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Wie viel Emotionen Erziehung braucht

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Nicht nur auf Ratgeber verlassen  

Wie viel Gefühl braucht gute Erziehung?

14.01.2015, 09:12 Uhr | Nadja Kaufmann, t-online.de

Wie viel Emotionen Erziehung braucht. Erziehung ganz ohne Emotionen ist weder möglich noch wünschenswert. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Erziehung ganz ohne Emotionen ist weder möglich noch wünschenswert. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Es gibt Ratgeber für alle Themen der Erziehung: der Online-Versandhandel Amazon listet über 7000 Titel mit Erziehungstipps für Rat suchende Eltern auf. Die Vielfalt an Elternkursen ist groß und das Fernsehen überflutet Eltern mit Ratschlägen. Immer mehr Eltern verlassen sich heute nur noch auf Expertenmeinungen. Aber bleiben so nicht die Emotionen auf der Strecke?

"Beim Lesen von Ratgebern oder Anschauen von TV-Sendungen sind die eigenen Emotionen in dem Moment nicht so im Vordergrund", erklärt Dr. Regine Wersich. Im Erziehungsalltag sind sie jedoch immer vorhanden, so die Leiterin des Zentrums für Beratung und Therapie (ZBT) Wiesbaden. "Wir können unsere Gefühle ja nicht an- oder abschalten. Manche Situationen sind hochemotional, andere weniger. Das kennen alle Eltern."

Wollen sich Eltern an Ratgeber halten, kommen Gefühle und Intuition in der Erziehung häufig zu kurz. Ulrich Gerth, Vorsitzender der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (BKE) kennt das Problem: "Durch die Flut von Möglichkeiten kommen Eltern manchmal nicht auf die einfachen Lösungen. Sie sollten erst einmal nach Innen hören und auf ihr Gefühl vertrauen", rät der Diplom-Psychologe.

Was tun, wenn die Ratgeber versagen?

Erziehungsratgeber oder Elternkurse können nach Meinung der Experten sehr hilfreich sein. Eltern erhalten Tipps, welche Themen für Kinder in welchem Alter anstehen und wie sie damit gut umgehen können. Gerth warnt dennoch vor einigen Gefahren: "Es kann nämlich nach hinten losgehen." Dann nämlich, wenn der Ratschlag aus dem Buch in der Praxis nicht funktioniert. "Passiert das häufiger, sollten Eltern nicht die Hoffnung aufgeben, sondern eine Beratungsstelle aufsuchen, um eine maßgeschneiderte Lösung zu bekommen", so der Experte.

Eltern haben einen Anspruch auf kostenlose Beratung

Doch nicht nur, wenn der Tipp aus dem Buch nicht umgesetzt werden kann, ist professionelle Hilfe notwendig. "Wenn es Eltern wiederholt passiert, dass sie die Kontrolle verlieren und sich zum Beispiel gewalttätig verhalten, brauchen sie selbst Unterstützung in einer Beratungsstelle", erklärt Wersich.

Erziehungsberatungsstellen gibt es in vielen Städten. Auf diese kostenlose persönliche Beratung haben Eltern sogar einen Rechtsanspruch. Eine andere Möglichkeit: Eltern, die den direkten Weg zu einer Erziehungsberatungsstelle scheuen, können sich Hilfe im Internet holen. Die BKE bietet auf ihrer Website Chats, Foren und Einzelberatung mit erfahrenen Fachkräften.

Zoff und Geschrei reduzieren

Emotionen sind in der Erziehung allgegenwärtig. Einmal ist es das morgendliche Trödeln vor Kindergarten oder Schule, ein andermal ist es der abendliche Kampf ums die Schlafenszeit - viele Eltern sind in solchen Situationen sehr gefordert, weil ihr Kind nicht tut, was es nach Ansicht der Eltern soll. Die Emotionen kochen hoch, es kommt zu lautem Geschrei und der Nachwuchs blockt erst recht ab. Doch wie können Eltern ihr Kind in dieser Situation dazu bringen, etwas zu tun, ohne gleich auszurasten und Sohn oder Tochter anzuschreien?

"Eltern werden es nicht verhindern können und in einer solchen Situation auch mal schreien", erklärt Gerth, "aber sie müssen sehen, dass sie dies reduzieren." Hilfreich sei zum Beispiel, eine Beobachterstellung einzunehmen. Eltern sollten sich klar machen, wie die Situation eskaliert ist. Sein Ratschlag: "Unbedingt stoppen! Entweder geht der Erwachsene aus dem Zimmer, oder er stoppt zumindest innerlich", so der BKE-Vorsitzende. Am besten stellen sich Eltern die Frage: "Will ich hier weitermachen oder mache ich einen Break und fange in einer halben Stunde noch mal von vorne an?", rät Gerth.

"Nobody is perfect"

"Eltern sollten lernen, ihre Emotionen nicht zu unterdrücken, aber so mit ihnen umzugehen, dass kein nachhaltiger Schaden entsteht", beschreibt Wersich die Balance zwischen Gefühl und Verstand. "Haben Eltern dann doch mal überreagiert, ist es wichtig, hinterher mit den Kindern das Gespräch zu suchen", rät die Psychotherapeutin. "Besprechen Eltern die Situation und gestehen eigene Fehler auch mal ein, ist das auch für die Kinder ein Vorbild im Sinne von 'nobody is perfect'", so die ZBT-Leiterin weiter.

"Erziehung ohne Emotionen geht nicht": Eltern müssen Mittelweg finden

Ob Kopf oder Bauchgefühl, die Experten sind einhellig der Meinung, dass ein Mittelweg gefunden werden muss. "Eltern sollten nach innen hören und sich fragen, was sagt mir mein Gefühl", empfiehlt Gerth. Und auch Wersich erklärt: "Erziehung ohne Emotionen geht gar nicht." Der Versuch emotionslos zu erziehen wirkt auf Kinder lieblos und teilnahmslos und sie denken dann "meinen Eltern bin ich egal". Kinder sollen sich geliebt fühlen. "Das geht nur, wenn sie die Eltern engagiert und emotional beteiligt erleben", sagt die Leiterin der Wiesbadener Beratungsstelle.

Schädlich sind dauerhaft überbordende Emotionen wie übermäßige Behütung, gewaltsames Durchsetzen von Grenzen oder das Instrumentalisieren von kindlichen Bedürfnissen für eigene Zwecke. "Überschießende Emotionen sollte man kontrollieren", so Gerth.

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