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Frankfurt startet Plakataktion gegen "Handyeltern"

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Plakate gegen "Handyeltern"  

Eltern, legt die Smartphones weg!

03.03.2015, 16:42 Uhr | Ira Schaible, dpa

Frankfurt startet Plakataktion gegen "Handyeltern". Plakate gegen "Handyeltern": Die Stadt Frankfurt startet die Kampagne "Sprechen Sie lieber mit Ihrem Kind". (Quelle: dpa)

Plakate gegen "Handyeltern": Die Stadt Frankfurt startet die Kampagne "Sprechen Sie lieber mit Ihrem Kind". (Quelle: dpa)

Der kleine Begleiter zieht immer wieder mit Pieptönen und Brummen die Aufmerksamkeit von Mama oder Papa auf sich. Eine Reaktion erfolgt prompt. Die Rede ist hier nicht vom Kind, das ist zur Nebensache geworden, sondern vom Smartphones in Elternhänden. Experten warnen vor negativen Auswirkungen auf die Eltern-Kind-Bindung. Die Stadt Frankfurt klebt nun Plakate mit dem Appell "Sprechen Sie lieber mit Ihrem Kind".

"Papa, Papa, guck mal!", ruft das kleine Mädchen auf dem Spielplatz. Der Vater lacht, winkt kurz, telefoniert aber weiter. Mit großen Augen verfolgt der kleine Junge an der roten Fußgängerampel die vorbeisausenden Autos, seine Hand fest in der seiner Mutter. Die junge Frau bemerkt die Mischung aus Angst und Neugier bei ihrem Sohn aber gar nicht, denn sie spricht gerade auf dem Handy mit einer Freundin.

Immer häufiger telefonieren Eltern auch beim Kinderwagenschieben und tippen und lesen Nachrichten über WhatsApp und soziale Netzwerke oder surfen beim Spiel mit ihren Kleinen. Pädagogen sehen das kritisch. Mit Plakaten, Postern und Postkarten will die Stadt Frankfurt daher Eltern zum Nachdenken anregen.

UMFRAGE
Benutzen Sie Ihr Handy , wenn eigentlich das Kind im Mittelpunkt stehen sollte?

Brauchen wir Smartphone-Regeln für Eltern?

"Wir wollen keinen erhobenen Zeigefinger. Die neuen Medien haben natürlich auch viele Vorteile", sagt eine der Initiatorinnen der Plakat-Aktion, Astrid Kerl-Wienecke vom Netzwerk "Frühe Hilfen" Frankfurt. Hebammen, Erzieherinnen, Sozialarbeiterinnen und Pädagoginnen machten aber unisono die Beobachtung: Eltern legen das Smartphone kaum noch aus der Hand.

"Vielen Eltern ist es vielleicht nicht bewusst, dass sie ihr Kind indirekt zurückweisen", sagte Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU). Mütter und Väter sollten auch im eigenen Interesse das Smartphone mal beiseitelegen, dem Kind in die Augen schauen und mit ihm sprechen. "Kleine Kinder brauchen die Sicherheit, dass die Eltern für sie da sind."

Tipps für Mütter und Väter zur Handynutzung ihrer Kinder gebe es zuhauf, sagt Birkenfeld. "Wenig wird bisher jedoch drüber gesprochen, welche Auswirkungen der eigene Handygebrauch auf die Entwicklung von Kindern haben kann."

Kinder glauben, das Handy sei wichtiger als sie

Es ist verständlich, dass Eltern in chronischer Zeitnot stecken und es praktisch finden, Kontaktpflege und Organisatorisches nebenbei zu erledigen - auch wenn sie mit den Kindern spielen. Wo ist also das Problem? "Kleine Kinder können überhaupt nicht einschätzen, mit wem die Mutter spricht und warum sie dabei lacht, aufgeregt, traurig oder böse ist", erklärt Kerl-Wienecke. "Kinder denken, das hat etwas mit ihnen zu tun." Sie könnten auch den Eindruck gewinnen: "Das Handy ist wichtiger als ich."

Bernhard Kalicki vom Deutschen Jugendinstitut verweist auf die Erkenntnisse der Bindungsforschung. "Kinder brauchen in den ersten beiden Lebensjahren - besonders in den ersten zwölf Monaten - eine erwachsene Bezugsperson, die sehr dicht mit ihnen kommuniziert und interagiert."

Dies gebe ihnen Sicherheit und sei wichtig für ihre Entwicklung. "Viel Kommunikation läuft von Anfang an über Blickkontakt und geteilte Aufmerksamkeit", betont Kalicki. Wenn Eltern ständig mit ihrem Smartphone beschäftigt seien, verpassten sie wichtige Gelegenheiten, das aufzugreifen, was ihr Kind gerade beobachtet und seine Handlungen im Alltag sprachlich zu begleiten.

Handy und Kind ist so wenig verträglich wie Handy am Steuer

Entwicklungspsychologin Monika Knopf spricht von einer typischen "Doppelaufgabe", bei der die Eltern einerseits mitbekommen müssen, was ihr Kind gerade braucht oder vorhat, sich gleichzeitig aber auf den Gesprächspartner am Telefon einstellen wollen. "Damit ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die Eltern etwas nicht bekommen, nicht gleich reagieren, wenn ein Kind gefährdet ist", sagt die Frankfurter Professorin. Dies gelte insbesondere bei emotional belastenden Telefonaten. Darüber hinaus seien häufige Doppel- oder Dreifachaufgaben auch die Grundlage von Stress und damit weder gut für die Gesundheit der Eltern noch für die des Kindes.

Eltern-Kind-Beziehung leidet

"Viele junge Mütter und Väter sind intensiv über das Smartphone mit anderen in Kontakt, aber nicht mit ihrem eigenen Kind", sagt der Kindheitsforscher und Medienpädagoge Norbert Neuß. "Das Kind ist dann Beiwerk. Das ist auf Dauer für die Beziehungsqualität nicht besonders gut", ist der Wissenschaftler aus Gießen überzeugt.

Die Nutzung elektronischer Medien werde zudem immer in der Familie gelernt. "Die Kinder saugen mit der Muttermilch auf, wie ihre eigenen Eltern mit Medien umgehen." Die dauernde Online-Situation Erwachsener führe dazu, dass auch ihre Kinder ständig online seien. Probleme im Schulalter seien oft die Folge. "Die Fähigkeit, sich über eine Viertelstunde auf eine Sache zu konzentrieren, nimmt dramatisch ab."

Offline-Kampagne für Online-Problem

Rund 300 Plakate in U-Bahnstationen und an Litfaßsäulen machen bis zum 13. März auf das Thema aufmerksam, ebenso Poster und Postkarten, die in Ämtern, Arztpraxen, Kitas und anderen Einrichtungen aufgehängt und verteilt werden.

Fraglich ist nur, ob die Eltern, die dadurch aufgerüttelt werden sollen, den Blick lange genug von ihren Smartphones erheben, um die Plakate überhaupt zu bemerken. Vielleicht wäre es geschickter, die Kampagne über die sozialen Netzwerke zu verbreiten - direkt auf den Bildschirm des Smartphones.

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