schutz der Kinder ernster genommen würde: "Der Sport muss eine Kultur des Hinsehens entwickeln.“

Verunsicherung bei den Übungsleitern

Aber der ARD-Film zeigt auch die Kehrseite der Diskussion. Viele Trainer und Jugendleiter fühlen sich inzwischen unter Generalverdacht. Sie fragen sich, wie viel Fürsorge dürfen sie noch aufbringen: Dürfen sie ein Kind noch trösten oder in den Arm nehmen? Welche Hilfestellung beim Sport könnte bereits Skepsis hervorrufen? Ob der Kindersport in Vereinen durch die Debatte steril, sogar unmenschlich werde, verneinen Kinderschützer. Sie wollen nicht, dass die Übungsleiter auf Distanz zu den Kindern gehen. Sie fordern allein bewusstes Handeln und klare Grenzen. Bei der Frage, wo genau diese Grenzen liegen, sind jedoch offensichtlich viele Jugendtrainer verunsichert. Eine genaue Antwort kann auch die Dokumentation nicht liefern.

Auch die Eltern stehen in der Pflicht

So sehr Trainer und Jugendwarte in der Verantwortung stehen, auch die Eltern können einen wesentlichen Teil zur Sicherheit ihrer Kinder beitragen, erklärt Ministerin Schröder. Eltern sollten, bevor sie ihr Kind in einem Verein anmelden, Informationen einholen: Gibt es bestimmte Verhaltensregeln für Übungsleiter in dem Verein? Hat der Club ein Kinderschutzprogramm? Wer ist der Kinderschutzbeauftragte?

Der Film verdeutlicht, dass Missbrauchsfälle vor allem dann vermieden werden können, wenn alle sich fragen, was sie zum Schutz der Kinder und Jugendlichen besser machen können. Das betrifft die Gesetzgebung genauso wie die Sportverbände, Vereine und Trainer wie auch die Eltern der Kinder.

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