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"37 Grad": "Gekaufte Kinder - Sex für eine Handvoll Reis"

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"37 Grad": "Gekaufte Kinder - Sex für eine Handvoll Reis"

14.03.2012, 09:40 Uhr | tze, ots, t-online.de

"37 Grad": "Gekaufte Kinder - Sex für eine Handvoll Reis". Der Täter John B. vor Gericht in Landshut in Bayern. (Foto: Manfred Karremann/ZDF)

Der Täter John B. vor Gericht in Landshut in Bayern. (Foto: Manfred Karremann/ZDF)

Bilder hungernder und verwaister Kinder gingen nach dem schweren Erdbeben von 2010 in Haiti durch die Medien und eine Welle der Hilfsbereitschaft rollte an. Doch unter dem Deckmantel der Entwicklungshilfe haben Pädophile die Not der Kinder auf abscheuliche Weise ausgenutzt und in großem Stil Menschenhandel und Kindesmissbrauch getrieben. Auch Deutsche sind daran beteiligt. Die gestern ausgestrahlte Reportage "Gekaufte Kinder - Sex für eine Handvoll Reis" im Rahmen der ZDF-Reihe "37 Grad" verfolgt den Weg eines Kindes aus Haiti, das von Pädophilen bis nach Deutschland geschleust wurde.

Flavio (11) ist nach dem Beben auf sich allein gestellt

Der elfjährige Flavio ist nach dem Erdbeben in Haiti auf sich allein gestellt. Er leidet Hunger und hat kein Dach über dem Kopf, das Schicksal unzähliger Kinder in den Notunterkünften. Ein netter Deutscher bietet Hilfe an, Essen und ein Bett in einem Kinderheim, das er an der Grenze zur Dominikanischen Republik betreibt. Was Flavio nicht weiß: Der Mann hat über Jahre hinweg immer wieder Jungen in Entwicklungsländern missbraucht, und das Kinderheim dient Pädophilen als Tarnung, die das Chaos nach dem Beben und die Notlage von Kindern ausnutzen.

"Ich wollte ein Bett zum Schlafen"

In der ZDF-Reportage schildert der Junge, wie John B. aus Berlin Kontakt mit ihm aufgenommen und ihn geschickt über seine Familienverhältnisse ausgehorcht hat. "Als er mich gefragt hat, war ich hungrig, wollte ein Bett zum Schlafen", sagt Flavio. Deshalb sei er mitgefahren. Dass damit eine Odyssee bis nach Deutschland beginnt, ahnt das Kind nicht.

Am Flughafen München fällt der Schwindel auf

Flavio und andere Jungen werden zunächst in die benachbarte Dominikanische Republik geschleust, dort monatelang in einer Art Hotel untergebracht - und immer wieder missbraucht - ehe ein brasilianischer Schleuser Flavio mit gefälschten Papieren nach Deutschland mitnimmt. Er gibt ihn als seinen Sohn aus, während John B. sich im Hintergrund hält. Am Flughafen München fällt der Schwindel auf. Die Täter müssen sich in ihrer Rolle als Entwicklungshelfer sehr sicher gefühlt haben, denn in ihrem Gepäck findet sich kinderpornografisches Material. John B. wird verhaftet, Flavio als Zeuge an einen sicheren Ort gebracht.

Deutsche Kriminalbeamte ermitteln in Haiti

Weil der Junge offenbar nicht das einzige Opfer ist, fliegen Kriminalbeamte aus Deutschland in die Dominikanische Republik, um dort in einem Armenviertel Kinder zu befragen. Mit Hilfe des Bundeskriminalamtes suchen sie nach weiteren Kindern, die in die Fänge der scheinbaren Helfer geraten sind. Der 58-jährige Ingenieur John B. und der 67-jährige Englischlehrer Johan E. hatten bereits 2005 einen Verein für Migranten in Deutschland und Entwicklungshilfe gegründet. Tatsächlich handelte es sich aber um eine Tarnung für ihre pädophilen Machenschaften.

Falsche Entwicklungshelfer

Dies sein kein Einzelfall, sagt Mechthild Maurer von der Organisation ECPAT (Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung): "Lange Zeit haben wir gedacht, dass sich in der Entwicklungshilfe Menschen zusammenfinden und Spenden sammeln, um Kindern zu helfen. Jetzt beobachten wir, dass Vereine auch zunehmend benutzt werden, um besser an Kinder heranzukommen, und das ist neu."

Menschen hoffen auf bessere Zukunft für ihre Kinder

Dass Kinderschänder in Haiti - und vermutlich auch anderen von Armut geprägten Ländern - ein leichtes Spiel haben, bestätigt in der Reportage Katja Anger von der Kindernothilfe Duisburg. Ihre Organisation hilft Kindern in den Zeltstädten des erdbebenzerstörten Landes - und registriert jedes einzelne, um zu verhindern, dass sie plötzlich spurlos verschwinden wie Flavio. "Weiße werden als generell reich angesehen, deshalb ist es keine Seltenheit, dass notleidende Eltern Deutschen ein Kinder mitgeben wollen, damit es eine bessere Zukunft hat. Es genügt, zu versprechen, dass es Essen bekommt, es ihm gut gehen wird und es die Schule besuchen kann", schildert Anger.

Flavio ist kein Einzelfall

"37 Grad"-Autor Manfred Karremann hat die Polizei in die Dominikanische Republik begleitet und sich dann auf Spurensuche in Haiti begeben. Sein erschreckendes Fazit: Flavio ist bei weitem nicht das einzige Kind, das auf vermeintliche Helfer hereingefallen ist. Viele Kinder landen in Bordellen in der Dominikanischen Republik, andere werden illegal in die USA, Deutschland und andere westliche Länder geschleust. "Ich finde es gut, dass die deutsche Polizei Flavios Fall bis zum Ende verfolgt, um hier ein Zeichen zu setzen", sagt der Leiter der Unicef-Kinderschutzeinheit in Haiti dem Autor.

Verdeckte Recherchen in der Pädophilenszene

Karremann kennt das Milieu, denn er hat bereits 2003 verdeckte Recherchen in der Pädophilenszene unternommen. In der ZDF-Reportage sind Aufnahmen zu sehen, die er heimlich bei deren Treffen gefilmt hat. Darin redet Johan E. freimütig von "seinen Jungs", zwei "kleinen Freunden" um die er sich "kümmert", 13 und 15 Jahre alt. Inzwischen ist der Lehrer vom Dienst suspendiert. John B. brüstet sich auf solchen Treffen mit dem Motiv, Entwicklungshilfe zu leisten und den Kindern helfen zu wollen. So hat er sich eine dubiose Rechtfertigungsstrategie zusammengeschustert.

"Ich will nicht zurück nach Haiti"

Flavios Zukunft ist ungewiss. Derzeit lebt er in Deutschland und lernt die Sprache, aber ob er bleiben kann, ist ungeklärt. "Ich will nicht zurück nach Haiti, da gibt es nichts zu essen. Ich will hier bleiben und zur Schule gehen", sagt er.

Vier Jahre Haft für John B.

John B. ist mit nur viereinhalb Jahren Haft davongekommen - wegen Menschenhandel zum Zwecke sexuellen Missbrauchs und mehreren Fällen schweren sexuellen Missbrauchs. Der "hilfsbreite Deutsche" hat das Leben von Flavio und unzähligen anderen Jungen ruiniert.

Vertrauen in Entwicklungshilfe-Organisationen erschüttert

Menschen wie John B. richten unermessliches Leid bei ihren Opfern und einen immensen Schaden für die globale Gesellschaft an. Indem sie Missbrauch unter dem Deckmantel von Entwicklungshilfe und Nächstenliebe betreiben, erschüttern sie sowohl das Vertrauen der Notleidenden in Krisen- und Kriegsgebieten als auch der Hilfsbereiten in den wohlhabenden Ländern, die die Not mit Spendengeldern lindern wollen.

Seriöse Hilfsorganisationen finden

Wem kann ich noch guten Gewissens Geld spenden? Antworten auf diese Frage und Entscheidungshilfen kann das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) liefern. Das DZI vergibt ein Spendensiegel an Organisationen, die nachweisen können, dass sie Spendengelder verantwortungsvoll und sachgerecht einsetzen.

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