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ARD-Film "Kehrtwende": Gewalt in der Familie - Wenn der Vater zuschlägt

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Gewalt in der Familie: Wenn der Vater zuschlägt

12.04.2011, 14:40 Uhr | cs, dpa

ARD-Film "Kehrtwende": Gewalt in der Familie - Wenn der Vater zuschlägt. Thomas Schäfer hat die Kontrolle über sich verloren. Er schlägt seine Frau Viola. (Foto: ARD)

Thomas Schäfer hat die Kontrolle über sich verloren. Er schlägt seine Frau Viola. (Foto: ARD)

Fälle häuslicher Gewalt gibt es viele in unserer Gesellschaft. Wie viele tatsächlich, weiß niemand genau. Das Thema Gewalt in der Familie ist ein Tabu. Es wird verschwiegen, verdrängt und verleugnet. Der ARD Fernsehfilm "Kehrtwende" (13.04.2011) setzt sich genau damit auseinander. Im Mittelpunkt steht der Gymnasiallehrer und Chorleiter Thomas Schäfer (Dietmar Bär): In der Schule ein sympathischer und sensibler Musiklehrer. Doch seine Frau (Inka Friedrich) und sein Sohn (Justus Kammerer) leben in ständiger Angst vor ihm, weil er beide regelmäßig schlägt. Nur seine Tochter Sofia (Natalia Rudziewicz) lässt sich nicht von ihm einschüchtern. Seine Familie droht über der Gewalt des Vaters auseinanderzubrechen.

Der nette "Tatort"-Kommissar Dietmar Bär präsentiert sich in einer komplett anderen Rolle - als prügelnder Familienvater. Er ist kaum wiederzuerkennen: kein Bart, dafür voller Haarschopf (sein eigener, kein Toupet!) und ein ganz anderes Mienenspiel. "Ich wollte mal wieder etwas anderes machen, ich will nicht festgelegt sein", sagt Bär über das ARD-Drama "Kehrtwende". Im Mittelpunkt des Fernsehfilms steht das Thema häusliche Gewalt.

Kein Phänomen der Unterschicht

Das Schlimme an häuslicher Gewalt ist, dass sie da stattfindet, wo man eigentlich Schutz und Sicherheit erwartet: zu Hause, begangen von Familienmitgliedern. Häusliche Gewalt ist kein Phänomen der Unterschicht, sie kommt in allen sozialen Schichten der Gesellschaft vor. Genaue Opfer- und Täterzahlen gibt es nicht. Zum einen, weil die Polizeistatistik nicht nach häuslichen und außerhäuslichen Delikten trennt, zum anderen, weil die Opfer aus Angst und Scham eine hohe Hemmschwelle haben, die Taten anzuzeigen.

Täter meist Männer

In der überwiegenden Zahl der Fälle sind Männer die Täter, Frauen und Kinder die Opfer. Warum die Männer zuschlagen, lässt sich schwer greifen. Es geht darum, Macht und Kontrolle über die Opfer auszuüben. Das Familienministerium sagt dazu: "Es gibt keine einzelne Ursache für häusliche Gewalt, sondern es kommen individuell-persönliche und soziale Bedingungen zusammen. Bei Partnergewalt spielt das ungleiche Geschlechterverhältnis in unserer Gesellschaft mit seinen Rollenklischees eine besondere Rolle."

Unter Druck

Der von Bär verkörperte Thomas Schäfer wird als Gymnasiallehrer, Chorleiter und stellvertretender Schuldirektor allseits respektiert. Vielleicht tritt er manchmal etwas zu barsch und autoritär auf und nervt seine Umgebung damit, dass er alles besser weiß. Aber kaum einer ahnt, wie sehr dieser Mann wirklich unter Druck steht.

"Die Hand rutscht aus"

Wenn ihm etwas gegen den Strich geht, rastet er leicht aus. In der Schule kann er sich gerade noch beherrschen, zu Hause nicht mehr. Dort bringt den Perfektionisten vor allem das kreative Durcheinander seiner Frau Viola auf die Palme - und dann schlägt er zu. Auch der 13 Jahre alte Sohn Sven lebt in ständiger Angst vor ihm, weil ihm immer mal wieder "die Hand ausrutscht". Nur die fast 18-jährige Tochter Sofia ist vor ihm sicher.

Familie in Angst

Sobald der Vater das Haus betritt, herrscht ein Klima der Angst. Mit Hilfe einer Freundin, der Anwältin Gisa, erkennt Viola schließlich, dass es so nicht weitergehen kann, und zieht mit Sven und Sofia aus. Sven hasst den Vater mittlerweile und will auf keinen Fall mehr zurück. Sofia dagegen bringt es nicht über sich, alle Verbindungen abzubrechen. Die unsichere Mutter ist hin- und hergerissen und gibt sich selbst eine Mitschuld: "Ich bring ihn mit meinem Chaos zur Weißglut."

Kehrtwende?

Schäfer entschließt sich zu einem Anti-Gewalt-Training und kämpft um seine Familie. "Er ist ja kein schlicht gestrickter Mensch", sagt Bär. Es sei ein Irrtum zu glauben, dass sich Gewalt auf Unterschichtfamilien beschränke. "Das Thema ist wahrscheinlich viel wichtiger, als man denkt. Ich halte es für ein Tabu in unserer ach so offenen Gesellschaft und bin überzeugt davon, dass die Dunkelziffer hoch ist."

Gewaltschutzgesetz schützt Frauen und Kinder

Laut einer Studie hat jede vierte Frau schon einmal Gewalt in einer Beziehung erlebt. Hilfesuchenden Frauen stehen inzwischen eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Verfügung. In vielen Bundesländern wurden Interventionsprojekte gegen häusliche Gewalt eingerichtet. Vor allem das Gewaltschutzgesetz soll Frauen und Kinder stärken. Danach müssen Frauen, die häusliche Gewalt erfahren haben oder von ihr bedroht sind, nicht mehr die Familienwohnung verlassen, sondern dem Täter wird der Zutritt zur Wohnung verwehrt.

Die Gewalt stoppen

Kinder, die Gewalt gegen ihre Mütter in der Familie erleben sind in besonderem Maße betroffen. Hilflos müssen sie die Übergriffe gegen die Mutter mit ansehen, häufig werden sie selbst zu Opfern. Die Gewalt wird als alltäglich wahrgenommen, als Mittel, um Interessen durchzusetzen. Kinder, die Gewalterfahrungen gemacht haben, haben ein größeres Risiko, als Erwachsene selbst Opfer oder Täter von Gewalt zu werden. Gewalt in der Familie darf in keiner Weise hingenommen werden. Nur so ist die Gewaltspirale zu stoppen. Auch das hat "Kehrtwende" eindrücklich gezeigt.

Das Ende bleibt offen

Die große Stärke des Films ist, dass er Klischees konsequent meidet. Jede Figur wirkt glaubwürdig, und auch der prügelnde Vater hat sympathische Seiten, was es der Familie gerade so schwer macht, sich von ihm zu lösen. Ob die Schäfers die "Kehrtwende" schaffen werden, bleibt am Ende offen. Die Möglichkeit ist da, aber ein endgültiger Bruch scheint wahrscheinlicher. Sven ist in jedem Fall dauerhaft geschädigt und übernimmt das aggressive Verhalten seines Vaters. So ergibt sich ein vielschichtiges, realitätsnahes Bild, ohne dass die Spannung darunter auch nur vorübergehend leidet. Besser kann man ein brisantes gesellschaftliches Thema kaum im Fernsehen umsetzen.

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