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Kinder nicht erwünscht: Café in Frankfurt legt sich mit Eltern an

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Wollen wir nur noch brave Kinder?

18.03.2011, 08:33 Uhr | mmh, t-online.de

Kinder nicht erwünscht: Café in Frankfurt legt sich mit Eltern an. Nur brave Kinder erwünscht: Ist das gastfreundlich? (Foto: imago)

Nur brave Kinder erwünscht: Ist das gastfreundlich? (Foto: imago)

"Nur erzogene Kinder erwünscht" - wie bitte? Ein Plakat erregt zur Zeit die Gemüter der Frankfurter Cafe-Besucher. Es hängt im Fenster des Cafés Sahnesteif und erklärt wortreich und höflich, dass Kinder hier zwar nicht verboten, aber doch nur erwünscht sind, wenn sie sich still verhalten, eben gut erzogen. Und das in einem Stadtviertel mit einer der höchsten Geburtenraten Deutschlands. Die Frankfurter Nordend-Affäre reiht sich ein in den Berliner Kinderwagenstreit und den Skandal um den Rauswurf einer Mutter und ihres weinenden Babys aus einem Linienbus. Sind das nur krasse Einzelfälle oder Indizien für ein wachsendes kinderfeindliches Klima in Deutschland? Wer handelt hier falsch: Eltern, die keine Grenzen setzen oder Gastronomen, die ihr Hausrecht ausüben?

Frankfurter Café legt sich mit Eltern an

Richtige Kinderwagenkolonnen ziehen tagsüber durch das Viertel. Und bisher war eine Anlaufstation zwischen Kita und Kinderspielplatz das Cafe im Nordend. Deshalb war die Empörung und Verwunderung über die Mitteilung extrem groß. Die "Frankfurter Rundschau" griff das Thema auf und entfachte damit einen Sturm der Empörung.

Chaos im Café

Wie kommt ein Gastronom in dieser Umgebung auf solch eine Idee? Warum muss er auf diese Weise mitteilen, dass das Café kein Kinderhort und kein heimisches Wohnzimmer ist, sondern ein Rückzugsort für Erwachsene? Vor einem Jahr hat das Café Sahnesteif eröffnet, Mitbetreiberin Hanne Tesch erklärt gegenüber der "Frankfurter Rundschau", man habe sich auf die jungen Familien im Stadtteil gefreut, doch was dann gekommen sei, hätte sie überrascht und auch enttäuscht.

Kein Platz für alle

Und das waren die konkreten Auslöser: Möbel wurden zur Hüpfburg umfunktioniert, Scheiben mit Mousse au Chocolat beschmiert, Esstische als Wickeltisch genutzt. Die jungen Gäste machten sich breit: Krabbeldecken wurden ausgebreitet, Hocker zur Trennwand für eine Spielecke aufgebaut. Das störte offensichtlich auch andere Gäste. War nicht mehr genug Raum für andere da? Schließlich wollten viele andere Gäste im Café auch einfach mal Zeitung lesen oder ihre Ruhe haben.

Trotz ihrer Maßnahme betonen die Betreiber ganz klar, es habe nichts mit Kinderfeindlichkeit zu tun. Es gehe ihnen um die Eltern und nicht um die Kinder. Denn die Eltern setzen keine Grenzen.

Gibt es korrektes Verhalten für Eltern mit Kind?

Straßenbahn, Restaurant, Wartezimmer, Supermarkt: Wie sollten sich Eltern mit Kindern an mehr oder weniger öffentlichen Orten verhalten? Klar ist, es gilt gegenseitige Rücksichtnahme. Kinder müssen lernen zu warten, bis Senioren oder gehbehinderte Menschen langsam die Stufen in den Bus hinaufsteigen. Senioren sollten wissen, dass schreiende Kinder keinen Aus-Knopf haben, der sie sofort verstummen lässt. Auch wenn es nervt, manchmal müssen Außenstehende Kindergeschrei ertragen, einen Zug oder ein Wartezimmer kann man eben nicht einfach verlassen, weil das Kind gerade quengelt.

  • Für Mütter und Väter ist die volle Windel des eigenen Kindes viel weniger eklig als für andere, deshalb wird schnell mal nebenbei im Café gewickelt. Doch es ist nachvollziehbar, dass das Frühstück mit Blick auf einen Windel-Popo manchem weniger gut schmeckt.
  • Kinder brauchen Bewegung. Die eigene Wohnung, der Spielplatz sind kindersicher und dafür bestimmt. In fremden Räumen muss man mehr Acht geben. Eltern legen also die Zeit in Cafés am besten auf die Schlafphasen der Kinder oder begrenzen sie auf eine Spanne, die die Kinder gut aushalten.
  • Wenn es separate Wickeltische gibt, sollten Eltern die auch nutzen.
  • Fremdes Eigentum dürfen auch Kinder nicht ungefragt in Beschlag nehmen.
  • Wenn etwas daneben geht - Glas umgekippt, Stuhl verkleckert, Fenster verschmiert, ist eine nette Entschuldigung immer noch das beste Mittel.
  • Kinder lernen am Vorbild der Eltern, das gilt besonders im Umgang miteinander
  • Viele Gastronomen bemühen sich, in ihren Räumen Kinderzonen zu schaffen, das gelingt auch in kleinen Lokalen. Das schafft Ruhe und Abgrenzung zwischen den verschiedenen Gästegruppen.
  • Kinderlose Gäste sollten freundlich darauf aufmerksam machen, was sie stört. Wahrnehmung und Toleranzgrenzen sind allerdings sehr unterschiedlich.
  • Rücksichtnahme, Blickwinkel wechseln, Miteinander reden, die Basics des Miteinander-Lebens gelten auch hier.

Hausverbot überhaupt haltbar?

Laut, dreckig, chaotisch, gelegentlich hätten die Betreiber des "Sahnesteif" auch mal "Ruhestörern" die Tür gewiesen. Darf man das überhaupt? Wir haben beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband nachgefragt: "Ein Hotelier oder Gastronom kann aufgrund seines Hausrechts frei entscheiden, wie er mit störenden Gästen umgeht. Er wird zunächst das Gespräch mit ihnen suchen. Gerade in unserer Branche, wo viele Menschen zusammenkommen, geht es nicht ohne gegenseitige Rücksichtnahme", erklärt Stefanie Heckel, Pressesprecherin des DEHOGA Bundesverbandes.

Gastronomie umwirbt eigentlich die Familien

Glücklich scheint man dort allerdings nicht über solche Alleingänge. Denn: Gastfreundschaft schließe selbstverständlich auch die kleinen Gäste mit ein, erklärt DEHOGA-Sprecher Philipp Rust. Kinder würden als Zielgruppe von Deutschlands Hoteliers und Gastronomen ernst genommen, denn sie seien die Gäste von morgen. Viele Gastronomie- und Hotelleriebetriebe hätten sich auf die Ansprüche von Familien eingestellt und bieten beispielsweise Kinderbetten und -hochstühle, Wickeltische, sichere Treppen und Steckdosen, Spielzeug  und -plätze, bieten Kinderbesteck, Kindermenüs, Kinderkochkurse, Entdeckungstouren, Babyphon und Kinderbetreuung. Es gibt Gütesiegel für kinderfreundliche Angebote in Deutschland und regionale Initiativen. Auch große Hotelketten umwerben Eltern wie Kinder.

Letztendlich bleibt es eine Entscheidung des Unternehmers, eine Zielgruppen-Optimierung. Es bleibt aber auch die Frage, ob man sich damit nicht in das eigene Fleisch schneidet. Denn die "Latte-Macchiato-Mütter" sind Umsatzbringer. Morgens zehn Uhr in irgendeinem Cafe einer deutschen Innenstadt: Da sitzen Mütter, Babys, ein paar Väter im Erziehungsurlaub, Selbständige, Kreative. Und sie nippen nicht nur an einem stillen Wasser, da wird üppig gefrühstückt.

Was heißt gut erzogen?

Alle Menschen sind irgendwie erzogen, ob schlecht oder gut, streng oder lässig. Eltern, Schule und Umfeld prägen die Kleinen und Großen und hinterlassen Spuren. Und wer will schon bewerten, was gute Erziehung ist? Fremde Umgebungen, beispielsweise Café, Supermarkt oder Bus bedeuten Stress für Kinder und Eltern.

Hier sind Kinder erwünscht

Kinderbetreuung in Cafés, Einkaufszentren oder Museen stoßen auf rege Nachfrage. Meist unentgeltlich werden dort für die Dauer des Besuchs Kinder betreut und beschäftigt. Es gibt zahlreiche Beispiele von Einrichtungen, besonders auch in der Gastronomie, in denen Kinder ausdrücklich erwünscht sind. Sicherlich ist es auch absolut nachzuvollziehen, dass es Ruhezonen braucht, auch für Eltern.

Eine Kehrtwende der Betreiber wie in diesem Fall kommt nicht gut an. Wer sich in einem kinderreichen Viertel einrichtet und anfangs mit Familien als Kunden positioniert, wird viele Sympathien verscherzen, wenn er genau diese Zielgruppe vergrault.

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