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Mädchenfußball: Als Mädchen unter wilden Kerlen

24.06.2011, 12:05 Uhr | Helene, t-online.de

Frauenfußball: Als Mädchen in der Jungsmannschaft. Irgendwie ist es cool, das einzige Mädchen zu sein", sagt Nachwuchs-Fußballerin Helene. (Foto: t-online)

Irgendwie ist es cool, das einzige Mädchen zu sein", sagt Nachwuchs-Fußballerin Helene. (Foto: t-online)

Frauenfußball ist auf dem Vormarsch. Steffi Jones rührt zur WM 2011 heftig die Werbetrommel. Doch gibt es wirklich überall Mädchenmannschaften? Und sind die auch gut? Die 14-jährige Helene spielt seit neun Jahren Fußball und hat sich beides angesehen: Mädchenmannschaften und Jungs-Teams. Nicht alle Wechsel waren freiwillig. Für sie steht fest: Sie macht es wie Steffi Jones! Bei den Jungs kann man mehr lernen.

Als Mädchen unter "wilden Kerlen"

"Für ein Mädchen spielst Du gar nicht schlecht“ - aufmunternd klopft mir der Vater aus der gegnerischen Mannschaft auf die Schulter. Gequält lächle ich, aber eigentlich denke ich mir: So ein blöder Männer-Spruch, den höre ich schon seit ich Fußball spiele, also seit neun Jahren. Ändert sich das noch irgendwann?“

Da gefällt es mir schon besser, als eine Mutter von der Gegnerseite grinsend auf mich zukommt und sagt: “Daran wird mein Sohn lange knabbern, dass ihm ausgerechnet ein Mädchen ein Tor rein geschossen hat. Das tut ihm mal gut! Danke!”

Für mich ist es ganz normal, Fußball zu spielen, wie mein Bruder und mein Vater, als wir noch klein waren und unsere Schüsse leicht, stand meine Mutter im Tor. Heute bin ich 14, angefangen habe ich mit fünf Jahren, bei den Bambini. Ich fand immer "Vanessa“ aus den "Wilden Kerlen“ cool. Und natürlich gehört “Kick it like Beckham” zu meinen Lieblingsfilmen. Ich bewundere Steffi Jones und finde sie unheimlich sympathisch.

Keine Mädchenmannschaft am Ort

Als ich Bambini war, gab es gar kein reines Mädchenteam an unserem Ort. Es fangen zwar viele Mädchen an zu spielen, die meisten hören aber bald wieder auf. Bis vor kurzem hatte ich auch noch Ballettstunden, eine Weile direkt vor dem Training. Es fühlte sich schon seltsam an, von den Schläppchen in die Stollen zu steigen, aber irgendwie gut. Ich habe mir nie Fußballschuhe in Rot oder Lila gekauft: typische Mädchenfarben, die aber an Männern total cool aussehen, auch an meinem Bruder. Es musste immer weiß, blau, schwarz sein - Klassiker. Jetzt muss ich froh sein, wenn ich Schuhe finde, die nicht so furchtbar breit sind. In meinem Alter kicken eben fast nur noch Jungs.

Einfacher als für Jungs im Ballett

Trotz allem haben es Mädchen im Fußball sicherlich leichter, als Jungs im Mädchensport. Als mein Bruder noch mit mir im Ballettunterricht war, kam einmal eine andere Mutter auf sie zu und tuschelte ihr ins Ohr: “Sag mal, wenn Dein Sohn Ballett tanzt, hast Du da nicht Angst, dass er schwul wird?” Hallooooooo! Wo leben die denn? Meine Mutter ließ sie einfach stehen.

Bloß kein Körperkontakt

Gut, dass die WM-Frauen das Image jetzt aufbessern. Mädchenfußballerinnen gelten bei vielen immer noch entweder als burschikose Brummer oder als unweibliche Spargel. Ich glaube, diesem Klischee entspreche ich nicht. Das hat auch Vorteile: Es ist schon süß, wie verlegen Jungs mit zwölf sind, wenn sie rot werden, weil der Trainer sagt “deck das Mädchen”. Bloß kein Körperkontakt!

Jungs schießen härter, Mädchen denken schärfer

Jungs sind stärker, sie schießen weiter und vor allem härter. Das habe ich schon zu spüren bekommen: Mein Gesicht war eine Woche lang geschwollen, als der Ball eines Mitspielers aus der C-Jugend mich getroffen hat. Da habe ich richtig geheult, naja, eben wie ein Mädchen. Ich bin dafür aber schneller. Mein Trainer sagt: Frauen gleichen das mit Denken aus, was die Jungs mit Kraft machen. Finde ich gut!

Es gibt nicht mehr viele Mädchen in den anderen Mannschaften. Entdecke ich mal bei Turnieren bei den Gegnern eine, dann strenge ich mich noch mehr an. Ich will besser sein!

Es gibt viele Machos

Mädchen dürfen “Brustschutz” machen, das heißt: Hände vor die Brust, um den Ball abzuhalten, ohne dass es bei Berührung Handspiel bedeutet. Das weiß nicht jeder Schiri. Das braucht immer viel Geduld und Überredungskunst von mir und meinem Trainer. Überhaupt Schiedsrichter: Manchmal überlassen sie mir netterweise ihre Kabine zum ungestörten Umziehen, denn natürlich ziehe ich mich nicht mehr mit den Jungs um, aber bei Turnieren sind die Umkleiden knapp und ehrlich gesagt, die Toiletten sind nicht immer so angenehm zum Umziehen.

Ich fand es eigentlich immer ziemlich cool, das einzige Mädchen zu sein. Nur eine Mannschaft war richtig doof. Es gibt solche Machos unter Fußballern! Dort wurde ich oft beleidigt, vor allem vom besten Spieler der Mannschaft, vor dem die anderen zu viel Respekt hatten, als dass sie mir geholfen hätten. Er kommandierte mich nur herum und machte mich runter. Mädchen im Fußball - das passte nicht in sein Weltbild. Irgendwann hatte ich keine Lust mehr darauf. Aber mit Fußball aufzuhören, daran hatte ich nie gedacht. Ich suchte mir eine andere Mannschaft, diesmal ein Mädchen-Team. Aber dort kam ich selten zum Einsatz, ich fühlte mich nicht wohl - und wechselte zurück in eine Jungsmannschaft.

Wie kleine Brüder

Ich konnte dort nur ein Jahr bleiben, dann musste ich wieder den Verein wechseln, denn es waren zu wenige Spieler für eine eigene Mannschaft. Team Nummer vier in Verein Nummer vier war wieder eine Jungsmannschaft, das ist mein aktuelles Team. Auch hier bin ich wieder das einzige Mädchen und spiele zusammen mit meinem Bruder. Manchmal ist das ein bisschen schwierig, manchmal streiten wir uns im Training, aber insgesamt, finde ich es toll, etwas mit meinem Bruder gemeinsam zu machen.

Die Jungs dort sind fast alle jünger als ich, Mädchen können nämlich “runter spielen”, das heißt sie dürfen, wenn sie in einer Jungenmannschaft spielen, ein bis zwei Jahre älter als die Jungs dort sein. Aber das ist kein Problem für mich, ich bin mit allen sehr gut befreundet, klar, mit manchen mehr, mit manchen weniger. Manche sind für mich auch ein bisschen wie kleine Brüder. Dort fühle ich mich auch richtig wohl, ich bin Stammspieler, das heißt ich darf bei jedem Spiel spielen. Außerdem sind meine Trainer sehr nett.

Problemzone Umkleidekabine

Für Jungs ist es wohl schrecklich peinlich von einem Mädchen ausgedribbelt zu werden. Ich finde das immer irgendwie lustig. Früher gab es dann fiese Kommentare. Das zeigt natürlich auch, dass Jungen sich für besser halten was Fußball angeht. Hier ist das nicht mehr so, in meiner jetzigen Mannschaft, gehöre ich einfach dazu. Nur ziehe ich mich nicht mit den Jungs um, ich gehen immer in eine andere Kabine, eine kleine Sonderbehandlung ist natürlich schon schön. Wenn ich mich verletze, wird sich normalerweise viel mehr gesorgt, aber manchmal nervt das auch.
Im Training albern wir herum, es ist immer lustig.

Es gibt leider nicht mehr viele Mannschaften in meiner Altersklasse, die noch Mädchen aufnehmen. Mit Ausnahmegenehmigung darf ich jetzt noch zwei Jahre mit meinen Jungs in der C-Jugend spielen. Und ich halte die Augen offen nach einer tollen Frauenmannschaft, denn dann ist die Jungs-Zeit endgültig vorbei.

Fairness und Respekt, Ehrgeiz und Disziplin

Durch Fußball und meine vielen Vereinswechsel habe ich sehr viele Menschen kennengelernt, aus sehr vielen unterschiedlichen Nationen. Ich finde bei Fußball lernt man sehr viel, es ist ein Mannschaftssport, alleine kommt man nicht weit, man lernt miteinander auf ein Ziel hinzu arbeiten, den Sieg. Man lernt Fairness und Respekt. Man entwickelt Ehrgeiz und lernt zu gehorchen, auf den Trainer und den Schiedsrichter.

Hoffentlich gibt es 2011 ein Sommermärchen. Ich freue mich so, dass ich ein WM-Spiel im Stadion in Frankfurt sehen kann. Hoffentlich werden die deutschen Fußballfrauen Weltmeister, hoffentlich verdienen Frauenfußballerinnen bald so viel Anerkennung und Geld wie ihre männlichen Kollegen, hoffentlich gibt das alles dem Mädchen-Fußball einen neuen Schwung. Ich drücke den Frauen die Daumen.

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