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Deutsches Kinderhilfswerk: Kinder von Politik enttäuscht

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Kinder fühlen sich von unseren Politikern im Stich gelassen

21.03.2013, 12:50 Uhr | rev, t-online.de

Deutsches Kinderhilfswerk: Kinder von Politik enttäuscht. Kristina Schröder mit Kindern: Viele Kinder fühlen sich von Politikern übergangen. (Quelle: dapd)

Kristina Schröder mit Kindern: Viele Kinder fühlen sich von Politikern übergangen. (Quelle: dapd)

Kinder und Jugendliche in Deutschland fühlen sich von unseren Politikern im Stich gelassen. Ihre Interessen würden in der Politik nicht ausreichend vertreten, vor allem auf kommunaler Ebene. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Deutschen Kinderhilfswerkes unter Zehn- bis 17-Jährigen.

Politiker zeigen zu wenig Interesse

Zwei Drittel der Kinder und Jugendlichen in Deutschland haben den Eindruck, dass es die Bundesregierung zu wenig interessiert, was junge Menschen denken. Ganz besonders schlecht ist es unter den Kids um das Ansehen der Kommunalpolitik bestellt. Hier haben nur 15 Prozent den Eindruck, dass sich die Lokalpolitiker mit jungen Menschen und deren Anliegen beschäftigen.

Wo Kinder mitbestimmen wollen

Gleichzeitig gaben nur elf Prozent der Kinder und Jugendlichen an, dass es ausreichend Möglichkeiten für sie gibt, am Wohnort oder im Stadtteil Einfluss zu nehmen oder sich politisch zu engagieren.

Die Umfrage zeigt auch, dass es bei Kindern und Jugendlichen ein großes Informationsdefizit bei den Themen Mitbestimmung und Beteiligung gibt: 44 Prozent der Befragten wissen nicht, ob sie auf Entscheidungen vor Ort Einfluss nehmen oder sich politisch engagieren können. Hier ist besonders bemerkenswert, dass die Hauptinformationsquellen in diesem Punkt bei 58 Prozent der Befragten Schule und Lehrer sind. Eltern mit 37 Prozent und Freunde mit 24 Prozent nehmen demgegenüber eine nachrangige Rolle ein. Mit großem Abstand folgen das Internet mit 14 Prozent und Tageszeitungen mit zwölf Prozent.

Das Interesse am politischen Engagement steigt mit zunehmendem Alter der Kinder und Jugendlichen, allerdings nur bis zum Alter von 15 Jahren. Danach ist ein Bruch zu verzeichnen. Mitbestimmen wollen Kinder und Jugendliche am ehesten bei ihrer Freizeitgestaltung, zwei Drittel sehen das als sehr wichtig oder eher wichtig an. Es folgen Mitbestimmungsmöglichkeiten in der Schule mit 59 Prozent und Fragen des Umweltschutzes beziehungsweise der Umweltpolitik mit 56 Prozent.

Deutsches Kinderhilfswerk fordert mehr Mitbestimmungsrecht für Kinder

"Die Politik muss auf allen Ebenen alles daran setzen, das fehlende Vertrauen der Kinder und Jugendlichen herzustellen. Dieser Aufgabe müssen sich Parteien, Parlamente, Regierungen und Verwaltungen gleichermaßen stellen", betont Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes. "Gleichzeitig müssen die Beteiligungsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen in Deutschland dringend ausgebaut und strukturell verankert werden."

Das Recht auf Beteiligung ist in Artikel 12 der UN-Kinderrechtskonvention festgeschrieben. Es sollte laut Krüger zukünftig sichergestellt sein, dass Kinder und Jugendliche bei Entscheidungen, die ihre Interessen berühren, mitreden können. "Insbesondere der Wunsch nach Mitbestimmungsmöglichkeiten in der Schule muss ernst genommen werden und zu Verbesserungen in den Schulgesetzen der Länder führen. Damit stärken wir unsere Kinder und Jugendlichen, die durch Mitbestimmung schon in jungem Alter soziale Kompetenzen entwickeln, als auch langfristig unsere Demokratie" so Krüger weiter.

Viele Kinder kennen ihre Möglichkeiten nicht

Das Interesse an einer Mitarbeit in politischen Gremien, in die auch Jugendliche gewählt werden, oder die Mitarbeit in Parteien ist mit sieben beziehungsweise neun Prozent nur sehr schwach ausgeprägt. Aber auch die Mitarbeit in Jugendparlamenten ist mit zehn Prozent kaum gefragt. Wesentlich besser sieht es hier bei der politischen Mitbestimmung durch internetgestützte Verfahren aus, hier würde sich mehr als jeder Fünfte engagieren. Noch besser steht es um die Mitarbeit bei konkreten Projekten: Immerhin ein Viertel der Kinder und Jugendlichen wäre hier gerne aktiv. Beachtlich ist aber mit 50 Prozent auch der hohe Anteil derjenigen, die sich nicht politisch engagieren wollen.

Jugendparlamente fristen nach wie vor ein Schattendasein. 49 Prozent der Kinder und Jugendlichen wissen nicht, ob es in ihrem Ort ein Jugendparlament gibt, weitere 29 Prozent gaben an, dass es kein Jugendparlament gibt. Dabei halten andererseits 48 Prozent der Befragten ein Jugendparlament für eine gute Idee, nur 13 Prozent finden diese Form der Mitbestimmung uninteressant. Ähnlich verhält es sich mit Kinder- und Jugendbüros. 73 Prozent der Kinder und Jugendlichen wissen nicht, ob es in ihrem Ort ein Kinder- und Jugendbüro gibt. Von diesen Befragten halten gleichzeitig 55 Prozent der Befragten eine solche Einrichtung für eine gute Idee.

Es besteht offensichtlich eine Kluft zwischen dem Wunsch nach Mitbestimmung und dem hierfür notwendigen Know-how. Viele Kinder und Jugendliche wollen sich politisch engagieren, doch wie beziehungsweise in welchen Institutionen ihnen das ermöglicht wird, ist nicht bekannt. Hier bedarf es mehr Aufklärungsarbeit - die Kinder müssen ihre Möglichkeiten und Rechte kennen.

In der Schule mitreden

Um die Mitbestimmung in der Schule ist es nach Ansicht der Kinder und Jugendlichen sehr schlecht bestellt. Nur zwei Prozent gaben an, bei vielen Dingen in der Schule mitbestimmen zu können. Immerhin 23 Prozent können bei einigen Dingen mitbestimmen, auf der anderen Seite stehen aber 20 Prozent, die nur bei sehr wenigen Dingen beziehungsweise 55 Prozent, die nach eigenen Angaben gar nicht mitbestimmen können. Dabei beschränkt sich die Mitbestimmung in der Schule vielerorts auf Klassensprecher- und Schülersprecherwahlen oder die Klassenraumgestaltung und Ausflüge. Gleichzeitig dürfen nur acht Prozent bei Themen von Projektwochen und nur zwei Prozent bei der Auswahl von Büchern, die gelesen werden, oder bei der Ausgestaltung der Schul- oder Hausordnung mitbestimmen.

Der Wunsch nach Mitbestimmung in der Schule ist jedoch vorhanden: 55 Prozent der Kinder und Jugendlichen würden hier sehr gerne oder eher gerne mitbestimmen. Dabei steht die Unterrichtsgestaltung mit 23 Prozent an erster Stelle.

Mitbestimmung in Familien - Fehlanzeige

Sogar in der Familie ist die Mitbestimmung nicht sehr ausgeprägt. 48 Prozent der Kinder und Jugendlichen gaben an, dass ihre Eltern sie nach ihrer Meinung fragen und diese auch berücksichtigen. Gleichzeitig werden 37 Prozent zwar nach ihrer Meinung gefragt, jedoch entscheiden die Eltern anschließend unabhängig davon. Immerhin 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen werden von ihren Eltern gar nicht nach ihrer Meinung gefragt.

Für die repräsentative Umfrage zum politischen Engagement von Kindern und Jugendlichen wurden im Auftrag des Deutschen Kinderhilfswerkes deutschlandweit 830 Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis 17 Jahren befragt. Die Umfrage wurde gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

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