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Zeitung: Facebook arbeitet an Zugang für jüngere Kinder

04.06.2012, 15:34 Uhr | dpa

Zeitung: Facebook arbeitet an Zugang für jüngere Kinder. Facebook ist auch bei jüngeren Kindern sehr beliebt. (Quelle: dpa)

Facebook ist auch bei jüngeren Kindern sehr beliebt. (Quelle: dpa)

Bei Facebook darf man sich offiziell erst ab 13 Jahren anmelden, doch viele jüngere Kinder machen schon mit, weil sie bei der Anmeldung ein falsches Alter angeben haben. Dem "Wall Street Journal" zufolge sucht Facebook nach einem Weg, auch Kinder unter 13 sicher einzubinden.

Profile der Eltern mit denen der Kinder verknüpfen?

Facebook denkt laut einem Zeitungsbericht darüber nach, wie die Altersgrenze für Mitglieder unter die heutigen 13 Jahre gesenkt werden kann. Das Problem ist, dass bereits mehrere Millionen jüngerer Kinder in dem weltgrößten Online-Netzwerk unterwegs sind, weil sie über ihr Alter gelogen haben. Eine aktuell getestete Idee sei, dass die Facebook-Konten der Kinder mit denen ihrer Eltern verknüpft werden, berichtete das "Wall Street Journal". Die Erwachsenen könnten dann entscheiden, mit wem sich ihre Kinder bei Facebook anfreunden und welche Apps sie nutzen dürfen.

Unter 13-Jährige können sich relativ leicht einschmuggeln

Solche Pläne dürften auf kontroverse Reaktionen stoßen. Facebook ist von Politikern und Jugendschützern auch in Deutschland bereits immer wieder dafür kritisiert worden, dass auch Kinder im Alter unter 13 Jahren relativ mühelos in das Netzwerk hineinschlüpfen können. Es gibt zwar einen Mechanismus, der eine Anmeldung verhindern soll, wenn jemand erst ein Alter unter 13 angibt und es dann erhöht. Dafür wird ein sogenanntes Cookie eingesetzt, eine Software-Datei, die auf dem Computer abgelegt wird. Das Verfahren ist jedoch nutzlos, wenn ein Kind sofort ein falsches Alter angibt. Außerdem kann das Cookie gelöscht und ein neuer Anmeldeversuch unternommen werden.

Kinder als lukrative Zielgruppe

Facebook sehe sich gezwungen, eine sichere Nutzung durch Kinder zu ermöglichen, weil schon so viele von ihnen in dem Netzwerk seien. Zugleich würde das Unternehmen sich damit eine große neue Zielgruppe für App-Angebote wie Spiele erschließen. Facebook hatte zuletzt gewarnt, dass der Umsatz langsamer als erwartet steigen könnte, weil so viele Mitglieder die bisher werbefreien Smartphone- und Tablet-Apps nutzen. Das dürfte zu der katastrophalen Entwicklung der Facebook-Aktie beigetragen haben, die in zwei Wochen nach dem Börsengang um mehr als ein Viertel absackte.

Pläne schon länger in der Vorbereitung

Die Zeitung schränkte zwar ein, dass Facebook oft Technologien entwickele, die nie eingeführt werden und es völlig unklar sei, ob die Überlegungen umgesetzt werden. Der Bericht zeigt aber auch auf, dass die Pläne schon länger gären. So habe Facebook bereits im vergangenen Sommer mit Anbietern von Diensten zu Identitätsbestätigung darüber gesprochen, wie man eine nachweislich echte Einverständniserklärung von Eltern bekommen könne. Auch habe es Kontakte zu Anbietern von Kinder-Entertainment wie Disney gegeben.

Fünf Millionen Facebook-Nutzer sind jünger als zehn Jahre

Die Zeitung berief sich auf mehrere US-Studien, die belegen, dass dennoch viele junge Kinder bereits bei dem Online-Netzwerk angemeldet sind. So habe eine von Microsoft finanzierte Erhebung ergeben, dass 36 Prozent der Eltern wussten, dass ihre Kinder Facebook schon ansteuerten, bevor sie 13 wurden - und viele hätten sie dabei sogar unterstützt. Das amerikanische Verbraucherschutzmagazin "Consumer Reports" erklärte im vergangenen Jahr, rund 7,5 Millionen Kinder im Alter unter 13 Jahren seien bei Facebook, davon fünf Millionen jünger als zehn Jahre.

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Bisher keine eindeutige Äußerung von Facebook

Facebook äußerte sich ausweichend zu dem Bericht. "Jüngste Berichte haben verdeutlicht, wie schwierig es ist, im Internet Altersbeschränkungen durchzusetzen - insbesondere wenn Eltern wollen, dass ihre Kinder Zugang zu Online-Diensten und -Inhalten haben", erklärte das Unternehmen der dpa. "Wir sind in einem Dialog mit Beteiligten, Regulierern und anderen politischen Entscheidungsträgern darüber, wie wir Eltern am besten dabei unterstützen können, ihre Kinder in einer sich wandelnden Online-Umgebung zu schützen." Facebook hat nach jüngsten Angaben von Ende März insgesamt gut 900 Millionen aktive Nutzer weltweit.

Das Online-Netzwerk weist Eltern und Lehrer ausdrücklich darauf hin, dass es gegen die Regeln verstößt, wenn sich Kinder im Alter unter 13 Jahren bei Facebook anmelden oder von Erwachsenen angemeldet werden. In Spanien und Südkorea liegt diese Grenze bei 14 Jahren. Zugleich gibt es für Minderjährige schärfere Einstellungen zum Schutz der Privatsphäre. So können sie zum Beispiel ihre Fotos maximal mit Freunden ihrer Freunde teilen, aber nicht ganz öffentlich machen.

Reaktion des Verbraucherschutzministeriums

Holger Eichele, der Sprecher der Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner, betonte: "Es ist unstrittig, dass Facebook größere Anstrengungen unternehmen muss, um den Schutz von Kindern und Jugendlichen zu verbessern." Facebook habe in der Vergangenheit wiederholt angekündigt, die Standards verbessern zu wollen, diesen Ankündigungen aber keine Taten folgen lassen. Dies gelte insbesondere für die Grundeinstellungen, in denen der Verteilerkreis eingeschränkt sein müsse. Das Ministerium würde es begrüßen, wenn der Datenschutz gerade für junge Nutzer erhöht würde.

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