Startseite
Sie sind hier: Home > Eltern > Erziehung >

Wenn Papa in den Knast muss - Angebot für Kinder läuft gut an

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Wenn Papa in den Knast muss - Angebot für Kinder läuft gut an

06.10.2011, 13:52 Uhr | dpa

Wenn Papa in den Knast muss - Angebot für Kinder läuft gut an. Das Eltern-Kind-Projekt "Chance" möchte Kindern helfen. (Foto: dpa)

Das Eltern-Kind-Projekt "Chance" möchte Kindern helfen. (Foto: dpa)

Wenn der Vater ins Gefängnis muss, leiden oft Unschuldige mit: Kinder müssen nicht nur mit dem Verlust klarkommen, sondern auch mit dem Verbrechen ihres vermeintlichen Vorbilds. Das "Eltern-Kind-Projekt Chance" will ihnen helfen.

"Mein Vater ist in Serbien"

Wenn Tobias gefragt wird, wo sein Vater ist, sagt er immer: "In Serbien." Die Wahrheit ist für ihn zu schmerzhaft - und peinlich. Der Junge war gerade elf Jahre alt geworden, als eines Morgens bewaffnete Polizisten seinen Papa mitnahmen. Was folgte, war noch schlimmer: Der Vater musste wegen Drogenhandels in den Knast. Sieben Jahre lautete das Urteil, berichtet Tobias' Mutter. Jetzt müsse der Junge nicht nur die Trennung verkraften, er habe auch das Gefühl, für seine Mutter stark sein zu müssen - als "Mann im Haus".

"Warum hat er das getan?"

Vor allem aber quäle ihn eine Frage: "Warum hat er das getan?" Das Projekt Chance hilft ihm und seiner Familie, mit der neuen Situation zurecht zu kommen. Der Große leidet am meisten, sind sich die psychologische Beraterin Nicole Winkler (42) und Tobias' Mutter Milana Stojic (Name geändert) einig. Die 32-Jährige berichtet: "Er hat oft auf dem Heimweg vom Gefängnis geweint." Tobias sei ein ausgesprochen höfliches Kind, berichtet die Betreuerin. Er lässt seine kleinen Geschwister (drei und fünf Jahre) reden, die Erwachsenen auch. Zum Ende der Besuchszeit hatte er oft kaum mit seinem Vater gesprochen.

Eltern-Service 
Nützliche Tools für Eltern

Unsere kostenlosen Rechner, Kalender und Checklisten erleichtern Ihren... mehr

Nicole Winkler reagierte sofort - und fädelte Einzelbesuche ein. Auf Tobias liegt ihr Hauptaugenmerk. Er ist älter als seine Geschwister und nimmt schon stärker wahr, was um ihn herum passiert. Außerdem steuert er auf die Pubertät zu.

Die Kinder stehen im Mittelpunkt

"Beim Eltern-Kind-Projekt Chance stehen immer die Kinder im Mittelpunkt, und nicht die Eltern", macht Winkler deutlich. In 20 Städten im Südwesten gibt es Anlaufstationen des flächendeckenden Projektes, mit dem Baden-Württemberg nach Angaben von Koordinator Horst Belz Neuland betritt. Seit Mai wurden rund 25 Betreuer geschult, im Juli ging es los. Seitdem haben sich laut Belz 20 Familien angemeldet.

Ziel ist, Kindern die Trennung von einem inhaftierten Elternteil zu erleichtern - und später auch die Wiedervereinigung. Die Baden-Württemberg-Stiftung unterstützt das Projekt mit 500.000 Euro, verteilt auf drei Jahre. "Wenn das Eltern-Kind-Projekt ähnlich erfolgreich wird, wie das Nachsorgeprojekt Chance, dann geht es später sicher in eine Regelfinanzierung über", sagt Belz zuversichtlich.

Manchmal ist der Abstand vom Vater besser

Nicole Winkler weiß, dass die Situation oft noch komplizierter ist, als bei der Familie Stojic. Manchmal ist es für die Kinder sogar besser, Abstand zum Vater zu halten. Nicht selten würden die Väter über die Kinder nur den schnelleren Weg in die Freiheit suchen. Bei den Stojics sei dies nicht der Fall, sagt sie. Sie will "das Drama mit den Kindern aufarbeiten" und ihnen zeigen, dass der Mann im Gefängnis noch ihr Papa ist und sie liebt.

Kinder wollen Väter nicht mehr sehen

Doch Winkler weiß: "Die Frage 'Warum hast Du das gemacht?' muss beantwortet werden." Der Elfjährige sei enttäuscht und zum Teil auch wütend auf seinen Vater, erzählt die Mutter. Beim Prozess habe er gesagt: "Wenn er zehn Jahre ins Gefängnis muss, dann braucht er gar nicht mehr zu kommen." Durch ein Faltblatt im Gefängnis hat sie schließlich von dem Projekt erfahren - und war begeistert: "Es ist toll, dass es so etwas gibt."

Geheimnis belastet Elfjährigen

Winkler legt ihre Hand dafür ins Feuer, dass selbst Milana Stojic nichts von den Drogengeschäften ihres Mannes gewusst hat. "Ich wusste nur, dass er Drogen nimmt. Er hat mir versprochen, damit aufzuhören", beteuert die Mutter. Als damals Polizisten ihr Haus stürmten, sei für sie und die Kinder eine Welt zusammengebrochen. Tobias habe heute noch Alpträume. Hinzu komme die Scham, wenn er von Klassenkameraden nach seinem Vater gefragt werde. "Es ist ganz schlimm, dass er mit elf Jahren so ein Geheimnis hat."

 

 

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Die besten Videos des Jahres 2016 
Passant entlarvt angeblichen Beinamputierten

Misstrauisch werden die vermeintlichen Beinstümpfe befühlt. Video

Anzeige

Shopping
Shopping
Nur heute und nur für die 1.000 schnellsten Besteller

tolino page eBook-Reader zum Schnäppchenpreis von nur 49.- € statt 69.- € bei Weltbild.de. Shopping

Shopping
iPhone 7 32 GB im Tarif MagentaMobil L mit Handy

Nur 99,95 €¹. Nur online: 24 Monate 10 % sparen! bei der Telekom Shopping

Vernetzung
Christmas Shopping: Jetzt 15,- € Gutschein sichern!

Nur bis zum 14.12.16. Erfahren Sie mehr zur Aktion auf MADELEINE.de.

tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de

Anzeige
shopping-portal