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Facebook-Kampagne: Kindern bloß nicht mit der Polizei drohen

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Polizei appelliert an Eltern  

"Sagen Sie ihren Kindern nicht, dass wir sie holen!"

29.06.2015, 17:52 Uhr | Wolfgang Dahlmann , dpa

Facebook-Kampagne: Kindern bloß nicht mit der Polizei drohen. Facebook-Eintrag der Polizei Hagen (Quelle: dpa)

Facebook-Eintrag der Polizei Hagen (Quelle: dpa)

Drohungen sind kein gutes Erziehungsmittel - schon gar nicht, wenn Eltern den eigenen Kindern mit der Polizei drohen.

Die Polizei in Hagen hat eine Bitte an alle Eltern gerichtet: "Hören Sie bitte auf, Ihren Kindern zu sagen, dass wir sie holen, wenn sie nicht brav sind. Ihre Kinder sollen zu uns kommen, wenn sie Angst haben...und nicht Angst vor uns haben!" Mit diesem Facebook-Eintrag sorgte die Polizei in den sozialen Medien für Furore: Mehr als 2,6 Millionen Menschen erreichte diese Nachricht bislang allein bei Facebook.

Schlüsselerlebnis im Supermarkt 

Auslöser ist das Erlebnis von Hauptkommissar Tino Schäfer in einem Supermarkt. Eine junge Frau drohte ihrem Sohn mit der Polizei, weil er vom Einkaufswagen aus immer wieder nach Schokoriegeln im Regal griff. Davon sichtlich beeindruckt und eingeschüchtert habe der kleine Junge mit lautem Geschrei von seinem Vorhaben abgelassen.

"Viele Polizisten wissen, dass sowas kein Einzelfall ist. Grund genug, das Thema auf der Facebook-Seite der Hagener Polizei aufzugreifen", sagt Schäfer. Er ist auch Sprecher der Hagener Polizei. Zahlreiche Facebook-Nutzer sind ebenfalls seiner Ansicht: "Gute Arbeit! Weiter so!" oder "Habe eigentlich nie darüber nachgedacht und sowas ist schnell gesagt. Mein Kleiner ist jetzt 7 Wochen alt. Ihm werde ich nun keine Angst machen mit der Polizei."

Kleinen Patienten mit der Spritze gedroht

Eltern-Sprüche gehen aber nicht nur zulasten der Polizei: "Ich selbst bin Kinderkrankenschwester und habe es schon unzählige Male erlebt, dass Eltern, die mit ihren Kindern bei uns stationär aufgenommen waren, diesen dann sagten 'Wenn du jetzt nicht lieb bist, kommt die Schwester und gibt dir eine Spritze!' Nicht sehr förderlich für unsere kleinen Patienten, denen man helfen möchte und keine unnötigen Ängste schüren will!"

Polizei erntet auch Häme und Kritik

Aber es gibt auch böse Kommentare für die Polizei: "Liebe Beamten, bitte erst einmal selbst Imagepflege betreiben...". Oder: "Die Polizei kommt doch sowieso immer nur wenn's schon zu spät ist...". Ein weitere Kritiker schildert ein Erlebnis: "Vor ein paar Jahren hatten meine Kids im Garten gezeltet. Das war in den Schulferien im Sommer. Einem Nachbar hatte wohl das Gequatsche gestört und rief die Polizei. Die Beamten gingen in unsern Garten, rissen das Zelt auf und hielten meinen Kindern die Taschenlampe ins Gesicht. Die Folgen könnt ihr euch denken...."

Kleine Kinder setzen die Polizei mit etwas Schlimmen gleich

Der Psychotherapeut Dirk Wisny rät von Drohungen als Erziehungsmethode ab: "Kinder nehmen bis zu einem gewissen Alter alles für bare Münze. Sie nehmen dann an, dass Polizei etwas Schlimmes ist. Zwischen dem siebten und zwölften Lebensjahr beginnen Kinder erst zu abstrahieren". Wenn so ein Spruch einmal herausrutsche, sei das noch nicht besonders schlimm, es solle aber nicht zur Gewohnheit werden. Eltern müssen sich klar machen, dass sie die Verantwortung abschieben, wenn sie mit der Polizei drohen. "Es ist auch ein Zeichen von Hilflosigkeit."

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