Startseite
Sie sind hier: Home > Eltern > Erziehung >

ZDF-Doku "37 Grad": "Mein Vater sitzt im Knast"

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

"37 Grad"  

"37 Grad": "Mein Vater sitzt im Knast"

24.05.2011, 10:35 Uhr | cst; ZDF, t-online.de

ZDF-Doku "37 Grad": "Mein Vater sitzt im Knast". Schon mit fünf Jahren hat Jonathan seinen Vater im Gefängnis besucht. Er kennt es nicht anders. (Foto: Lars Bitter, ZDF)

Schon mit fünf Jahren hat Jonathan seinen Vater im Gefängnis besucht. Er kennt es nicht anders. (Foto: Lars Bitter, ZDF)

Was bedeutet es für Kinder, wenn ihre Eltern eine Haftstrafe verbüßen? Die ersten Schritte, die Einschulung, der erste Freund, der 18. Geburtstag - viele wichtige Ereignisse im Leben ihrer Kinder bekommen Väter, die im Gefängnis sitzen, nicht mit. Sie sind nicht da, wenn sie gebraucht werden. Ihre Söhne und Töchter erleben sie als schwach, fehlbar und von der Gesellschaft geächtet. Sie schämen sich, sind verunsichert und werden oft noch von ihrer Umwelt ausgegrenzt. Sie werden quasi mit in Haft genommen. Die ZDF-Dokureihe "37 Grad" hat drei Kinder, deren Väter im Gefängnis sitzen, mit der Kamera begleitet.

Das Ende der Familie

Jeder vierte Häftling im geschlossenen Vollzug hat Kinder. So werden in Deutschland 50.000 Kinder von einem Straftäter zu Hause zurückgelassen. Die Trennung trifft die Familienangehörigen oft unvorbereitet. Das Ende eines gemeinsamen Lebens unter einem Dach bedeutet in vielen Fällen gleichzeitig auch das Ende der Familie.

Kindheit ohne Vater

"Seit 15 Jahren warten wir und nichts verändert sich." Jonathan (17) und Daniel (15) verbringen die gesamte Kindheit ohne ihren Vater. Denn der sitzt in einem Bielefelder Gefängnis. Bis zu seiner Entlassung müssen die Brüder noch mindestens zwei Jahre warten. "Ich war es schon mit fünf gewöhnt, in den Knast zu gehen", sagt Jonathan.

Kinder sind mitbestraft

Er wurde vorzeitig entlassen, wegen guter Führung. Doch dann hatte er wieder in großem Stil gestohlen und musste zurück ins Gefängnis. Daniel und Jonathan erleben schmerzhaft, dass die Strafe ihres Vaters auch ihre eigene ist. Ihr Vater ist eingesperrt, und die beiden Brüder sind ausgesperrt. Sie gehören nie dazu, werden von Mitschülern nicht eingeladen, fühlen sich oft ausgegrenzt und wie mitbestraft. 

Die Sehnsucht bleibt

Das kennen sie schon so lange und haben sich trotzdem bis heute nicht daran gewöhnt: an die ständige Sehnsucht nach ihrem Vater. An beklemmende Sonntage im anonymen Besucherraum, das Abtasten durch die Wärter, Mobbing in der Schule. Was den beiden bleibt, ist die Hoffnung, dass dieser Albtraum eines Tages endlich ein Ende hat und ihr Vater nie wieder eine Straftat begeht.

"Er ist doch mein Papa"

Die 19-jährige Fiona hat Ähnliches durchgemacht. Sieben Jahre lang saß ihr Vater in einem Gefängnis in Bochum. Er hatte geklaut, um Drogen zu kaufen. Seit zwei Jahren ist er wieder draußen. Fiona und ihre Mutter haben immer zu ihm gestanden, auf ihn gewartet und an ihn geglaubt: "Ich habe ihn trotz allem lieb, er ist doch mein Papa", sagt Fiona, auch wenn er sie oft enttäuscht hat. Denn auch Fionas Vater musste mit kurzen Unterbrechungen immer wieder ins Gefängnis. Trotz aller Versprechungen gegenüber seiner Frau und seinem Kind ist er immer wieder straffällig geworden, und Fiona musste sehen, wie sie ohne ihn zurechtkam.

Das Vertrauen ist weg

Sicher konnte sie sich nie fühlen, wenn der Vater gerade nicht im Gefängnis war. Wie zuverlässig ist jemand, der immer wieder in die Beschaffungskriminalität abrutscht? Wie lange ist er dieses Mal draußen? Droht der Familie noch einmal diese bleierne Zeit, in der der Vater im Gefängnis sitzt? Fiona hat Angst davor. Ihr Vater versichert ihr zwar, er werde nie wieder Straftaten begehen, aber das hat er früher auch schon immer gesagt. Seine Tochter vertraut ihm nicht mehr, obwohl sie ihn liebt und eigentlich an ihn glauben will.

Seitenwechsel für Fiona

Für Fiona steht die Berufswahl an. Sie hat sich entschlossen, Justizvollzugsbeamtin zu werden. "Ich habe mich schon immer gefragt, wie es ist, wenn man da auf der anderen Seite steht." Von ihrem Vater hat sie vor allem gelernt, was sie nicht machen soll.

Wieder warten für Daniel und Jonathan

Der Vater von Jonathan und Daniel hat seit Jahren das erste Mal Freigang. Seit Stunden warten die Söhne auf den Vater. Aber kommt nicht, besucht jemand anderen. Vater Wilfried hält dem Erwartungsdruck nicht stand. Für die Zeit nach seiner Entlassung plant er allein.

Nicht verstecken

Eltern zu haben, die im Gefängnis sind, ist etwas, wofür viele Kinder sich schämen, was sie verunsichert und wofür sie sich schlimmstenfalls auch noch verantwortlich fühlen. Den Vater, der Vorbild sein sollte, von dem sie lernen, den sie bewundern wollen, erleben sie als schwach, fehlbar und von der Gesellschaft geächtet. Fiona, Jonathan und Daniel wollen sich nicht verstecken. Sie möchten nicht verurteilt werden dafür, dass ihre Väter kriminell geworden sind.

Liebe Leserin, lieber Leser, aktuell können zu diesem Thema keine neuen Kommentare abgegeben werden. Wir bitten um Ihr Verständnis.
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Neue Kommentare laden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Straßenlaterne rettet Leben 
Junge Frau hat das Glück ihres Lebens

An einer Kreuzung stoßen zwei Autos zusammen. Ein Peugeot verliert die Kontrolle, rast auf den Bürgersteig zu. Eine Straßenlaterne rettet einer jungen Passantin das Leben. Video

Anzeige

Shopping
Shopping
Jetzt EntertainTV Plus bestellen und 1 Jahr sparen!

EntertainTV Plus 1 Jahr statt 14,95 € für 4,95 €* mtl. sichern. www.telekom.de Shopping

tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de

Anzeige
shopping-portal