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Kinder ab wann allein lassen: Das sagen Leser

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"In Watte gepackt": Wie viel Eigenständigkeit brauchen Kinder?

04.12.2012, 14:58 Uhr | rev, t-online.de, dpa

Kinder ab wann allein lassen: Das sagen Leser. Allein zuhause: Ab wann können Kinder für eine begrenzte Zeit ohne Eltern zuhause bleiben? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Allein zuhause: Ab wann können Kinder für eine begrenzte Zeit ohne Eltern zuhause bleiben? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Frage, ab welchem Alter man seinen Nachwuchs unbeaufsichtigt lassen darf, führte unter den Lesern unseres Elternportals zu kontroversen Diskussionen. Ist es unverantwortlich Kinder unter acht Jahren allein zu Hause zu lassen? Oder müssen wir unseren Kids aus pädagogischen Gründen so viel Verantwortungsbewusstsein zutrauen? Ein Thema, das Eltern spaltet.

Eltern im Zwiespalt zwischen Sicherheitsdenken und Kindesentwicklung

Im Rahmen ihrer Aufsichtspflicht haben Eltern dafür zu sorgen, dass ihr Kind vor Schaden bewahrt wird und auch selbst niemandem Schaden zufügt. Beim Gedanken, was dem eigenen Kind alles passieren kann beziehungsweise was es anstellen könnte, wenn es unbeaufsichtigt ist, wird es vielen Müttern und Vätern ganz mulmig.

Gleichzeitig müssen Eltern ihren Kindern aber auch die Möglichkeit geben, sich zu entwickeln und selbstständig zu werden. Es ist gesetzlich festgelegt: "Bei der Pflege und Erziehung berücksichtigen die Eltern die wachsende Fähigkeit und das wachsende Bedürfnis des Kindes zu selbstständigem verantwortungsbewusstem Handeln." Das schließt mit ein, den Kindern etwas zuzutrauen - sie zum Beispiel für eine Zeit auch mal allein in der Wohnung zu lassen oder den Weg zur Schule eigenständig bewältigen zu lassen.

"Vertraut euren Kindern!"

Eltern befinden sich in einem Zwiespalt. Sie wollen auf der einen Seite ihre Kinder beschützen, sollen ihnen auf der anderen Seite genügend Freiräume für ihre Entwicklung geben. So verwundert es nicht, dass viele Eltern die Situation unterschiedlich einschätzen.

Ein großer Teil unserer Leser glaubt, dass Kindern heutzutage zu viel abgenommen und dem Nachwuchs somit die Chance genommen wird, eigenständig Erfahrungen zu sammeln:

Mutter: Mir tun die Kinder Leid, die 24 Stunden unter Beobachtung stehen und keine Chance haben, mal etwas auszuprobieren, ohne dass Mutti dabei steht und sagt: Achtung, Nein, Du machst Dich dreckig, usw. Wir wurden früher morgens aus dem Hause gekehrt und abends erst wieder rein gelassen. Wir haben uns dreckig gemacht, uns blaue Flecken geholt, uns geprügelt und vor allem: Wir hatten Spaß! Wir hatten Freunde! Sowas vermiss ich heute! Arme Kinder.

Mona: Meine Tochter ist mit sieben Jahren schon allein in die Schule gelaufen, da ich arbeiten musste. Natürlich hatte ich Angst, aber ich habe sie ihr nicht gezeigt. Heute kann ich sagen: Es hat ihr gut getan, sie ist viel selbständiger als manche Gleichaltrige. Also vertraut Euren Kindern, das tut ihnen gut!

wuffi110: Ich kann natürlich auch die Angst verstehen, trotzdem sollte man versuchen, die Kinder mehr los zu lassen. Denn passieren kann überall was, auch wenn die Eltern dabei sind. Sonst müssen solche Eltern ihre Kinder zu Hause einsperren und in Watte packen, aber bitte sämtliche Möbel aus dem Zimmer nehmen, denn damit kann man sich auch weh tun.

xyz: Das Knebeln und Fesseln der Kinder nicht vergessen, Türen und Fenster verrammeln, alle Ritzen abdichten! Aber dann auch nicht wundern, wenn die Kinder niemals selbstständig werden! Ich wundere mich immer wieder, wie die Menschheit bis heute überleben konnte!? Wir sind früher auch allein geblieben, weil die Eltern arbeiten mussten und das ohne Telefon oder gar Handy. Man kann Kinder nicht vor allen Unwägbarkeiten des Lebens beschützen. Habt mal ein bisschen Vertrauen zu den Kindern!

sagicheuchnich: Eltern haben schließlich auch noch ein Leben! Was ist unverantwortlich daran, Kinder auch mal allein zu lassen. Kinder können nicht rund um die Uhr in Watte gepackt werden. Dann kommt das heraus, was wir heute haben - Allesversteher und ähnliche. Verantwortung heißt auch, Aufgaben abgeben zu können beziehungsweise zu übertragen. Mit dieser weichgespülten Art hilft man den Kindern auch nicht. Sie müssen auf normale Art für das Leben fit gemacht werden.

Hase: Meine Kinder sind schon mit drei und fünf Jahren allein geblieben, immer mit der Info wer wo zu erreichen ist. Musste ich arbeiten, sind sie vom Kindergarten allein nach Hause gelaufen, haben die Tür hinter sich abgeschlossen und mich dann per Kurzwahl auf dem Handy angerufen, um Bescheid zu geben. Es geht alles, man kann Kindern viel zutrauen, wenn man ihnen vertraut und vorher mit ihnen übt. Als sie zur Grundschule gegangen sind und früher zu Hause waren als ich, haben sie angefangen zu kochen. Auch das klappte.

Projekt: In der Pause auf einem Schulhof kann man hautnah miterleben, wie Projektkinder mit Helikoptermüttern aufblühen, weil sie mal für ein paar Stunden ohne Mama sein dürfen.

zorro: Ich bin mit drei Jahren allein in den Kiga, weil ich das so wollte und meine Mutter das im Kiga unterschrieben hat. Meine Mutter hat mich noch zwei Wochen heimlich kontrolliert, ob ich das mit der Hauptstraßenüberquerung alles ordentlich mache und dann war gut! Jetzt darf ich mein Kind nicht mal mehr mit fünf allein in die Kita laufen lassen, sondern erst ab der Schule. Ich habe meine Kleine schon mit zwei allein im Garten spielen lassen und dann alle 15 Minuten geguckt, ob sie auch im Garten bleibt. Sie hat´s von Anfang an kapiert. Mein Kind will das auch. Sie sagt eindeutig, wann sie allein gelassen und nicht bemuttert werden will. Das unterstütze ich und sie honoriert es, indem sie keine Dummheiten macht. In anderen Kulturen klappt das übrigens sehr gut, dass das Kind seinem individuellem Stand nach beurteilt wird und Eigenverantwortung übernimmt. Aber wer will hier schon noch Verantwortung?!


"Sicher ist sicher!"

Doch nicht alle Eltern wollen ihren Kindern so viel Eigenständigkeit zutrauen beziehungsweise zumuten. In diesen Fällen überwiegt das Sicherheitsbedürfnis der Erziehungsberichtigten:

Dani K Aus E (auf unserer "Eltern-Welt" in Facebook): Mit fünf? Um Gottes Willen! Ich würde die mit sieben oder acht noch nicht mal allein lassen!

Antje Merta (auf Facebook): Meine ist zwar erst drei, aber ich lasse sie, glaube ich, nicht mit fünf allein zuhause: Ich geh zwar mal in den Keller und sie bleibt oben, aber dann bin ich ganz schnell wieder da. Vertrau ihr zwar, habe aber mehr Angst um sie und daher ein ungutes Gefühl.

Überlebende: Ich bin in Stuttgart aufgewachsen, meine Eltern sind zwei- bis dreimal im Monat zum Tanzen gegangen und haben mich (damals circa acht) mit meinen Geschwistern (damals fünf und drei Jahre alt) zu Hause gelassen. Mir hat es nicht geschadet, aber heutzutage sind die Kinder ganz anders erzogen und bekommen zu viele negative Einflüsse von anderswo (Fernsehen, Internet, etc.) Ich würde meinen jetzt fast 13-jährigen Sohn nie und nimmer eine ganze Nacht allein zu Hause lassen - nicht mal, wenn er tief und fest schläft.

Erstaunte Mutter: Als in Deutschland lebende Australierin bin ich immer wieder schockiert, mit welchem Leichtsinn Eltern in Deutschland ihre viel zu jungen Kinder allein lassen. Selbständig werden? So ein Quatsch! Ein siebenjähriges Kind für zwei Stunden allein zu lassen, ist unverantwortlich und gefährlich. Warum muss jeder unwichtige Blödsinn im Gesetz hier festgeschrieben werden, aber keine Regelung für die Kinderaufsichtspflicht!?

ivi: Ich habe Vertrauen in mein siebenjähriges Kind, aber keinen in die Psychos, die frei rumlaufen und meinem Kind auf dem Schulweg sonst was antun können. Sicher ist sicher.

5Mädelsmam: In meiner Kindheit waren wir mit sechs, sieben Jahren allein oder in Gruppen im ganzen Dorf unterwegs. Niemand wusste, wo wir waren. Wir waren frei, unsere eigenen Erfahrungen zu machen und haben gelernt unsere Fähigkeiten einzuschätzen. Oft haben wir uns verlaufen oder überschätzt, aber wir haben die Schwierigkeiten immer gelöst, ohne Ausnahme. Leider bringe ich es nicht fertig, heute meinen Kindern die selbe Freiheit zuzugestehen. Eltern müssen ja immer alles ganz genau wissen.

Tine: Unsere Nachbarn sind im Urlaub, die 15-Jährige ist allein und heute Nacht waren zehn Jugendliche zum Saufgelage bei ihr bis heute morgen. Das ist des Öfteren der Fall. Sagt man was, ist man der Dumme, denn angeblich wird dieses Kind zur Selbstständigkeit erzogen.

Nicht das Alter, sondern der Entwicklungsstand ist entscheidend

Zweifellos treffen beide Seiten einen Teil der Wahrheit. Doch Kinder entwickeln sich nicht gleich. Schon deshalb ist es schwer zu definieren, in welchem Alter genau ein Kind so eigenständig ist, dass es allein gelassen werden kann. Der Entwicklungsstand des Kindes, sein Wesen, sein Verantwortungsbewusstsein, aber auch seine Fähigkeit, Gefahrensituationen abzuwägen, sind wesentlich. Entscheidend ist demnach vor allem, ob Eltern in der Lage sind, den Charakter ihres Kindes richtig zu beurteilen.

Das macht es Eltern nicht immer leicht. Immerhin gibt es Richtwerte, die sich durch richterliche Entscheidungen ergeben: Ein Fünfjähriger muss zum Beispiel nicht mehr dauerhaft beaufsichtigt werden und kann auch mal eine Viertel- bis halbe Stunde unbeaufsichtigt spielen. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass ein Kind in diesem Alter auf einem Spielplatz, auf dem Gehweg vor dem Haus oder auf einem Sportplatz spielen darf, ohne auf Schritt und Tritt kontrolliert zu werden. Ab dem Schulalter wird der Gesetzgeber noch großzügiger. Ein siebenjähriges Kind darf man sogar bis zu zwei Stunden allein lassen - immer vorausgesetzt, die Bedingungen stimmen. "Lässt man das Kind allein zu Hause, ist es entscheidend, dass man die angekündigte Rückkehrzeit zuverlässig einhält", rät Hermann Scheuerer-Englisch von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke). Außerdem sollten Kinder wissen, wie sie ihre Eltern erreichen können.

Was denken Sie? Ab wann darf man ein Kind unbeaufsichtigt lassen? Diskutieren Sie mit in unserer "Eltern-Welt" auf Facebook!

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