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Wie erklärt man Kindern Krieg?

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"Kinder haben ein Recht auf Wahrheit"  

Wie erklärt man Kindern Krieg und Terror?

25.08.2014, 11:22 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Wie erklärt man Kindern Krieg?. Kindern Krieg erklären: Da draußen gibt es eine Welt mit Krieg und Terror - Berichte aus den täglichen Nachrichten lösen bei Kindern Ängste aus.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Da draußen gibt es eine Welt mit Krieg und Terror - Berichte aus den täglichen Nachrichten lösen bei Kindern Ängste aus. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Überfordert das Thema Krieg unsere Kinder? Viele Eltern scheuen sich, darüber zu reden, schalten Nachrichten mit brutalen Meldungen und Bildern schnell um. Dabei beherrscht die Angst vor Krieg und Terror laut einer niederländischen Studie rund die Hälfte aller Kinder. Eltern dürfen sie nicht damit alleine lassen.

Der französische Schriftsteller Claude Roy sagte treffend: "Das Böse und das Unglück existieren. Kinder haben ein Recht auf Wahrheit, auch wenn sie manchmal weh tut."

20 Kriege werden derzeit auf der Welt ausgetragen und das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung zählt 414 Konfliktherde. Laut Unicef sind etwa 60 Millionen Kinder in 50 Ländern auf humanitäre Hilfe angewiesen. Sie wachsen mit Gewalt, Leiden, Tod und Trauer auf. Unsere Kinder leben dagegen in einer ganz anderen Welt und sind irritiert von den Bildern aus den Krisengebieten, die täglich in den Nachrichten zu sehen sind.

UMFRAGE
Ab welchem Alter kann man mit Kindern über Krieg und Terrorismus sprechen?

Kinder altersgerecht auffangen

Kinder zwischen drei und sieben Jahren reagieren vor allem auf Töne und Bilder verletzter Kinder. Die Eltern müssen sie danach emotional auffangen und ihnen das Gefühl von Sicherheit vermitteln.

Bei Kindern zwischen acht und zwölf Jahren hinterlassen Nachrichten aus Kriegsgebieten vor allem ein Gefühl der Hilflosigkeit und des Ausgeliefertseins. Dieses Gefühl sollten Eltern nicht verdrängen, sondern durch klärende, aber kindgerechte Gespräche aufarbeiten. Jugendliche wollen diskutieren, nachfragen, sich engagieren.

Eltern vermeiden das Thema Krieg

Hans-Peter Miksch, Leiter der Kunstgalerie Fürth, hat sich im Rahmen einer Ausstellung des Themas angenommen. Er kritisiert den Mangel an geeigneter Literatur, gerade für Kinder im Vorlesealter, aber auch das Zurückscheuen von Eltern, Erziehern und Lehrern, wenn es darum geht, mit Kindern über Krieg zu sprechen. Zur Hemmung kommt Übersättigung. Miksch hat die Erfahrung gemacht, dass sich viele Erwachsene in der Freizeit nicht mit politischen Themen beschäftigen wollen, schon gar nicht mit Krieg und Terror.

"Dabei hat sich gezeigt, dass Kinder über die Massenmedien wesentlich mehr vom Krieg hören als uns Eltern manchmal bewusst oder angenehm ist." Die Krisen der Welt lassen sich schon lange nicht mehr aus den Kinderzimmern aussperren. Flüchtlingskinder besuchen die gleiche Schule, Kinder deren Familien und Freunde in Krisengebieten leben, gestalten ihren Alltag mit unseren Kindern. Deshalb bestehe Gesprächsbedarf.

Preisgekröntes Bilderbuch macht Krieg für Kinder begreifbar

"Kinder wollen Dinge hinterfragen", weiß Tobias Krejtschi, Illustrator des Bilderbuchs "Ein roter Schuh", das die Stiftung Buchkunst zu den 25 schönsten Büchern des Jahres 2013 wählte. Wobei "schön" in diesem Zusammenhang ein unglücklich gewähltes Wort ist. Es ist ein Buch über Krieg in der heutigen Zeit. Die Hauptperson ist ein Kriegsfotograf, der eine innere Mauer aufgebaut hat gegen das Geschehen um sich herum. "Ein Schulbus ist beschossen worden. Die Kinder, die den Angriff überlebt haben, werden gerade abtransportiert. Seltsam, wie alltäglich sich diese Mitteilung anhört." Erst durch die Erinnerung an einen kleinen, geliebten Jungen zuhause öffnet sich sein Herz wieder für das Elend, das hinter seinen Fotos steht. 

Bilderbücher vermitteln Zugang zu angstbesetztem Thema

Der Illustrator vertritt die These, dass Bilderbücher auch für jugendliche Leser eine ernstzunehmende Literaturgattung sein können. Sie bieten eine Diskussionsgrundlage, gerade bei schwierigen Themen. "Das funktioniert schon bei Kindern ab der dritten, vierten Klasse. Aber nur mit Begleitung. Es ist wichtig, zu vermitteln, zu erklären. Kinder, aber auch Jugendliche, dürfen mit den aufkommenden Gefühlen nicht alleine gelassen werden."

Bilderbücher helfen, einen ganz anderen Zugang zu den Ängsten zu bekommen. Die Fotos und Filme, die Kinder in den Medien sehen, können hingegen verstören. Der Stern-Journalist Andreas Hoidn-Borchers weist in einem Artikel über unser Bild vom Krieg darauf hin, dass es wichtig sei, seine eigenen Grenzen zu kennen. Was für Eltern bedeutet, auch die Grenzen der Kinder zu erkennen. Er schreibt "wo er die Grenze des Erträglichen sieht, muss jeder für sich selbst definieren. Wir können - und dürfen - die Augen verschließen, wenn es uns zu viel, zu drastisch wird. Wir müssen dann allerdings auch wissen: Ändern wird das nichts."

Kriegsspuren in der eigenen Familie sichtbar machen

Ältere Kinder lesen häufig bereits Nachrichten, viele von ihnen auch im Internet. Hier ist es gut, wenn Eltern auf die Auswahl ein Auge haben. Kindernachrichtensendungen wie "Logo", die einfach und anschaulich erklären, können eine gute Gesprächsbasis sein.

Die Unterhaltung mit Groß- oder Urgroßeltern bringt Kindern nahe, welche Spuren ein Krieg in einer Familie oder an einem Ort hinterlassen kann. Großeltern, Eltern und Kinder können sich auf die gemeinsame Suche machen: Denkmäler und Gedenkstätten aufsuchen oder Bilder ansehen von Häusern, die zerstört und wiederaufgebaut wurden. Und man kann zusammen herausfinden, was Ottfried Preußler einmal schön zusammengefasst hat: "Mit Mut und Entschlossenheit lässt sich manches gegen Gewalt und Willkür bewirken auf dieser Welt - übrigens auch im Frieden."

Wobei die Botschaft klar ist: Man sollte bleiben wie ein Kind - früh genug Fragen stellen und nie damit aufhören, nach Antworten zu suchen. Und Antworten zu geben.

Buchtipps zum Thema Kinder und Krieg

Dies ist nur eine kleine Auswahl von kindgerechten Bücher zum Thema Krieg. Ausnahmslos alle brauchen die Begleitung durch einen umsichtigen Erwachsenen, um das Kind nicht mit den Bildern und Geschichten allein zu lassen. 

  • David McKee: "Sechs Männer" (ab fünf Jahren)

  • Angelika Kaufmann: "Das fremde Kind" (ab fünf Jahren)

  • Claude Dubois: "Akim rennt" (ab sechs Jahren)

  • Tomi Ungerer: "Autobiographie eines Teddybären" (ab sieben Jahren)

  • Johanna Kang: "Die große Angst unter den Sternen" (ab acht Jahren)

  • Karin Gruß und Tobias Krejtschi: "Ein roter Schuh" (ab neun Jahren)

  • Roberto Innocenti: "Rosa Weiss" (ab neun Jahren)

  • Mirijam Elias: "Geheimversteck Hotel Atlantic" (ab zehn Jahren)

  • Judith Kerr: "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" (ab zwölf Jahren)

  • Uri Orlev: "Lauf, Junge, lauf" (ab zwölf Jahren)

  • "Das Tagebuch der Anne Frank" (ab 13 Jahren)

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