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Einmischen in die Erziehung anderer Eltern

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Tipps vom Erziehungscoach  

Einmischen in die Erziehung ist heikel

29.03.2016, 09:59 Uhr | Eva Dignös, dpa

Einmischen in die Erziehung anderer Eltern. Die Kinder der anderen - Einmischen in die Erziehung ist heikel. (Quelle: Westend61/Forster & Martin)

Die nerven! Darf man sich in die Erziehung anderer einmischen? (Quelle: Westend61/Forster & Martin)

Einmischen, dulden oder wegschauen? Wenn sich fremde Kinder danebenbenehmen fühlen sich viele Eltern wie in der Zwickmühle. Schließlich möchte man selbst auch keine Einmischung in die eigene Erziehung. Wir nennen Regeln.

Auf dem Spielplatz bewirft ein Mädchen die anderen Kinder mit Sand, der Kindergartenfreund des Sohnes flucht ständig, zwei Nachbarskinder prügeln sich im Hof. Zu reagieren, wenn andere Kinder Mist machen oder sich schlecht benehmen, ist für viele Eltern eine Gratwanderung. Einschreiten und zu verstehen geben, dass sich bestimmte Verhaltensweisen nicht gehören? Oder schweigen, weil man umgekehrt auch nicht möchte, dass sich Fremde in die eigenen Erziehungskonzepte einmischen?

Spielplatz-Raufereien finden manche Eltern toll

"Der gesellschaftliche Konsens für die Verhaltensregeln im Umgang miteinander geht leider zunehmend verloren, und man kann nicht mehr darauf vertrauen, dass sich Erwachsene beim Umgang mit schwierigen kindlichen Verhaltensweisen einig sind", schildert Hermann Scheuerer-Englisch das Dilemma. Er ist Vorstandsmitglied der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung und Leiter der Erziehungsberatung der Katholischen Jugendfürsorge in Regensburg. Das erschwere beispielsweise den Umgang mit Spielplatz-Raufereien: "Manche Eltern ermutigen ihre Kinder, sich auch körperlich aggressiv durchzusetzen, andere wiederum versuchen, ihre Kinder dazu zu erziehen, sich möglichst gewaltfrei zu verhalten." 

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Wo die einen Eltern einen harmlosen Streit sehen, den die Kinder untereinander klären können, ist für andere bereits der Zeitpunkt zum Eingreifen gekommen. Das Bauchgefühl sei in solchen Situationen gar kein schlechter Ratgeber, findet Alexandra Walther, Diplom-Pädagogin und Elterncoach aus München: "Denn ein Patentrezept gibt es nicht, weil jeder von anderen Erfahrungen geprägt wurde."

Bei Gewalt ist Schluss

Wenn Aggressivität im Spiel ist, hält Erziehungsberater Scheuerer-Englisch das Einschreiten für gerechtfertigt: "Bedroht ein Kind andere Kinder ernsthaft und missachtet deren Stoppsignale und greifen dessen Eltern nicht ein, ist es in Ordnung, selbst dazwischenzugehen und die Kinder zu trennen."

Das sind die Regeln für das Eingreifen Erwachsener:

  • Bei Aggression und Bedrohung ist ein Eingreifen immer gerechtfertigt
  • Reagieren die Eltern des drohenden Kindes nicht, wenn die Stoppsignale eines Kindes missachtet werden, darf man dazwischengehen
  • sachlicher Tonfall, nicht dramatisieren
  • Regeln erklären 
  • sich mit Eltern der Kinderfreunde austauschen über Regeln
  • Für öffentliches Gelände gelten andere Regeln als für das eigene Heim oder einen Veranstaltungsort.


Wichtig sei ein klarer, sachlicher Tonfall: "Man sollte die Situation nicht dramatisieren, aber nach außen signalisieren, dass man körperlich aggressive Auseinandersetzungen in dieser Form nicht duldet oder sich einen freundlichen Umgang der Kinder miteinander wünscht", sagt der Erziehungsberater und ergänzt: "Dagegen werden die Eltern des anderen Kindes kaum etwas einzuwenden haben." 

Nicht zu viel Energie in die Streitgespräche stecken

Scheuerer-Englisch rät, nicht zu viel Energie in Streitgespräche mit anderen Eltern zu stecken. Sollte aber das eigene Kind in die Auseinandersetzung verwickelt gewesen sein, hilft es, das Erlebnis zu Hause noch einmal in Ruhe zu besprechen: "Die Eltern sollten die eigene Haltung betonen, dass ein aggressiver, nicht-spielerischer körperlicher Angriff nicht in Ordnung ist." Das stärke die Kinder für den künftigen Umgang mit solchen Situationen.

Nicht immer geht es um aggressives Verhalten. Auch Kinder, die sich schlecht benehmen, können nerven, vor allem wenn sie zu Gast sind. "Wenn ich der Gastgeber bin, dann bestimme ich die Regeln, andererseits möchte ich, dass meine Gäste sich wohlfühlen", sagt Nandine Meyden, Benimmtrainerin aus Berlin und Buchautorin.

Kind kann nur Regeln befolgen, die es kennt

Soll ich das Gastkind darauf hinweisen, dass erst mit dem Essen angefangen wird, wenn alle etwas auf dem Teller haben? Oder darüber hinwegsehen, dass es die Gabel mit den Nudeln schon in den Mund geschoben hat? "Wenn mir eine bestimmte Regel wichtig ist, darf ich das Kind natürlich darauf hinweisen", sagt Meyden. Auch hier macht der Ton die Musik: "Das sollte freundlich und sachlich geschehen - ohne Bewertung. Denn das Kind kann ja nichts dafür, wenn es die Regeln nicht kennt."

Gerade wenn die Kinder noch klein sind, kann es sinnvoll sein, sich vorab kurz mit den Eltern auszutauschen, sagt Elterncoach Alexandra Walther: Manchmal hilft auch ein Wechsel der Perspektive: "Eltern können auch ausdrücklich loben, wenn die Kinder freundlich und aufmerksam miteinander umgehen", sagt Walther: "Damit verstärkt man das Verhalten, das man sehen möchte."

Hier gelten andere Regeln

Anders ist die Situation auf neutralem Terrain, wenn beispielsweise im Restaurant die Kinder am Nachbartisch für große Unruhe sorgen. "Dort würde ich mich zunächst an den Kellner oder den Restaurantleiter wenden und ihn bitten, eine Lösung zu finden", rät Nandine Meyden. Konfrontation sei der falsche Weg - denn was dem einen zu laut ist, kann für den anderen ein ganz normaler Geräuschpegel sein: "Es geht in solchen Situationen nicht darum, wer Recht hat", sagt die Benimm-Beraterin: "Sondern darum eine Lösung zu finden, die beiden Seiten gerecht wird."

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