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Erziehung  

Geschwister-Streit kann Depression auslösen

04.01.2013, 16:46 Uhr | Pressetext, t-online.de

Studie: Geschwister-Streit kann Depression auslösen . Streit unter Geschwistern ist alltäglich, kann aber auch Folgen haben. (Quelle: imago/Christine Roth)

Streit unter Geschwistern ist alltäglich, kann aber auch seelische Folgen haben. (Quelle: Christine Roth/imago)

Geschwisterstreit kann Depression auslösen, das haben Psychologen jetzt in einer Langzeitstudie erkannt. Warum eine verbindliche Hausordnung in den Familien die Kinder vor langfristigen psychischen Problemen bewahren kann, klärt die Studienautorin ebenso, wie die Frage, warum Eltern nicht unbedingt zum Streitschlichter taugen.

Eine Hausordnung kann Geschwisterkonflikten in Familien vorbeugen. Psychologen der University of Missouri haben in einer Langzeitstudie herausgefunden, dass Streit zwischen Geschwistern auch ein Jahr später noch zu psychischen Problemen führen können.

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass Verletzungen des persönlichen Raumes und des Eigentums einzelner Kinder durch die Geschwister zu Ängsten und einem geringeren Selbstwertgefühl führen können. Wir vermuten, dass sich das bis zum Erwachsenenalter erhalten kann", sagt Studienautorin Nicole Campione-Barr. "Konflikte über Gleichheit und Fairness sind verbunden mit schwereren Depressionen, die ein Jahr später auftreten."

Zwei Konfliktfelder: Privatsphäre und Gleichbehandlung

In den meisten Familien ähneln sich die Streitereien, die Auslöser von Konflikten, die Objekte des Geschwister-Zoffs. In diese zwei Kategorien teilen die Forscher die Konflikte ein:

  • Verletzung der Privatsphäre: Beispielsweise das ungefragte Entleihen eines Kleidungsstücks
  • Konflikte bei der Gleichbehandlung und Fairness: Wer darf beispielsweise das nächste Computerspiel auswählen und spielen?


Eltern als Streitschlichter

Die Forscher beleuchteten auch die Rolle der Eltern: "Auch wenn Eltern als Streitschlichter agieren können, unsere Befragungen zeigen, dass elterliche Eingriffe dem Geschwisterkonflikt sogar schaden können", sagt Campione-Barr. "Unsere Forschungsergebnisse legen nahe, dass die Festlegung von Hausregeln das beste Mittel sein kann, um Streitigkeiten zwischen den Kindern und Jugendlichen beizulegen und nicht den Eindruck zu erwecken, sie hätten ein Lieblingskind", so die Expertin.

Tipps zur Konflikt-Entschärfung

Solche Regeln könnten etwa lauten: Wer in das Zimmer des anderen Kindes gehen möchte, sollte vorher anklopfen. Oder: Tagebücher sind absolut tabu. Festgelegte Zeiten zur Nutzung von Spielen, TV oder Musikhören können ein weiterer Aspekt zur Krisenentschärfung in Familien sein, ebenso ein Kalender, der festlegt, wer aus der Familie wann und wie oft bestimmte Aufgaben (Spülmaschine ausräumen, Müll und Flaschen entsorgen) übernehmen muss.

Würden Eltern feststellen, dass ein Kind immer den Kürzeren zieht, sollten sie eingreifen, mahnt Campione-Barr, im Zweifelsfall sogar therapeutische Hilfe suchen, damit sich nicht ein Kind zu stark unterordnet.

Depressive Stimmungen, Ängste und Selbstwertgefühl

Campione-Barr und ihre Kollegen untersuchten 145 Geschwisterpaare über ein Jahr lang. Die Kinder waren durchschnittlich zwischen zwölf und 15 Jahren alt. Die Jugendlichen bewerteten zunächst die Häufigkeit und Intensität der Konflikte mit ihren Geschwistern. Ein Jahr später wurden die jungen Menschen ein zweites Mal befragt, diesmal zu depressiven Stimmungen, Ängsten und ihrem Selbstwertgefühl.

Geschwisterbande halten ein Leben lang

Im nächsten Schritt möchte die Forscherin die positiven Aspekte der Beziehung erwachsener Geschwister untersuchen. "Denn starke und gesunde Familienbeziehungen sind enorm vorteilhaft im späteren Leben", sagt Campione-Barr. Schließlich gebe es Dinge, die man nur seinen Geschwistern, nicht einmal dem besten Freund oder den Eltern erzählen würde. Das sind die verschiedenen Stufen von Vertrauen zwischen Eltern, Geschwistern und Freundeskreis - ein weiteres Forschungsfeld der Psychologin.

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