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Erziehung: Onlineberatung für Eltern und Kids trifft den Nerv der Zeit

02.10.2012, 17:29 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Erziehung: Onlineberatung trifft den Nerv der Zeit. Jugendliche mit Problemen  suchen sich Hilfe gern im Internet. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Jugendliche mit Problemen suchen sich Hilfe gern im Internet. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Jede Familie hat das Recht auf Unterstützung, zum Beispiel in Form von Erziehungsberatung. Kostenlos und, wenn man möchte, auch anonym. Aber die Schamschwelle ist hoch. Viele Eltern haben Angst vor einem Termin, fühlen sich wie Versager, empfinden manchmal sogar die Inanspruchnahme einer Beratung als persönliche Kapitulation. Und Jugendliche wissen oft gar nicht, welche Form der Beratung ihnen überhaupt zusteht. Aber das sind nicht die einzigen Gründe, die Familien daran hindern, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Auch Immobilität, ungünstige Arbeitszeiten und kleine Kinder, für die man keine Betreuung organisieren kann, sind wichtige Faktoren. Um dem entgegenzuwirken, hat die Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke) deutschlandweit ein einzigartiges Angebot geschaffen.

bke-Beratung ist auch auf Facebook vertreten und hat eine App

Die wenigsten Jugendlichen kommen freiwillig in eine Beratungsstelle. Sie nutzen lieber das Web. Rund um die Uhr, sieben Tage die Woche kann man sich unter www.bke-jugendberatung.de beziehungsweise www.bke-elternberatung.de einloggen. Neben den Sprechstunden, die zu festen Zeiten stattfinden, gibt es webbasierte Mailberatung, Einzel-, Gruppen- oder Themenchats sowie die Möglichkeit, sich ins Forum einzuklicken. Waren es in den ersten Jahren noch eher die Eltern, die das Angebot nutzten, so hat sich das Blatt jetzt gewendet. "Gerade das Offene des Forums ist eine Form, die Jugendliche für sich entdeckt haben. Aber auch bei der Mailberatung und dem Chat liegen sie momentan vorne", berichtet Heinz Thiery, der Leiter der Onlineberatung der bke.

Anonymität muss zum Schutz aller unbedingt gewahrt werden

"Auf der Jugendseite haben wir einen hohen Prozentsatz an schambesetzten Themen. Und wir haben sehr viele Jugendliche mit traumatischen Erlebnissen, deren seelische Belastung enorm hoch ist. Viele können nachts nicht schlafen und finden genau dann ihren Weg zu uns." Die Anonymität wird dabei immer gewahrt. Zum Schutz für alle User. Selbst, wenn es zu Selbstmorddrohungen kommt: "Wir versuchen in einem solchen Fall klarzumachen, dass Selbstmord keine Lösung ist, aber wir können es nicht verhindern, wenn es einer darauf anlegt. Denn würden wir den User über die IP-Adresse ausfindig machen, würde das die Glaubwürdigkeit des anonymen Angebots zerstören."

Auf erhöhten Gesprächsbedarf wird reagiert

Mit anderen Ratsuchenden in Kontakt zu kommen, kann in gewisser Form einen Selbsthilfecharakter haben. Manche sind bereits Experten ihres eigenen Problems. "Doch im Zuge des persönlichen Drucks werden ohne Hilfe nicht immer die richtigen Entscheidungen getroffen", weiß der Diplompädagoge. "Und genau das ist der Punkt, an dem sich der Moderator mit seinem Fachwissen einschaltet." Die Chats sind nicht nur begrenzt auf zwei Stunden, sondern aufgrund der Überschaubarkeit auch auf zehn bis zwölf Personen und höchstens drei Themen. Taucht bei bestimmten Themen ein erhöhter Gesprächsbedarf auf oder gibt es einen aktuellen Anlass, dann wird speziell dazu ein Chat eröffnet. So wie beim Amoklauf von Winnenden.

Ein Projekt aller Bundesländer

Das Angebot existiert seit 2004, wurde ein Jahr vorher von der Jugendministerkonferenz beschlossen. Finanziert wird es von allen 16 Bundesländern gemeinsam. Die Beratungskräfte werden von freien und kommunalen Trägern der Kinder- und Jugendhilfe aus dem gesamten Bundesgebiet bereitgestellt. Sie brauchen ein abgeschlossenes psychosoziales Studium, eine therapeutische Zusatzqualifikation sowie mehrjährige Berufserfahrung in der Erziehungsberatung, um diese anspruchsvolle Aufgabe auszufüllen. Zusätzlich werden sie vor ihrem Einsatz noch einmal speziell geschult.

55.000 Menschen haben schon Rat gesucht

Dass gerade die Bundeskonferenz für Erziehungsberatung der Träger wurde, lag daran, dass sie sich bereits im Vorfeld im Rahmen eines Pilotprojektes dafür qualifizierte. Heute sind rund 55.000 User dort registriert. Offiziell kann das Angebot zwar erst ab dem 14. Geburtstag in Anspruch genommen werden. Doch prinzipiell gilt: Man sollte einfach die Voraussetzung erfüllen, sein Anliegen formulieren zu können.

Der Moderator übernimmt die Gesprächsleitung

Natürlich gibt es immer wieder eine gewisse Anzahl Benutzer, die falsche Angaben machen, sogenannte Faker. Sie versuchen, mit Unwahrheiten Aufmerksamkeit zu erlangen, oder belasten das Angebot mit widersprüchlichen Angaben, um es zu testen. "Aber erstens haben wir erfahrene Moderatoren, die genau wissen, wie sie mit einer solchen Situation umgehen müssen. Und zweitens haben die anderen User im Lauf der Zeit selbst das Vermögen entwickelt, schnell herauszubekommen, ob Dinge konsistent vorgetragen werden." Versuchen sich beispielsweise Jugendliche als Eltern zu registrieren, dann ist allein der Sprachgebrauch schon verräterisch. Aber das kommt sowieso nur selten vor. Warum auch? Das Angebot stellt doch eine "offene Tür" dar, als Bereich, in dem Jugendliche mit fremden Eltern über ein gemeinsames Thema diskutieren können, und der allen zugänglich ist.

Um zu verstehen, muss man manchmal nur die Perspektive wechseln

Die Erfahrungen damit brachten den Fachverband auf die Idee, ein Buch herauszubringen. Denn weil Emotionen aus dem Spiel bleiben, scheint es viel leichter zu sein, höflich zu bleiben, die Sichtweise oder auch Ideen des anderen anzunehmen und Anregungen für zufriedenstellende Lösungen des Problems in Betracht zu ziehen. "Der Elterncoach" zeigt mithilfe von Beispielen aus dem Netz, dass ein kleiner Abstand zueinander bereits eine ganz andere Gesprächsgrundlage ermöglicht. "Das Zulassen anderer Sichtweisen ist die Grundlage für Verstehen und Verständnis. Eltern und ihre Kinder sind nämlich ziemlich oft in einer Reiz-Reaktionssituation festgefahren und erfahren dann wenig bis gar nichts über das, was im anderen wirklich vorgeht. Da sieht vieles schnell schlimmer aus, als es ist."

Die Jugend von heute ähnelt der Jugend von damals

Heinz Thiery und seine Kollegen wissen aus ihrer alltäglichen Erfahrung, dass die heutigen Jugendlichen gar nicht so verantwortungslos und fürchterlich sind, wie sie häufig hingestellt werden. Und dass sie auch in Zeiten von Internet, Smartphone und Co. meist an den gleichen Problemen zu knabbern haben, wie viele Generationen vor ihnen auch schon.

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