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So sinnvoll ist Hausarrest

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Warum Hausarrest heutzutage fast immer wirkungslos ist

22.07.2011, 14:53 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

So sinnvoll ist Hausarrest. Vieles spricht dafür, dass Hausarrest als Erziehungsmittel nicht mehr zeitgemäß ist. (Foto: imago)

Vieles spricht dafür, dass Hausarrest als Erziehungsmittel nicht mehr zeitgemäß ist. (Foto: imago)

Seitdem das elektronische Zeitalter mit voller Wucht in die meisten Kinderzimmer eingezogen ist, könnte ein Hausarrest gewaltig nach hinten losgehen. Der ein oder andere Zögling wird sich nämlich freuen, dass er nicht an die frische Luft muss und sich stattdessen in aller Ruhe Nintendo, PC und Playstation widmen kann. Aber nicht nur die menschliche Logik spricht gegen den Hausarrest, sondern auch das "Gesetz zur Ächtung der Gewalt in der Erziehung".

Hausarrest kann seelische Gewalt darstellen

Hausarrest - also das Verbot, für einen bestimmten Zeitraum das Zimmer oder die Wohnung zu verlassen - kann nämlich Gewalt sein, Freiheitsberaubung sozusagen. Und zwar laut Gesetz dann, wenn der Hausarrest "entwürdigend" ist. Die Grenzen sind dabei fließend. Genaue Vorgaben gibt es nicht und sie wären auch nicht sinnvoll, da es in diesem Fall immer die individuelle Situation, das Alter und die Persönlichkeit des Kindes ankommt.

Hausarrest erfüllt selten seinen Zweck

Allgemein kann man aber festhalten, dass Hausarrest vor allem dann gesetzeswidrig ist, wenn er entweder zu lange dauert oder das Kind beziehungsweise der Jugendliche dabei in irgendeiner Form eingeschlossen wird. Und hier ist nicht nur die Rede von Tagen oder Wochen, sondern auch von Stunden!

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"Grundsätzlich halte ich nichts davon, Kinder oder Jugendliche zuhause 'einzusperren'", erklärt die Diplompädagogin Uta Reimann-Höhn (www.lernfoerderung.de). "Kinder werden dadurch in ihrem Bewegungsdrang eingeschränkt, der oft sowieso schon zu kurz kommt und Jugendliche fühlen sich dadurch so stark bevormundet, dass sie sich verschließen oder trotzig, wütend und aggressiv reagieren." Reimann-Höhn hält Hausarrest für eine reine Machtdemonstration der Eltern, die am Ziel vorbeigeht. "Oft wird damit nur eine Hilflosigkeit kaschiert, anstatt beim Kind oder Jugendlichen Einsicht und eine Verhaltensänderung zu erwirken."

Seelische Verletzungen müssen ausgeschlossen werden

Wenn überhaupt sollte der Hausarrest immer nur von kurzer Dauer sein. Er darf keinesfalls eine seelische Verletzung darstellen, oder in einer Form angewandt werden, die die körperliche Verfassung des Kindes beeinträchtigt. Kommen Eltern zum Beispiel auf die Idee, ihr Kind von den gemeinsamen Mahlzeiten auszuschließen, es von der Schule fernzuhalten oder sämtliche Kontakte zu anderen zu verbieten, wird es richtig kritisch. Dann macht es auch Sinn, so bald wie möglich Kontakt zu einer Jugend- beziehungsweise Familienberatungsstelle aufzunehmen.

Eine Ausgangssperre für kurze Zeit ist als Erziehungsmaßnahme erlaubt

Doch das ist der schlimmste Fall und sicher nicht der deutsche Familienalltag. Und trotzdem wird der Hausarrest ziemlich häufig als Erziehungsmittel eingesetzt - laut einer aktuellen Umfrage der AOK in gut jeder vierten Familie. Jedoch nicht in der Form des Wegsperrens, sondern zum Beispiel als Ausgehverbot. Das ist durchaus erlaubt.

Die Eltern können also selbst entscheiden, ob und wann sie ihrem Nachwuchs den Besuch von Veranstaltungen verbieten. Sollten sie dadurch ihr Kind vor einer ernsthaften Gefahr wie Drogen oder schlechtem Umgang schützen wollen, dann erhalten sie im wahrsten Sinne des Wortes "Recht".

Kinder und Jugendliche fühlen sich oft ungerecht behandelt

Doch man sollte immer bedenken, dass der Hausarrest sicher nicht dazu geeignet ist, dem jungen Menschen die Augen zu öffnen. Im Gegenteil ruft er meist Trotz und eine unbändige Wut über die vermeintliche Ungerechtigkeit hervor. "Auf dem Weg ins Erwachsenenleben müssen Jugendliche die Möglichkeit haben, sich selber ihre Kontakte auszusuchen. Negative Einflüsse, manchmal ja auch nur vermeintlich negativ, helfen auch bei der Persönlichkeitsbildung", sagt Reimann-Möhn. Die Expertin für Lern- und Erziehungsfragen und Mutter zweier Söhne hält es für wichtig, die Kontakte zu verfolgen und nicht abzulehnen, denn das wird lediglich zu Heimlichkeiten führen. Ihr Rat: Für Gespräche und Fragen immer offen sein und eigene Ängste und Sorgen immer wieder in der Ich-Form vermitteln.

Vieles ist verhandelbar

Die Art der heutigen Erziehung ist lange nicht mehr so autoritär wie sie einmal war, aber auch nicht so antiautoritär. Autoritativ nennen es die einen, demokratisch die anderen. Letztendlich heißt es, dass Kindern heute nicht die Strafen einfach so vorgesetzt werden. Und es heißt, dass ab einem bestimmten Alter, Strafen auch verhandelbar sind und sein sollten. Vor allem solche, die in einem Moment der Wut ausgesprochen wurden. Oftmals macht es also Sinn, in einer ruhigeren Minute das Gespräch zu suchen, und zwar sowohl über die verhängte Strafe als auch über den begangenen Regelbruch.

Wenn mit dem Hausarrest auch Unschuldige bestraft werden

Viele Eltern zögern beim Verhängen des Hausarrestes und beim Durchziehen einer Strafe dieser Art. Nicht nur, weil ihnen das bestrafte Kind leidtut, sondern auch dessen Freunde und/oder Geschwister. Denn erhält ein kleineres Kind Hausarrest, können die anderen zum Beispiel auch nicht auf einen geplanten Familienausflug. Darf es nicht zum Kindergeburtstag, ist das einladende Kind enttäuscht - Beispiele könnte man hier viele finden. Uta Reimann-Höhn hält Hausarrest bei Kindern für einen groben Erziehungsfehler und plädiert dafür, mit logischen Konsequenzen zu arbeiten.

Hausarrest und stiller Stuhl sind oft Zeichen von Hilflosigkeit

Eine sinnvolle Strafe ist eine, die dem Kind die Möglichkeit gibt, über sein Verhalten nachzudenken. Das allerdings geht nur, wenn die Ablenkung nicht allzu groß ist und damit fallen die meisten heutigen Kinderzimmer sowieso von vornherein weg. Vielleicht kamen deshalb Begriffe wie "stiller Stuhl" oder "stille Treppe" immer mehr in Mode, bei denen es sich um ein ähnliches Prinzip wie beim Hausarrest handelt. "Der stille Stuhl ist eine Methode, die ganz oft falsch angewendet wird. Nur im Ausnahmefall, wenn ein verhaltensauffälliges Kind überhaupt nicht mehr zu beruhigen ist, kann der stille Stuhl hilfreich sei." Als Ort der Beruhigung, nicht aber als Demütigung. Drohungen und Liebesentzug dürfen auch hier keine Rolle spielen. Uta Reimann-Höhn erlebt den stillen Stuhl als beinahe tägliches Instrument, um Kinder zu dominieren. "Er ist mit dem Hausarrest vergleichbar. Es handelt sich um zwei fragwürdige Erziehungsmethoden, die oft in falschen Situationen aus Hilflosigkeit und Unsicherheit angewendet werden." Und die beide meist zu nichts anderem führen als zu einer Verstärkung der bereits vorhandenen Krise.

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