Startseite
Sie sind hier: Home > Eltern > Erziehung >

Orientierung im Mediendschungel: Alterskennzeichnungen für Kids sind keine Gütesiegel

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Orientierung im Mediendschungel  

Alterskennzeichnungen für Kids sind keine Gütesiegel

31.05.2016, 09:20 Uhr | Nicola Wilbrand-Donzelli, t-online.de

Orientierung im Mediendschungel: Alterskennzeichnungen für Kids sind keine Gütesiegel. Alterskennzeichnungen: Sind sie wirklich eine Hilfe?  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Alterskennzeichnungen: Sind sie wirklich eine Hilfe? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Kinder müssen vor jugendgefährdenden Inhalten geschützt werden. Um dies zu gewährleisten, gibt es in Deutschland in Stufen eingeteilte Alterskennzeichnungen, die für Eltern die Orientierung erleichtern. Doch was bedeuten solche Einstufungen und wie sinnvoll und wirkungsvoll sind sie? Hier finden Sie "Kriterien für gute Medien".

"Ab 0", "ab 6" oder "ab 12" … Mit Aufdrucken wie diesen auf Filmhüllen, Spielen oder Büchern werden Eltern immer dann konfrontiert, wenn sie für oder mit ihren Sprösslingen ein geeignetes Medium aussuchen. Denn diese Zahlen zeigen das Alter an, ab dem das entsprechende Medium genutzt werden kann.

Die gesetzliche Grundlage für solche Angaben ist der Jugendmedienschutz. Er soll sicherstellen, so formuliert es die Enquete-Kommission des Bundestages, "dass Medieninhalte nicht verbreitet werden, die das körperliche, geistige oder seelische Wohl von Kindern oder Jugendlichen beziehungsweise die Entwicklung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit beeinträchtigen könnten."

Geburtsterminrechner 
Wann kommt mein Kind auf die Welt?

Rechnen Sie hier ganz einfach den ungefähren Termin der Geburt aus. mehr

Alterseinstufungen passen nicht bei jedem Kind

Die auf den Medien vermerkten Altersgrenzen sind zwar auf den ersten Blick als Orientierung hilfreich, doch die starren und stufenartigen Angaben haben auch Nachteile, weiß die Münchner Medienpädagogin Maya Götz, Leiterin des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend-und Bildungsfernsehen (IZI) beim Bayrischen Rundfunk.

"Das Problem bei den Altersgrenzen ist, dass sie nicht unbedingt immer passen. Denn jedes Kind hat einen anderen Charakter und entwickelt sich individuell. Manchmal kann beispielsweise eine dreijähriges Kind Spannung sehr gut aushalten, während ein sechsjähriges Kind bei derselben Geschichte schon explodiert und es nicht mehr aushält." So kann es genauso sein, dass ein Zehnjähriger überfordert, ein Gleichaltriger jedoch unterfordert ist, obwohl beide dieselbe Lektüre hatten.

Verlage setzten Altersgrenzen oft zu niedrig an

Die Altersempfehlungen, die es bei Kinder- und Jugendliteratur gibt, sind kaum reglementiert. Eine unabhängige Kommission existiert in Deutschland nicht, genauso wenig wie verbindliche Vorgaben. So gilt als ein gängiger Richtwert in der Branche das Alter der Hauptperson einer Geschichte.

Ansonsten bleibt die Einstufung, die noch Handlung, Sprache, Thema und Komplexität des Buches berücksichtigen, den Verlagen überlassen. Sie können nach Belieben Empfehlungen aussprechen. Dies tun sie allerdings, das haben verschiedene Studien gezeigt, mit einem Hang dazu, das geeignete Einstiegsalter systematisch zu niedrig anzusetzen.

Vergleicht man die Eigenempfehlungen der Verlagshäuser mit neutralen Empfehlungen, wie sie etwa die "Stiftung Lesen" ausspricht, sind zwei Jahre Differenz eher die Regel als die Ausnahme. Warum dies so ist, erläutert Hans-Heino Ewers vom Institut für Jugendbuchforschung an der Universität Frankfurt im "Buchreport".

"Einerseits müssen die Verlage die Angemessenheit des Buches für die anvisierte Lesegruppe im Auge behalten, andererseits müssen sie die Absetzbarkeit des Buches berücksichtigen. Wenn die Zielgruppe zu eng definiert ist, wird dadurch ein Stück weit der Absatz beeinträchtigt."

Den Rat bei fachkundigen Buchhändlern einholen

Hinzu kommt, dass Eltern meist davon ausgehen, dass ihr Kind relativ weit entwickelt ist und deshalb oft gemäß des Mottos "Mein Kind kann das schon" zu Büchern greifen, die von der Empfehlung her über dem tatsächlichen Lebensalter des Nachwuchs liegen. Aus diesem Grund ist eine Beratung durch den Buchhändler sehr sinnvoll, meint Ewers.

"Buchhändler gehen meist sehr frei mit den Vorgaben der Verlage um. In der Regel kennen sie ihre Kundschaft und nehmen genau Einblick in das Buch und  können so sehr individuell reagieren. Und das ist gut so." Der Akt der Vermittlung eines Buches an den jungen Leser, sei nämlich, so erläutert der Experte weiter, auch immer ein Vorgang, der einen gewissen Spielraum brauche.

Neue Software zur objektiven Beurteilung von Büchern

Um eine objektivere Einschätzung bei Jugendbüchern möglich zu machen, hat nun eine Gruppe Konstanzer Softwarespezialisten ein Programm entwickelt, das Eltern bei der altersgerechten Auswahl von Büchern für ihre Kinder unterstützten soll. Dafür haben die Informatiker Johannes Fuchs und Franz Wanner einen Kriterienkatalog zusammengestellt, der wichtige Aspekte für eine Altersempfehlung widerspiegelt.

Das Programm analysiert eingespeiste Texte nach Komplexität der Handlung, positiven und negativen Emotionen, Verständlichkeit der Sprache oder den jeweiligen Themenbereich. Anhand von Balkendiagrammen kann sich der Nutzer dann selbst ein Bild davon machen, welche Passagen beispielsweise Emotionen auslösen. Ermittelt werden die Werte dann über Wörter, die Freude, Trauer oder Hass ausdrücken. Noch gibt es diese Software nur als Prototyp. Für eine allgemeine Nutzung müssten die Verlage ihre Texte digital zur Verfügung stellen.

Altersfreigaben werden staatlich kontrolliert

Strenger als bei Büchern werden die Altersfreigaben bei Kinofilmen, DVDs und Computerspielen mit den Stufen 0, 6, 12, 16 und 18 Jahren gehandhabt. Die Prüfung, für welche Altersstufe ein Film freigegeben wird, führt die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) durch, beziehungsweise entsprechend für Computerspiele die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK).

Diese Gremien werden kontrolliert von den Obersten Landesjugendbehörden (OLJB), die einen Ständigen Vertreter als Vorsitzenden des Begutachtungsverfahrens berufen. Dieser erteilt dann schließlich auf Grundlage der fachlichen Begutachtung die Altersfreigabe, die hier eine verbindliche rechtliche Relevanz hat. Kinobetreiber oder Video- und Spiele-Verleiher beziehungsweise Händler sind dadurch verpflichtet, im Zweifelsfall das Alter der jungen Konsumenten mittels Ausweis zu überprüfen und so dafür Sorge zu tragen, dass die Altersgrenzen auch eingehalten werden.

Alterskennzeichnungen müssen nun größer sein

Um die Altersfreigaben noch deutlicher machen, müssen seit Sommer 2009 die Aufschriften auf Bildträgern und Hüllen wesentlich größer sein. Dadurch sollen sowohl die Kinder als auch die Eltern die Kennzeichnungen früher und intensiver wahrnehmen.

Doch eine Studie von Kommunikationswissenschaftlern der Universität Erfurt über die Wirkung der Alterskennzeichnungen fand heraus, dass vor allem bei Zwölf- bis 13-Jährigen ein unbeabsichtigter Effekt zu beobachten war. Durch die größere Markierung stieg nämlich das Interesse bei den Jugendlichen, eben gerade solche Titel zu nutzen, für die sie eigentlich zu jung sind. Die Forscher nennen dies  "Forbidden-Fruit-Effekt".

Einstufungen sind keine Bewertungen

Über die Qualität der unterschiedlichen Medien sagen solche Alterskategorien jedoch nichts aus und sind deshalb auch nicht als Empfehlungen zu verstehen. Tatsächlich zielt die Freigabepraxis der Bewertungsstellen der FSK und USK nur darauf, Kinder vor Gefährdung durch das jeweilige Medium zu schützen, wie es das Jugendschutzgesetz verlangt.

Eine Freigabe bedeutet also nicht: "ist gut", sondern nur: "schadet nicht". Hier verzichtet das deutsche System der Kennzeichnung darauf, den Konsumenten, also auch Eltern, zusätzlich inhaltliche Kriterien der Alterseinstufung an die Hand zu geben und macht so eine weitergehende Orientierung leider nicht leichter.

Es gibt keine offiziell festgelegten Qualitätskriterien

Gütesiegel für Kinder- und Jugendfilme bietet allerdings die "Deutsche Film- und Medienbewertung" (FBW) in Wiesbaden, eine Einrichtung der Kultusminister der Länder. Hier entscheidet eine 85-köpfige unabhängige Jury von Medienexperten über die Vergabe der Prädikate "wertvoll" und "besonders wertvoll".

Eine solche Qualifikation setzt voraus, dass bei den Filmen auf jeden Fall kindgerechte Unterhaltung geboten und eine positive Botschaft vermittelt wird. Dabei formuliert die FBW in ihren Bewertungskriterien nicht im Einzelnen, welche inhaltlichen und wertebestimmenden Maßstäbe bei Kinder- und Jugendfilmen gelten sollen. Da heißt es allgemein: "Kein Prädikat erhalten Filme, die gegen die Verfassung oder die Gesetze verstoßen oder Persönlichkeitsrechte oder das sittliche oder religiöse Gefühl verletzen."

Medien sollen Kinder in ihrer Entwicklung bereichern

Gegenüber t-online.de beschreibt die Medienwissenschaftlerin und Kinder- und Jugendfernsehexpertin Maya Götz die inhaltlichen Kriterien, die nötig sind, um ein Medium für Heranwachsende als "geeignet" und "gut" zu bezeichnen: "Es müssen immer Themen aufgegriffen werden, die die Kinder bereichern, mit denen sie sich identifizieren können und die ihre Welt betreffen. Auch Geschichten, die Mut machen, sind wichtig, die aber auch Emotionen ansprechen und beispielsweise die Frage beantworten 'wie kommt es, dass ich so traurig bin.'"

Entscheidend für ein gutes Medium sei auch, so die Expertin, dass die Themen nie einseitig sein dürften, den Kindern keine Furcht einflößten und dass keine Abwertung und Diskriminierung gegenüber anderen stattfänden. Dazu gehörten auch Klischees und Rollenbilder.

Doch neben Inhalten sei auch der Umgang mit den Medien sehr wichtig, betont Maya Götz. Hier hätten die Eltern die Pflicht, ihre Kinder vor allem beim Fernsehen frühzeitig zu sensibilisieren: "Klare Regeln aufstellen, ist ebenso wichtig wie auf Inhalte zu achten. Das heißt, die Nutzungszeiten müssen je nach Alter angemessen begrenzt werden. Beim Fernsehen bedeutet das: Ausschalten lernen! Denn Medien sollen Kinder nicht überwältigen!"

FSFgilt künftig auch für die Verbreitung per Internet

Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) hat dem Antrag der FSF auf "Erweiterung ihrer Anerkennung für fernsehähnliche Inhalte in Telemedien" zugestimmt. Demnach können Internetangebote wie Spielfilme, TV-Movies, Fernsehserien oder Dokumentarfilme, die so auch im Fernsehen laufen könnten, der Selbstkontrolle vorab zur Bewertung vorgelegt werden.

"Der Beschluss der KJM stellt eine Ausweitung der Kompetenzen der FSF dar, die ganz im Sinne der zunehmenden Konvergenz der Medien ist", sagte der KJM-Vorsitzende Siegfried Schneider. "Wenn durch die Neuerung künftig mehr Anbieter fernsehähnlicher Inhalte in Telemedien ihre Inhalte vorab der Selbstkontrolle vorlegen, ist das ein Gewinn für den Jugendschutz."

Programmanbieter sind grundsätzlich für den Schutz von Kindern und Jugendlichen selbst verantwortlich. Sie müssen laut KJM die mögliche entwicklungsbeeinträchtigende oder jugendgefährdende Wirkung ihrer Sendungen auf Kinder und Jugendliche in eigener Verantwortung prüfen und entsprechende Schutzmaßnahmen ergreifen.

Dazu haben die Privatmedien die FSF als gemeinnützigen Verein mit dem Ziel gegründet, der "Programmbegutachtung den Jugendschutzbelangen im Fernsehen gerecht zu werden". Seit 1994 lassen die Vereinsmitglieder ihre Programme bei der FSF prüfen, seit August 2003 arbeitet die FSF nach eigenen Angaben als anerkannte Selbstkontrolle im Rahmen des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags (JMStV).

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Dumme Idee 
Sprung auf Hai zeugt nicht gerade von Intelligenz

Diese Aktion hätte auch gerne in die Hose gehen können. Video

Anzeige

Shopping
Shopping
Auf flachen Sohlen - Schuhe für die kühle Jahreszeit

Angesagte Stiefel, trendige Schnürer, klassische Stiefeletten u.v.m. jetzt entdecken bei BAUR.

Shopping
Mit dem Multitalent wird jedes Kochen zum Erlebnis

Krups Multifunktions-Küchenmaschine HP5031: Ihr Partner für kreative Kochideen! bei OTTO.de

tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de

Anzeige
shopping-portal