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Begeistern statt überfordern: Kinder wollen die Berge entdecken

03.05.2011, 10:03 Uhr | dpa

Begeistern statt überfordern: Kinder wollen die Berge entdecken. Kinder wollen in den Bergen kein strammes Wandern. Sie wollen die Natur entdecken und erforschen. (Foto: imago) (Quelle: imago)

Kinder wollen in den Bergen kein strammes Wandern. Sie wollen die Natur entdecken und erforschen. (Foto: imago) (Quelle: imago)

Das erste Mal mit den Kindern in die Berge, die Kleinen an die Natur heranführen, als Familie zur Ruhe kommen: Das kann leicht schief gehen, wenn immer nur strammes Wandern auf dem Programm steht. Doch es gibt viele Wege, den Nachwuchs zu begeistern.

Wenn Kinder sich überfordert fühlen

Die Sonne strahlt, der Wildbach rauscht entlang des Wegs, in der Ferne liegen schneebedeckte Gipfel. Das Wanderglück könnte perfekt sein, wären da nicht die quengelnden Kinder, die keinen Schritt mehr gehen wollen. Wenn sich die Kleinen überfordert fühlen, wird aus dem unbeschwerten Naturerlebnis schnell Frust pur.

Kinder wollen die Natur erforschen

Dabei fahren viele Familien gerade in die Berge, um den Stress des Alltags hinter sich zu lassen. Aber einige Eltern vergessen, dass Kinder die Welt mit anderen Augen sehen. Auf Wanderungen wollen sie die Natur um sich herum entdecken und erforschen.

Tiere sind interessanter als die Aussicht

Um den Nachwuchs beim ersten Bergurlaub nicht gleich auf ewig zu vergraulen, sollten die Touren vor allem aus Sicht der Kinder interessant sein - und nicht nur für die Eltern. "Kindern ist die schöne Aussicht ganz schön wurscht. Sie wollen viel lieber Tiere sehen", erklärt Markus Hartmann, der in Deutschlands erster Bergwanderschule in Oberaudorf Kurse gibt. Ein Murmeltier, das von Stein zu Stein hüpft, ist zehnmal aufregender als die Fernsicht auf einen Gletscher.

"Kinder dürfen auch ruhig mal in einen Bachlauf hinein", findet Hartmann. "Sie können dort einen Damm bauen oder nach kleinen Krebsen suchen." Immer nur stur geradeaus zu laufen, wird für die Kleinen sonst sehr trocken. "Kinder können die Natur nur erleben, wenn sie sich in ihr bewegen. Sie müssen nicht immer nur auf dem Weg bleiben, sie können ruhig auch mal abseits gehen", sagt auch Caroline Hellmeier vom Deutschen Alpenverein (DAV) in München.

Pausen an schönen Wegpunkten

Eltern sollten deshalb genügend Zeit einplanen, in der die Kinder die Umgebung ausgiebig erforschen können. Dazu gehören auch Pausen an besonders schönen Wegpunkten. "Nur sollten die Kinder da nicht nur herumsitzen. So erholen sie sich auch nicht", sagt Hellmeier.

Auch das Tagesziel darf ruhig etwas ausgefallener sein: Eine beschauliche Alm, auf der es Ziegen oder Schafe zu sehen gibt, ist weitaus reizvoller als eine überfüllte Ausflugshütte.

Auf spielerische Art Verständnis für die Natur vermitteln

"Wir versuchen gleichzeitig auch immer, Verständnis für die Natur zu wecken", berichtet Wanderführer Hartmann. Es sei wichtig, den Kindern zu erklären, dass sie keinen Müll wegwerfen und kein Feuer machen dürfen. "Wir wollen ihnen auch beibringen, sich richtig im Gebirge zu bewegen. Aber nicht nach dem Motto: Jetzt tritt nicht schon wieder falsch auf. Sondern auf eine spielerische Art." Im besten Fall merken die Kinder gar nicht, dass sie etwas lernen.

Übertriebener Ehrgeiz und falsche Ziele

"Geh weiter, geh schneller!" - mit solchen Befehlen verdirbt man Kindern mit Sicherheit die Freude an den Bergen. "Es ist entsetzlich, was manche Eltern für ein Leistungsdenken haben", erzählt Hartmann. "Da heißt es dann: Der Ameisenhaufen hat uns nicht zu interessieren, wir müssen in einer Stunde auf der Hütte sein. Sowas ist der größte Schmarrn."

Übertriebener Ehrgeiz bewirkt eher das Gegenteil von dem, was die Eltern möchten. "Kinder kriegen schnell die Wut. Da baut sich direkt eine innere Wand auf." Schließlich sehen sie die Wanderung als ein Spiel und nicht als einen Sport.

Spielerischer Unterricht als Herausforderung

Das heißt allerdings nicht, dass die Bergtour kein Abenteuer sein darf. Ganz im Gegenteil: Kleine Herausforderungen können ungemein motivieren. "Wenn die Kinder nicht mehr ganz so klein sind, kann ich ihnen Karte und Kompass in die Hand geben und sagen: Jetzt müsst ihr den Weg finden", sagt Hellmeier. Ein anderes Rätsel: Die Kinder müssen die Himmelsrichtung bestimmen, obwohl gerade keine Sonne scheint. "Eltern können ihnen dann erklären, dass Norden da ist, wo die Baumstämme besonders viel Moos haben", erklärt Hartmann.

Geschichten sind lehrreich

Ohnehin haben Kinder grundsätzlich zu allem ziemlich viele Fragen. "Man sollte zuhören und dann erklären, aber nicht im Vortragsstil", empfiehlt Hellmeier. Zieht sich der Weg tatsächlich wider Erwarten in die Länge, helfen Geschichten über die Durststrecke hinweg. "Dabei kann man die Gegend mit einbeziehen. Kinder fragen sich: Wer wohnt in dieser Landschaft? Wer war hier früher einmal unterwegs?"

Sicherheit geht vor

Und schließlich muss die Bergwanderung auch dem Leistungsniveau der Kinder entsprechen. "Natürlich kann man mit Kindern keine Tour machen, die man sich gerade so als Erwachsener zutraut", erklärt Hellmeier. Kinder könnten im Alter von fünf bis sechs Jahren aber ohne Probleme in einem gemäßigten Tempo zwei, drei Stunden gehen, sagt Hartmann. Sicherheit geht dabei vor: Der Weg sollte nicht Absturz oder Steinschlag gefährdet sein. Klettersteige und ausgesetzte Pfade sind nichts für Kinder. Ein wildes Rudel Gämsen gibt es schließlich auch in harmloserem Gelände zu bestaunen.

Faustregel: "abdecken statt eincremen"

"Am allerwichtigsten ist ein ausreichender Sonnenschutz", erklärt Ulrich Fegeler vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) in Köln. "Die Strahlung im Gebirge ist intensiver, die Sonne brennt stärker." Als Faustregel gilt "abdecken statt eincremen" - durch lange Kleidung seien die Kinder am besten geschützt. Sie brauchen außerdem mehr zu trinken, weil sie in der Höhe schneller atmen.

 

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