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Schulverweigerer erneut zu Geldstrafe verurteilt

22.05.2013, 17:26 Uhr | dpa, t-online.de

Schulverweigerer erneut zu Geldstrafe verurteilt. Geldstrafe wegen Schulverweigerung: Das Ehepaar will gegen die Gerichtsentscheidung vorgehen. (Quelle: dpa)

Geldstrafe wegen Schulverweigerung: Das Ehepaar will gegen die Gerichtsentscheidung vorgehen. (Quelle: dpa)

Ein Ehepaar aus Hessen kämpft seit 20 Jahren gegen die Schulpflicht. Weil die 51 und 47 Jahre alten Eltern ihre Kinder zu Hause unterrichten, wird nun eine Geldstrafe fällig. Dass die strenggläubigen Eltern aus Homberg/Efze ihre Kinder nicht zur Schule schickten, sei rechtlich strafbar, erklärte die Richterin des Amtsgerichts Fritzlar am 22. Mai. Sie verurteilte das Paar, insgesamt 700 Euro zu zahlen. Dem Ehepaar war laut Anklage ein Verstoß gegen das hessische Schulgesetz vorgeworfen worden.

Schulverweigerer: "Wir werden so weitermachen wie bisher"

Das Paar kündigte noch im Gerichtssaal an, gegen die Entscheidung vorzugehen. "Das Urteil kommt nicht überraschend. Wir werden so weitermachen wie bisher", sagte der 51-jährige Vater. "Bevor wir unsere Kinder in eine zweifelhafte Umgebung geben, nehmen wir das lieber selber in die Hand." Er wolle selbst über die Bildungsziele und das Bildungsklima entscheiden.

Kinder haben trotzdem anerkannte Schulabschlüsse

Das Paar kämpft seit 20 Jahren für das sogenannte Homeschooling. Bereits zuvor wurde es zweimal zu Geldstrafen verurteilt. Die jüngeren der neun Kinder werden vor allem von der 47-jährigen Mutter unterrichtet. Die älteren Kinder, die auch zu Hause unterrichtet worden waren, haben über Prüfungen staatliche Haupt- oder Realschulabschlüsse mit sehr guten Noten erreicht und auch Berufsausbildungen absolviert.

Richterin: Schule vermittelt nicht nur Wissen

Die Richterin betonte in ihrer Urteilsbegründung, es gehe beim Unterrichten nicht nur um Wissen, sondern auch darum, sich mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen. Der Erfolg der Eltern sei angesichts der Leistungen der älteren Kinder zwar unzweifelhaft. Es sei allerdings fraglich, ob die Kinder angesichts der Noten nicht auch Abitur hätten machen können. Die Staatsanwaltschaft hatte für das Paar sechs Monate Haft gefordert, weil sie Wiederholungstäter seien. Der Verteidiger des Mannes forderte einen Freispruch, die Anwältin der Frau beantragte eine Geldstrafe.

"Sie versuchen, sich eine kleine eigene Welt zu schaffen", kritisierte Jochen Nagel, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Hessen. Den Kindern mangele es dabei jedoch an einem wichtigen Teil des Bildungsprozesses. Bildung sei ein kollektiver Prozess. "Kinder lernen miteinander und voneinander. Sie lernen die Eigenheiten der anderen zu akzeptieren."

Rund 500 Fälle von Schulverweigerung in Deutschland

Nach Angaben des hessischen Kultusministeriums gibt es maximal drei Familien in Hessen, die das umstrittene Homeschooling betreiben; in der Regel aus religiösen Motiven. Bundesweit gehen Schätzungen von bis zu 500 Kindern aus. Der Hausunterricht sei in dieser Form aber nicht erlaubt, sagte Harald Achilles vom Kultusministerium. "Es gibt eine Schulbesuchspflicht seit 1919." Wenn Eltern sich nicht daran halten, werde zunächst ein Bußgeld fällig. In hartnäckigen Fällen sei auch - wie im aktuellen Fall - ein Strafantrag möglich.

Schulverweigerer aus Baden-Württemberg scheitern mit Asylantrag in USA

In anderen Ländern wie den USA dagegen ist Homeschooling erlaubt und gilt als Elternrecht. Dort lernen Schätzungen zufolge bis zu zwei Millionen Kinder bei ihren Eltern. Ein Paar aus Baden-Württemberg, bibeltreue Christen, beantragte vor Jahren sogar Asyl in den USA, um ihre Kinder zu Hause unterrichten zu können. Ein US-Gericht lehnte den Antrag jedoch ab. In Ausnahmen werden Kinder allerdings auch in Deutschland zu Hause unterrichtet, zum Beispiel wenn sie länger schwer krank sind. "Ziel ist aber, dass sie zurück in den Klassenverband gehen", betonte Achilles.

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