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Kindesmisshandlung: Was lässt bei Eltern die Sicherungen durchbrennen?

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Kind zu Tode geschüttelt  

Was lässt bei Eltern die Sicherungen durchbrennen?

09.09.2014, 15:25 Uhr | Irena Güttel, dpa

Kindesmisshandlung: Was lässt bei Eltern die Sicherungen durchbrennen?. Kindesmisshandlung: Überfordert vom schreienden Baby und Partnerschaftkonflikten, Gefangen in eigenen Verhaltensmustern - das kann Auslöser für Kindesmisshandlungen sein. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Überfordert vom schreienden Baby und Partnerschaftkonflikten, Gefangen in eigenen Verhaltensmustern - das kann Auslöser für Kindesmisshandlungen sein. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Wie können Eltern sowas tun? Die Frage drängt sich auf, wenn in Deutschland wieder einmal ein Baby oder Kleinkind misshandelt oder zu Tode geprügelt wurde. Solche Kindesmisshandlung schockiert nicht nur Nachbarn und Freunde. Oft sind es Überforderung und Hilflosigkeit, die Eltern zu Tätern machen. Umso wichtiger, Hilfsangebote wie die Schreiambulanz zu kennen.

Manche Babys schreien und schreien und schreien - bis die Eltern selbst nur noch schreien könnten. Sie finden kaum noch Schlaf, tragen das weinende Kind stundenlang auf dem Arm herum. Sie wiegen es, sie singen. Doch nichts hilft. Irgendwann kommt der Punkt, an dem nichts mehr geht. Statt Mutter- oder Vaterliebe spüren die Eltern nur noch Erschöpfung und Wut. Manche holen sich Hilfe. Andere rasten aus, wie die Staatsanwaltschaft auch im Fall eines getöteten Säuglings aus Schwanewede in Niedersachsen vermutet.

Die 33-Jährige steht derzeit wegen Totschlags und der Misshandlung Schutzbefohlener vor dem Landgericht Verden. Nach einem Streit mit ihrem Mann soll die Frau ihre drei Monate alte Tochter zweimal mit dem Kopf gegen eine Wand geschlagen haben. Als das Baby aufhörte zu atmen, schüttelte sie es nach Angaben der Staatsanwaltschaft kräftig durch. Das Mädchen starb später im Krankenhaus.

Über 100 Fälle von Kindstötung in einem Jahr

Außenstehende sind fassungslos angesichts solcher Brutalität. Doch dass Eltern ihre Kinder zu Tode schütteln oder misshandeln, kommt immer wieder vor. Im vergangenen Jahr kamen in Deutschland nach Angaben des Bundeskriminalamtes 113 Kinder unter sechs Jahren gewaltsam ums Leben. Mehr als 1700 wurden misshandelt. In vielen Fällen sind die Täter in der Familie zu finden. Meist ist Überforderung die Ursache, darin sind sich die Experten einig.

Überfordert von Kindergeschrei und Beziehungskonflikten

"Ein schreiendes Kind, ständiges Schlafdefizit und Konflikte mit dem Partner können einen an den Rand bringen", sagt die Juristin Theresia Höynck von der Uni Kassel, die viel zu Kindstötungen geforscht hat. Mit solchen Belastungen umgehen kann nicht jeder. Besonders schwer fällt das Menschen, die aus einem zerrütteten Elternhaus kommen, die als Kind selbst misshandelt oder vernachlässigt wurden und jetzt alles besser machen wollen. "Sie haben sich wer weiß was ausgemalt und sehen sich in der Realität mit ganz anderen Dingen konfrontiert", meint Universitätsprofessorin Höynck.

Gestörte Bindung zwischen Mutter und Kind

Frust statt Familienglück kann sich nach der Geburt eines Babys schnell einstellen. Das weiß auch Stephanie Glaubitz aus jahrelanger Erfahrung als Hebamme in Langenhagen bei Hannover - und als Mutter.

Als Familienhebamme betreut sie Babys im ersten Lebensjahr, die in schwierigen Verhältnissen aufwachsen: bei denen die Eltern Drogen nehmen, psychisch krank, arm oder alleinerziehend sind. Sie kontrolliert, dass die Kinder gut versorgt werden. Sie vermittelt Therapien, organisiert Krankengymnastik oder Besuche bei einer Krabbelgruppe. Doch das Wichtigste ist: "Ich arbeite an der Bindung zwischen Mutter und Kind. Denn da stimmt oft was nicht."

Frühzeitig an die Schreiambulanz wenden

Überfordert kann sich jeder mal fühlen - sogar Experten wie Glaubitz. "Es ist das unstillbare Schreien des Babys, das einen fertigmacht. Man bezieht das Weinen sehr auf sich, und das schlägt in Aggression um." Glaubitz selbst wusste sich bei ihrer ersten Tochter eines Nachts nicht mehr zu helfen. Deshalb fuhr sie mit ihr in eine Kinderklinik.

Wichtig ist, dass die Betroffenen das rechtzeitig erkennen und sich Hilfe holen. In vielen Städten gibt es mittlerweile eine Schreiambulanz. Dort finden Eltern ein offenes Ohr und professionelle Hilfe, um die Ursache für das Schreien des Babys zu ergründen und im Alltag besser mit der Belastung zurechtzukommen.

Professionelle Hilfe für überforderte Eltern

Schreiambulanz: Adressen von Schreiambulanzen in Deutschland findet man unter anderem bei schreiambulanz.info

Hilfe bei Baby-Stress bekommt man auch über die regionalen Sozialdienste sowie durch die Hilfsangebote von www.wellcome-online.de und www.fruehehilfen.de.

Emotionelle Erste Hilfe: Psychotherapie für überforderte Eltern von Säuglingen und Kleinkindern: Berater für Emotionelle Erste Hilfe in Deutschland

Das Elterntelefon - die "Nummer gegen Kummer" - erreicht man unter der gebührenfreien Rufnummer 0800/111 0 550. Das Beratungsangebot bietet montags bis freitags von 9 bis 11 Uhr sowie dienstags und donnerstags von 17 bis 19 Uhr spontane Hilfe sowie konkrete Informationen über weitere Hilfen zur Bewältigung von Problemen im Zusammenleben mit Kindern.

Die Telefonseelsorge ist ein gemeinsames Beratungsangebot der evangelischen und katholischen Kirche und 24 Stunden täglich kostenfrei unter den Telefonnummern 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222 zu erreichen.

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