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Erziehung: Vorlaute Kinder wollen "gehört" werden

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Erziehung  

Vorlaute Kinder wollen gehört werden

14.10.2016, 14:24 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Erziehung: Vorlaute Kinder wollen "gehört" werden. Vorlaute Kinder wollen oft nur cool sein. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Vorlaute Kinder wollen oft nur cool sein. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Ihr Kind quatscht dauernd dazwischen, wenn Sie sich mit jemandem unterhalten? Im Kindergarten fällt es als vorlaut und altklug auf? Solches Verhalten kann viele Ursachen haben. Klar ist, dass es andere stört.  Doch ab wann und wie können Kinder lernen, dass sie nicht immer dazwischen quatschen sollen? 

"Etwa zwischen drei und fünf Jahren können Kinder verstehen, dass sie auch mal abwarten müssen", erklärt Maria Große Perdekamp. Sie ist Leiterin der Online-Beratung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung. Bis Kinder das verinnerlicht haben, braucht es aber einige Zeit.

Imponiergehabe im Kindergarten

Typischerweise haben Kinder ihre vorlaute Phase, wenn sie im Kindergarten bereits zu den Großen gehören und das durch eine große Klappe und Kraftausdrücke demonstrieren wollen. Erstens ist es vermeintlich cool, so zu reden und auszuprobieren, wie weit man bei Erziehern und Eltern damit kommt. Zweitens finden die anderen Kinder kleine Frechheiten gegenüber Erwachsenen mutig, lachen über das, was sie sich selbst nicht trauen und bestärken das kleine "Großmaul" damit zusätzlich.

So reagieren Eltern am besten auf das Dazwischenquatschen

Redet das Kind permanent dazwischen, können Eltern erst einmal mit Worten auf die Situation aufmerksam: "Pass mal auf, ich möchte hier noch sprechen", schlägt Große Perdekamp vor. In einer ruhigen Stunde müssen sie noch einmal mit dem Kind über Gruppenregeln und deren inhaltlichen Sinn sprechen.

Auch nonverbal können Eltern reagieren: Etwa indem sie ihr Kind im Moment des Dazwischenredens an die Hand nehmen oder es berühren. So spürt der Nachwuchs: "Ich werde wahrgenommen, und gleich darf ich was sagen." Einen Versuch sei diese Strategie wert, sagt Große Perdekamp.

Generell sollten Eltern aber nicht zu hohe Erwartungen an die Rücksichtnahme ihrer Kinder haben. "Einfach zu sagen "Jetzt warte doch mal eine halbe Stunde", ist unrealistisch." Bei kleinen Kindern bleibe Erwachsenen oft nur: Wichtige und störungsfreie Gespräche auf einen Zeitpunkt zu verschieben, an dem die Kinder nicht dabei sind.

Sucht das Kind Aufmerksamkeit und Anerkennung?

Wenn man ein vorlautes Kind zu Hause hat beziehungsweise von der Kita darauf hingewiesen wird, dass es sich durch vorwitzige oder freche Kommentare wichtig macht, sollten Eltern zunächst überlegen, woher dieses Verhalten kommen kann. Es gibt unterschiedliche Auslöser, auf die Eltern unterschiedlich reagieren müssen.

Quengelt das Kind, weil ihm langweilig ist, oder braucht es gerade Hilfe bei etwas? Ist Langeweile der Grund, können Eltern alternativ ein Spielzeug oder eine Tätigkeit vorschlagen, mit dem sich das Kind einen Moment lang beschäftigen kann.

Oft signalisiere das Dazwischenquatschen ein Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Anerkennung, sagt Erziehungsberater Andreas Engel. "Die Kinder testen verschiedene Rollen und Verhaltensweisen und formen so ihre Persönlichkeit. Sie wollen zum Beispiel cool und groß sein." Aber es könne auch ein Defizit dahinterstecken: Bei vorlauten Kindern - und auch Erwachsenen - ist eine starke Unsicherheit und ein Mangel an Anerkennung als psychologische Hypothese denkbar", meint der Diplompsychologe. 

Das Verhalten nicht belohnen

Eltern vorlauter Kinder sollten ihr eigenes Verhalten und das der Familie selbstkritisch unter die Lupe nehmen. Lässt man andere wirklich ausreden? Neigt man dazu, das Kind zu belehren, wenn es eigentlich nur etwas zeigen oder erzählen will? Und wie ist es mit dem Sprachgebrauch? Zeigt man sich tatsächlich immer respektvoll beim Streit mit dem Partner oder hinter dem Steuer? Auch in dieser Hinsicht sind sollten Eltern gute Vorbilder sein.

Hinzu kommt, dass Eltern nicht selten Verhaltensweisen ihres Kindes, die andere als störend empfinden, fördern. Und zwar, indem sie es - oft unbewusst - durch Belohnung verstärken.

In andere Bahnen lenken

Mit ein bisschen pädagogischem Geschick und mit Einfühlungsvermögen gelingt es, ein vorlautes Kind in andere Bahnen zu lenken. Dazu müssen Eltern ihm das Gefühl vermitteln, dass sie ihm zuhören – insbesondere wenn es sich an die Gesprächsregeln hält. Manchem Kind tut ein Theaterkurs gut, weil es dort die Seiten seiner Persönlichkeit ausleben kann, die in den Mittelpunkt drängen.

Vorlaut ist nicht gleich vorlaut

Im Kindergartenalter lässt man den lieben Kleinen in der Regel ja noch einiges durchgehen. Wenn es aber in die Schule kommt, wird es kritisch. Vor allem, wenn vorlaute Kinder an Lehrer geraten, die diese Eigenschaft nicht mögen und nur bedingt bereit sind, genauer hinzusehen. Natürlich muss ein Kind lernen, dass es nicht einfach reinquatschen darf, sondern Rücksicht auf die Klassengemeinschaft nehmen muss. Im Studium bekommen angehende Grundschullehrer daher ein großes Repertoire an Verhaltensweisen an die Hand, wie sie mit auffälligen Kindern umgehen können.

"Das setzt aber voraus", sagt Margarete Götz von der Universität Würzburg, "dass ein solches Verhalten vom Lehrer tatsächlich als ein Störverhalten wahrgenommen wird." Dann kann man noch einmal die Gesprächsregeln genau festlegen und auch mit Konsequenzen arbeiten. Doch die Leiterin des Lehrstuhls für Grundschulpädagogik und Grundschuldidaktik gibt zu bedenken, dass vorlaut nicht gleich vorlaut ist. "Es kann durchaus sein, dass ein Kind, das sich vorlaut verhält, besonders wissbegierig und voller Begeisterung ist. Dann ist es an dem Lehrer, auf kluge Art und Weise damit umzugehen und das Kind nicht auszubremsen, ihm die Freude am Lernen nicht zu verderben."

Erzieher und Lehrer brauchen Fingerspitzengefühl

Kinder, die in der Klasse unaufgefordert reden, sind also oft begeisterte, kaum zu bremsende Schüler. Sie finden es frustrierend, jedes Mal so lange und oft auch vergeblich zu warten, bis sie drangenommen werden. Wenn Lehrer dies nicht erkennen, sondern negativ reagieren, resigniert das Kind. So wird aus Begeisterung schnell Verweigerung.

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