Startseite
Sie sind hier: Home > Eltern > Erziehung >

Studie: Sexueller Missbrauch von Kindern nimmt ab

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Sexueller Missbrauch von Kindern nimmt ab

18.10.2011, 15:17 Uhr | AFP, dpa

Studie: Sexueller Missbrauch von Kindern nimmt ab. Leichter Rückgang beim Missbrauch von Kindern - jedoch kein Grund zur Entwarnung. (Quelle: dpa)

Leichter Rückgang beim Missbrauch von Kindern - jedoch kein Grund zur Entwarnung. (Quelle: dpa)

Die Fälle von Missbrauch an Kindern und Jugendlichen gehen ein wenig zurück, wie eine neue Studie zeigt. Aber Entwarnung wollen die Forscher nicht geben. Auch wenn die Gesellschaft aufmerksamer geworden ist.

Leichter Rückgang

Eine neue Studie verzeichnet einen leichten Rückgang des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen. Bei einer repräsentativen Befragung von rund 11.500 Menschen berichteten 6,4 Prozent der Frauen und 1,3 Prozent der Männer von einem Missbrauch mit Körperkontakt vor ihrem 16. Geburtstag. Verglichen mit einer repräsentativen Studie aus dem Jahr 1992 seien die Zahlen gesunken, sagt der Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN), Christian Pfeiffer, am 18.10. in Berlin. Damals hatten 8,6 Prozent der Frauen und 2,8 Prozent der Männer einen Missbrauch mit Körperkontakt bis zum 16. Lebensjahr angegeben.

Öffentliche Aufmerksamkeit ist gestiegen

Pfeiffer führte die Entwicklung darauf zurück, dass die öffentliche Aufmerksamkeit und Anteilnahme für die Leiden der Opfer gestiegen sei. Zudem hätten Internate, Schulen, Sportvereine und kirchliche Einrichtungen häufig Maßnahmen umgesetzt, um Kinder besser zu schützen. "Potenzielle Täter erfahren dadurch auch, dass sich ihr Risiko der Tataufdeckung erhöht hat", heißt es in der Studie. Zudem seien die Opfer häufiger bereit, die Täter anzuzeigen. "Während in den 80er Jahren im Durchschnitt nur jeder zwölfte Täter mit einem Strafverfahren rechnen musste, gilt das heute für etwa jeden dritten." Das habe offenbar eine abschreckende Wirkung auf Täter.

Größte Untersuchung seit 1992

Die Abnahme bestätige sich auch, wenn die verschiedenen Altersgruppen betrachtet würden: So hätten heute acht Prozent der befragten 31 bis 40 Jahre alten Frauen einen Missbrauch mit Körperkontakt bis zum 16. Geburtstag erlitten. Bei den 21 bis 30 Jahre alten Frauen seien es 6,4 Prozent, und bei den 16- bis 20-Jährigen 2,4 Prozent.

Für die Studie wurden zwischen Januar und Mai bundesweit 11.500 Menschen zwischen 16 und 40 Jahren dazu befragt, ob sie Opfer von Straftaten geworden sind. Davon berichteten 683 Menschen, vor ihrem 16. Lebensjahr einen sexuellen Missbrauch erlebt zu haben. Darunter waren 473 Befragte, die einen Missbrauch mit Körperkontakt angaben.

Noch keine Entwarnung

Pfeiffer betonte aber, dass keine Entwarnung gegeben werden könne. "Jedes Kind, das Opfer wird, ist eines zu viel." Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) sagt, die öffentliche Debatte über dieses Thema werde Betroffene weiter darin bestärken, die Taten anzuzeigen.

Sexueller Missbrauch in der Familie am häufigsten

Als häufigste Täter wurden Onkel, Stiefväter oder Väter genannt. Auch Nachbarn und Freunde der Eltern gehören der Studie zufolge außergewöhnlich oft zum Täterkreis. Der Rückgang sexuellen Missbrauchs betreffe vor allem die Taten in Familien. "Das Risiko, von unbekannten Tätern missbraucht zu werden, ist über die letzten drei Jahrzehnte weitgehend konstant geblieben", heißt es.

Missbrauch durch katholische Priester geht zurück

Zwei Ergebnisse überraschten die Forscher: Von den 683 Opfern berichtete nur eines von einem Übergriff durch einen katholischen Priester. "Einen Rückgang des Missbrauchs unter katholischen Priestern hat bereits eine Studie in den USA festgestellt", berichtet Pfeiffer. In den USA werde er darauf zurückgeführt, dass es für Priester heute leichter sei, trotz des Zölibats einen erwachsenen weiblichen oder männlichen Partner zu finden. "Pädophile Täter waren immer eine Minderheit. Meistens handelte es sich um Ersatzhandlungstäter."

Türkische Mädchen sind außerhalb der Familien besser geschützt

Weiterhin lag der Prozentsatz missbrauchter türkischer Mädchen deutlich niedriger als bei deutschen oder russlanddeutschen Mädchen (1,7 Prozent im Vergleich zu 7,2 Prozent). Diese Differenz ergebe sich dadurch, dass die Mädchen stärker vor sexuellen Übergriffen außerhalb der Familie geschützt würden, glaubt Pfeiffer. Während innerhalb der Familie die Situation vergleichbar mit der in deutschen oder russlanddeutschen Familien sei, würden türkische Väter und Brüder besser darauf achten, dass außerhalb nichts passiert. "Das Ideal, jungfräulich in die Ehe zu gehen, motiviert offenbar, die Mädchen zu schützen", so Pfeiffer.

Anlaufstellen für Betroffene

Hilfe und Beratung finden Betroffene und Angehörige bei einer Vielzahl von Adressen. Hier eine kurze Übersicht:

Lokale Beratungsstellen finden:

  • Seit 2010 gibt es die unabhängige Beauftragte  der Bundesregierung zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs. Diese kostenlose Anlaufstelle kann Betroffene auch an lokale Angebote weitervermitteln (www.beauftragte-missbrauch.de).

  • Informationen und Kontaktadressen für Opfer von sexueller Gewalt sowie für Angehörige bietet bundesweit der Verein Wildwasser an. Über die Postleitzahlen-Suche lassen sich Anlaufstellen in der Nähe finden (www.wildwasser.de/adressen/alle.shtml). 

Online-Beratung:

  • Unter www.hilfe-missbrauch.de gibt es die Möglichkeit einer Online-Beratung. Die Seite ist ein Angebot der katholischen Kirche. 

Telefonseelsorge:

  • Erste Hilfe bietet auch die Telefonseelsorge. Die kostenlose Hotline ist rund um die Uhr erreichbar unter 0800 - 111 0 111 oder 0800 - 111 0 222.

Anlaufstellen für Frauen:

  • Die Hilfsorganisation Terre des Femmes kümmert sich unter anderem um Frauen, die sexuell missbraucht wurden. Informationen und Kontakt gibt es unter www.frauenrechte.de.

  • Schnelle Hilfe und Kontakte zu Frauenhäusern gibt es außerdem unter www.frauennotruf.de.

Anlaufstellen für Männer:

  • Ein Hilfsangebot für Jungen und Männer, die sexuell missbraucht wurden, ist der Verein Tauwetter. Kontaktadressen gibt es unter www.tauwetter.de.

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Neue Kommentare laden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Brutale Methode 
Therapie mit langer Nadel nichts für schwache Nerven

Diese Behandlung ist garantiert nichts für zartbesaitete Menschen. Video

Anzeige

Shopping
tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de

Anzeige
shopping-portal